Auf den Badeplausch folgt die Ohrenentzündung

Das schöne Badewetter hat auch seine Schattenseiten: Hohe Temperaturen fördern die Entwicklung von Bakterien im Wasser.

Nach dem Baden und Tauchen sollte man das äussere Ohr mit einem Tuch abtrocknen. Foto: Alessandro della Bella (Keystone)

Nach dem Baden und Tauchen sollte man das äussere Ohr mit einem Tuch abtrocknen. Foto: Alessandro della Bella (Keystone)

Denise Marquard@tagesanzeiger

Der Gehörgang des Ohres schwillt zu – und es tut sehr weh. Das kann passieren, wenn man sich zu lange im Wasser aufhält. Meist handelt es sich um eine Entzündung des äusseren Gehörgangs. Verantwortlich dafür sind Bakterien. Betroffen sind vor allem Kinder zwischen 5 und 14 Jahren. Sie halten den Kopf häufiger unter Wasser als Erwachsene. Aber auch bei jungen Erwachsenen registriert die Ohren-Nasen-Hals-Poliklinik des Unispitals bei Badewetter jeweils vermehrt Entzündungen und Infektionen des äusseren Ohres.

Ärzte in der Notfallstation des Kinderspitals Zürich sind darauf vorbereitet. «Jeden Sommer werden wir mit einer Häufung solcher Fälle konfrontiert», sagt Georg Staubli, Leiter der Notfallstation des Kispi. «Solche Entzündungen gibt es, wenn der Ohrenschmalz vom vielen Tauchen aufgeweicht und ausgewaschen wird.» Dann fehle die Schutzschicht, und Bakterien können leichter eindringen. Ein schwacher Trost: Im Unterschied zu Mittelohrentzündungen leiden die Betroffenen nicht an Fieber, und das Trommelfell schmerzt nicht.

Chlor wird schneller zersetzt

Wie kann man sich gegen solche Ohrenentzündungen schützen? «Nach dem Baden ist es wichtig, das äussere Ohr mit einem Tuch abzutrocknen», erklärt Staubli. Grundsätzlich sei eine Ohren­entzündung relativ harmlos. «Trotzdem sollte man den Kinderarzt aufsuchen», empfiehlt er. Die Entzündung behandeln Ärzte mit antibiotischen Tropfen. Solange sie aber virulent ist, sollen Kinder nicht baden. Die Häufung von Erkrankungen des äusseren Gehörgangs hängt nicht nur mit dem vermehrten Tauchen zusammen. Hohe Temperaturen fördern die Entwicklung von Bakterien in See-, Fluss- und Freibädern. Die Wassertemperatur von 26 und mehr Grad bezeichnet Thomas Kralemann von den Zürcher Freibädern als aussergewöhnlich hoch. Dies schlägt sich auch in den Besucherzahlen nieder. «Wir haben bis jetzt schon mehr Badegäste gehabt als im gesamten letzten Sommer.» Das bleibt nicht ohne Auswirkungen. «Die Qualität des Wassers bewegt sich zwar immer noch innerhalb der Toleranzwerte, aber die Filter müssen viel öfter gereinigt werden.»

In den Frei- und Hallenbädern wird die Wasserqualität automatisch reguliert, dazu werden die Werte mindestens dreimal am Tag manuell gemessen. Zudem spielt die starke Sonneneinstrahlung eine Rolle. Sie zersetzt bei hohen Temperaturen schneller das Chlor, das die Keime abtöten sollte. «Wenn die Wasserqualität sinkt, werden zur Verbesserung mehr Chlor und zusätzliches Frischwasser hinzugefügt», sagt Kralemann. Aber nicht überall ist die Qualität so gut messbar wie in öffentlichen Becken. Kralemann erwähnt den Katzensee. «Dort wird das Wasser weniger ausgetauscht. Wegen der vielen Besucher bei einer so langen Schönwetterperiode ist er einer grossen Belastung ausgesetzt.»

Zuständig für die Kontrolle der Wasserqualität in den Fluss- und Seebadis ist das Kantonale Labor. Viermal pro Saison werden die grossen Badegewässer am Zürich-, Pfäffiker-, Greifensee und in der Limmat kontrolliert, kleinere nur einmal. Die Qualität des Badewassers an natürlichen Badeplätzen bezeichnet René Schaubhut vom Kantonalen Labor als in der Regel gut oder sogar ausgezeichnet. In Hitzeperioden trage die starke Sonneneinstrahlung dazu bei, Keime an der Wasseroberfläche zu inaktivieren. «Weil diese Wirkung mit der Wassertiefe abnimmt, besteht aber beim Tauchen die Gefahr, dass Keime ins Ohr gelangen», so Schaubhut.

Probleme am Pfäffikersee

In Freibädern gehört der Nachweis des Pseudomonas-Bakteriums, das Ohrenentzündungen auslösen kann, zum Untersuchungsprofil. Laut Schaubhut kann das Bakterium auftreten, wenn etwa die Wasseraufbereitung nicht richtig funktioniert oder der Desinfektionsmittelgehalt zu tief ist. Darum seien die Badebetreiber verpflichtet, mindestens zweimal pro Tag den Gehalt an Desinfektionsmitteln zu messen und falls notwendig die Dosierung anzupassen. Das Labor kontrolliert die Freibäder einmal pro Saison, die Hallenbäder dreimal pro Jahr. Probleme mit der Wasserqualität gab es kürzlich in der Biobadi in Schlieren. Und jetzt führt auch im Pfäffikersee die hohe Wassertemperatur zu Unannehmlichkeiten. Dazu zählen Entenflöhe, die ab 23 Grad Celsius ihre Wirte, die Wasserschnecken, verlassen und sich auf der Suche nach Wasser­vögeln unter die Haut von Badegästen verirren, was Juckreiz auslöst.

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