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Triage-RichtlinienWer hat bei der Aufnahme auf die Intensivstation höchste Priorität?

Wenn es in der Schweiz auf den Intensivstationen nicht mehr genügend freie Betten gibt, kommt die Triage zum Einsatz. So sehen die Triage-Richtlinien der Spitäler aus.

Ein Arzt des Regionalspitals La Carita in Locarno untersucht einen Patienten am Triage-Eingang.
Ein Arzt des Regionalspitals La Carita in Locarno untersucht einen Patienten am Triage-Eingang.
Foto: Pablo Gianinazzi (Ti-Press/Keystone)

Bei der Triage werden diejenigen Patientinnen und Patienten prioritär behandelt, die am meisten von einer Behandlung auf der Intensivstation profitieren.

Dies halten die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) und die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) in ihren Richtlinien fest. Diese Richtlinien sollen dazu führen, dass für die Triage in der ganzen Schweiz vergleichbare Kriterien gelten, die bestimmen, wann eine Person auf der Intensivstation behandelt wird und wie lange sie auf der Intensivstation bleibt.

«Bei der Aufnahme auf die Intensivstation haben diejenigen Patienten höchste Priorität, deren Prognose im Hinblick auf das Verlassen des Spitals mit einer Behandlung auf der Intensivstation gut, ohne Behandlung ungünstig ist», heisst es in den Richtlinien. Prioritär behandelt werden also Patientinnen und Patienten, die am meisten von einer Intensivbehandlung profitieren.

Diskriminierungsverbot

Die Triage unterliegt dem Diskriminierungsverbot: Nicht berücksichtigt werden dürfen Kriterien wie Alter, Geschlecht, Wohnort, Nationalität, religiöse Zugehörigkeit, soziale Stellung, Versicherungsstatus oder chronische Behinderung.

Das Alter ist per se sei zwar ein Kriterium, das nicht angewendet werden darf, weil es älteren Menschen weniger Wert zumesse als jüngeren Menschen. Allerdings würden ältere und alte Menschen häufig noch unter anderen Krankheiten als Covid-19 leiden. «Im Zusammenhang mit dem Prinzip ‹kurzfristige Prognose› ist das Alter also ein Risikofaktor für die Sterblichkeit und muss daher berücksichtigt werden.»

Triage für alle Patienten

Eine Triage von intensivmedizinischen Behandlungen darf erst dann vorgenommen werden, wenn andere Massnahmen ausgereizt wurden. Dazu zählen die Beschränkung von Wahleingriffen, die Verlegung von Patientinnen und Patienten auf andere Spitäler, der Ausbau der Plätze auf Intensivstationen sowie der Verzicht auf personalintensive Behandlungsmöglichkeiten.

Bei der Triage berücksichtigt werden nicht nur die Covid-19-Erkrankten, sondern alle Patientinnen und Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt werden müssen. Wer also nach einem schweren Unfall auf die Intensivstation muss, wird nach der Triage beurteilt.

Alle getroffenen Massnahmen orientieren sich am Ziel, möglichst viele Menschenleben zu erhalten. Entscheidungen sollen so getroffen werden, dass möglichst wenige Menschen schwer erkranken oder sterben.

Früh abgeklärt werden sollte auch, ob eine Patientin oder ein Patient überhaupt auf der Intensivstation behandelt werden möchte. Knappe Ressourcen sollten laut den Richtlinien keinesfalls für Personen eingesetzt werden, die dies nicht möchten. Wenn auf den Einsatz intensivmedizinischer Massnahmen verzichtet wird, muss eine Palliative Care gewährleistet sein.

SDA

6 Kommentare
    ewa wagner

    Man kann R. Schumann und M. Schnell nur beipflichten. Eine Tragoedie und ein Skandal.