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«Weltklasse Zürich» abgesagt«Wenn wir Weltklasse veranstalten, wollen wir auch Weltklasse bieten»

Co-Meetingdirektor Christoph Joho sagt, das Meeting werde dafür 2021 und 2022 Finale der Diamond League sein. Und: Man wolle anderes offerieren.

Hürdenläufer Kariem Hussein: Kommen er und die Schweizer am 11. September trotzdem noch zu einem Start?
Hürdenläufer Kariem Hussein: Kommen er und die Schweizer am 11. September trotzdem noch zu einem Start?
Foto: Keystone

Am Tag, an dem der öffentliche Ticketverkauf für den dreitägigen Event vom 9. bis 11. September hätte beginnen sollen, kam die Absage: «Weltklasse Zürich» wird in diesem Jahr nicht stattfinden. In der 92-jährigen Geschichte des prestigeträchtigsten Leichtathletik-Meetings der Welt ist das noch nicht viele Male passiert: Nach der Premiere 1928 kam es während des Zweiten Weltkriegs (1940 bis 1945) zum Unterbruch, und in den 1950er-Jahren während des Ausbaus des Letzigrunds zum Kleinstadion. Christoph Joho, einer der beiden Co-Direktoren des Meetings, sagt: «Es tut weh. Wir hatten uns so gefreut, aber es ist, wie es ist: Es ist der richtige Entscheid angesichts der Corona-Krise.»

«Weltklasse Zürich» hätte in diesem Jahr in eine neue Zukunft starten wollen: als alleiniges Finalmeeting und Abschluss-Highlight der 14-teiligen Wanda-Diamond-League-Serie. Vorgesehen gewesen wären am Mittwoch der traditionelle Wettkampf im Zürcher HB, neu am Donnerstag Wettbewerbe auf dem Sechseläutenplatz und am Freitag der Höhepunkt im Letzigrund – 24 Entscheidungen in drei Tagen an drei Standorten. Auch wenn das vom Bund verhängte Verbot für Grossveranstaltungen vorerst nur bis Ende August gilt, «ist eine Durchführung in der geplanten Form in diesem Jahr nicht realistisch», sagt Joho. In Absprache mit der Wanda Diamond League wird «Weltklasse Zürich» aber 2021 und neu auch 2022 den Final durchführen.

Die Schadensminimierung

Joho erklärt, man habe frühzeitig entscheiden und Klarheit schaffen wollen. «Wir sind vielleicht sehr schweizerisch und relativ pragmatisch. Aber wenn wir Weltklasse Zürich veranstalten, dann wollen wir auch Weltklasse bieten und nicht ein Produkt verkaufen, für das wir nicht garantieren können», sagt er. Es gebe wohl noch lange keine Gewissheit, ob man im Sommer wieder reisen könne, ob die Spitzenathleten hätten nach Zürich kommen können.

Die frühe Absage bedeutet für die Organisatoren auch eine «Schadensminimierung». «Weltklasse Zürich», das zusammen mit der schweizweit grössten Nachwuchsserie UBS-Kids-Cup ein Budget von 9,5 Millionen Franken aufweist, verfügt über eine Ausfallversicherung. Und weil sich bereits im Februar und März mit den Absagen der ersten Meetings der Serie abzeichnete, dass das Businessmodell der Diamond League nichtig wird und die Verträge ohnehin nicht eingehalten werden können, waren auch die Zürcher frei für neue Pläne. «Wir verlieren Zuschauereinnahmen und Sponsorengelder, aber wir hatten das Glück, dass wir früh mit den Sponsoren reden konnten», sagt Joho. Die Verträge verlängerten sich nun um ein Jahr.

Gleichzeitig mit Zürich hat auch die Diamond League ihre Pläne einer verkürzten Saison bekannt gegeben. «Alle wollen in irgendeiner Form ein Meeting machen, das ist sehr erfreulich. Niemand weiss aber, was für eines es wird», sagt Joho. «Weltklasse Zürich» will alternative Plattformen für die Leichtathletik prüfen. Zusammen mit der Schweizer Sporthilfe und anderen Sponsoren hat es bereits den «One Million Run» vom 30./31. Mai lanciert, in 48 Stunden sollen Läuferinnen und Läufer schweizweit und bei sich laufen und eine Million Kilometer zusammentragen.

Im Fokus steht weiter ein möglicher Event vor den Sommerferien, «und wenn am 11. September ein Meeting stattfinden sollte, werden die Schweizer im Mittelpunkt stehen» sagt Joho. Er schränkt allerdings gleich selber ein, Ideen seien das eine, die Realisierbarkeit und Finanzierung das andere.