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SeitenblickeWenn Informationen krank machen

Im Minutentakt erreichen uns News, aber auch Fake News – nicht alle können mit dieser Flut umgehen.

Die erste positive Nachricht im Zusammenhang mit Corona: Impfen ist nun möglich.
Die erste positive Nachricht im Zusammenhang mit Corona: Impfen ist nun möglich.
Foto: Rob Engelaar (AFP)

Im vergangenen Jahr – so scheint es – gab es fast nur drei Themen: Corona, Trump und Brexit. Auch über die vergangenen Feiertage haben diese Themen die Nachrichten beherrscht, und sie werden uns in den nächsten Monaten weiterhin begleiten. Dass Trump seine Abwahl endlich akzeptieren muss, dass der Brexit unter Dach und Fach ist und es gegen das Virus Impfstoffe gibt, wird uns kaum zu einer medialen Atempause verhelfen.

Während uns Trump und der Brexit eigentlich egal sein können, trifft Corona auch hierzulande viele Menschen hart. Sei es gesundheitlich oder geschäftlich. Und selbst diejenigen, die bisher vom Virus verschont geblieben sind und die weiterhin ihrer Arbeit nachgehen können, leiden unter der täglichen Informationsflut, der sich kaum jemand entziehen kann. Natürlich darf man einwenden, jeder habe einen freien Zugang zur Informationswelt. Niemand muss Nachrichten schauen, Radio hören, Zeitungen lesen oder Newsportale aufrufen. Doch das ist illusorisch. Man müsste sich dazu unter die Bettdecke verkriechen und alle Netze kappen.

Gerade in solchen Krisenzeiten verlangen die Menschen nach Informationen. Doch nicht wenige können nicht richtig mit ihnen umgehen. Die zum Teil widersprüchlichen Nachrichten, die kontroversen Expertenmeinungen und die teilweise pessimistische und dann wieder populistische Gewichtung der Pandemie durch die Politik überfordert viele und macht sie sogar krank. Ein Wechselbad der Gefühle erlebten wir vor Jahresende, als überraschend schnell der erste Impfstoff zugelassen und in Basel bereits geimpft wurde. Auch wenn die Impfung nicht die Lösung zur Ausrottung des Virus ist, bedeutet sie dennoch einen wichtigen Schritt zu seiner Eindämmung.

Doch wenig später kam die ernüchternde Nachricht, dass ein neues, noch gefährlicheres Virus in Grossbritannien und Südafrika aufgetaucht sei. Wie effektiv die Impfung gegen diese Mutation ist, muss erst noch seriös geklärt werden. Doch schon wieder überbieten sich die Experten mit Einschätzungen und Vermutungen. Das führt in der Bevölkerung zu einer erneuten Verunsicherung. Statt Spekulationen oder gar Verharmlosungen wünschen sich viele Menschen in dieser Situation Klartext.

In Basel-Stadt haben sich zwei Personen mit ihrem ruhigen, bestimmten Auftreten in der Krise hervorgetan. Der Kantonsarzt Thomas Steffen und Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger. Gewiss, als Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz musste der Basler Regierungsrat zwangsläufig auch national eine exponierte Rolle einnehmen. Doch unterstützt von Steffen hat er seinen Part bislang sehr gut gespielt. Auch am Dienstag war im «Club» wiederum ein besonnener Engelberger zu erleben, der es wagte, schärfere Massnahmen bis hin zu Schulschliessungen anzusprechen. Er tat dies in seiner ruhigen Art, ohne in Panikmache zu verfallen. Seine Aussage: Wir müssen auf alles gefasst sein und entsprechend schnell handeln.

Die Krise hat einmal mehr gezeigt, wie viele Politiker eben bloss Schönwetterkapitäne sind.

Dass der Föderalismus im Kampf gegen eine Pandemie an Grenzen stösst, merkte spätestens dann jeder, als im einen Kanton die Restaurants offen und im Nachbarkanton geschlossen waren. Da spielten die verantwortlichen Regierungen in verschiedenen Kantonen eine unrühmliche Rolle, und als ihr Versagen vollends ersichtlich wurde, riefen sich kurzerhand wieder nach der starken Hand des Bundesrates, dem sie zuvor Machthunger unterstellt hatten. Die Krise hat einmal mehr gezeigt, wie viele Politiker eben bloss Schönwetterkapitäne sind und die Probleme vor sich her schieben. Im Hinblick auf die nächste Wiederwahl möchten sie die Entscheide und damit die Rolle des Schwarzen Peter lieber Bern zuspielen. Nur gehört zum Pflichtenheft eines Regierungsvertreters und einer Regierungsvertreterin auf Kantonsebene eben auch und vor allem die Entscheidungsgewalt, die nicht einfach auf die nächsthöhere Stufe delegiert werden kann.

Die nächsten Monate werden uns allen und vor allem auch der Politik weiterhin viel abverlangen. Die Pandemie ist noch lange nicht eingedämmt. Doch alle notwendigen Schritte, auf nationaler wie auf kantonaler Ebene, sollten aufgrund gesicherter Informationen und koordiniert erfolgen. Das Vertrauen in die Medien (vor allem in die sozialen) und in die Politik hat im Zuge der zweiten Welle gelitten. Nur eine seriöse Berichterstattung und glaubwürdiges Handeln können dieses Vertrauen wieder herstellen.

Raphael Suter, Direktor Kulturstiftung Basel H. Geiger.
Raphael Suter, Direktor Kulturstiftung Basel H. Geiger.
6 Kommentare
    Hans Iseli

    Genau so wie beschrieben geht es mir: ich nehme mit viel Zeitaufwand die vielen, absolut von sich überzeugten Meinungen zur Kenntnis, probiere mir einen Reim darauf zu machen, und bin zumeist überfordert.

    Extrem spassig wird es, wenn jemand wie der Kommentator Cecric von Allmen weiter unten meint, dass die Medien zu wenig differenziert berichten, und dann vorschlägt, dass man Andersdenkende - diejenigen also, die nicht seiner Meinung sind - bestrafen sollte.