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Alibaba-Chef provoziert mit Piraterie-Aussage

Jack Ma verärgert die Luxusgüterindustrie. Billigkopien seien besser als die teuren Originale der Marken.

Der Chef des chinesischen Marktplatzes Alibaba sorgt für rote Köpfe.
Der Chef des chinesischen Marktplatzes Alibaba sorgt für rote Köpfe.
AP NG HAN GUAN, Keystone

Er steht seit längerem am Pranger: Der chinesische Onlinehandelsriese Alibaba toleriere, dass auf seinem Marktplatz Fake-Produkte verkauft würden. Das sagen verschiedene Luxusgütergruppen wie beispielsweise Kering. Die französische Gruppe mit Marken wie Gucci und Bottega Veneta hat Alibaba letztes Jahr deshalb eingeklagt. Zudem hat die Internationale Koalition gegen Produktpiraterie, eine internationale Non-Profit-Organisation, Alibabas Mitgliedschaft auf Eis gelegt. Denn wer auf Alibabas Marktplatz nach Louis Vuitton oder Rolex sucht, findet schnell Kopieprodukte, die um einiges billiger sind als das Original.

Die jüngsten Aussagen von Alibaba-Chef Jack Ma heizen nun die Anti-Alibaba-Stimmung der westlichen Luxusgüterindustrie noch an. Er sagte zwar, dass man geistiges Eigentum schützen und alles tun müsse, um Produktpiraterie zu stoppen. Doch in einer Rede am Alibaba-Hauptsitz in Hangzhou sagte Ma auch: «Kopien sind punkto Qualität und Preis heute besser als das Original.» Die Fake-Produkte kämen aus den gleichen Fabriken wie das Original und seien aus den gleichen Materialien hergestellt. Es sei nicht die Kopie, die den Luxusmarken schade, sondern die komplett neuen Businessmodelle, welche die ganze Geschäftswelt revolutionierten.

Westliche Marken streichen das Geld ein

Der Alibaba-Chef sagte offenbar auch, dass chinesische Hersteller langsam unzufrieden würden mit der internationalen Arbeitsteilung, in welcher sie qualitativ hochstehende Produkte produzieren würden, die Markenbesitzer aber das meiste Geld einstreichen würden.

Bei den Luxusmarkenherstellern kam das nicht gut an. «Diese Aussagen machen mich fassungslos», zitiert die «Financial Times» einen Gründer einer italienischen Luxusgütergruppe, der seinen Namen nicht genannt haben wollte.

Nur in Einzelfällen richtig

Auch zu Hause stiess Jack Ma mit seiner Aussage auf kein Verständnis. «Es ist nicht angebracht, dass eine Person mit Jack Mas Status so etwas sagt», sagte der Leiter des China E-Commerce Research Center gemäss der Nachrichtenagentur Bloomberg. Für Einzelfälle möge dessen Aussage vielleicht stimmen, aber es sei falsch, dies zu generalisieren.

Nachdem die Rede für viel Aufsehen gesorgt hatte, meldete sich Jack Ma später in einer Mitteilung nochmals zu Wort. Er habe mit seinen Bemerkungen nicht die Produktpiraterie verteidigen wollen, versuchte er zu beschwichtigen. Es seien lediglich seine Beobachtungen der Herausforderungen, welche westliche Luxusgütermarken und chinesische Hersteller hätten.

Alibaba ist die chinesische Variante von Amazon. In der Schweiz ist vor allem Aliexpress.com bekannt, die auch hierzulande mit ihren Schnäppchen etliche Kunden hat. Die 1999 gegründete Firma betreibt neben einem Marktplatz auch eine Suchmaschine, Clouds-Services, und bietet ein Bezahlsystem an. Letztes Jahr erzielte der chinesische Onlinehändler einen Umsatz von umgerechnet 15,9 Milliarden Dollar.

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