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Hinter Gittern in Hindelbank«Wenn ich an die Delikte denke, schaudert es mich manchmal»

Annette Keller ist seit 2011 Direktorin der Justizvollzugsanstalt Hindelbank.

Frau Keller, Sie sagen, ohne Mitgefühl sei Ihr Job nicht zu erledigen. Wie viel Empathie können Sie denn einer Mörderin entgegenbringen?

Die Frauen sind viel mehr als bloss die Tat, die sie verübt haben. «Mörderin» beschränkt sich auf das Delikt. Es ist wichtig, ihnen Empathie entgegenzubringen, aber auch gleichzeitig ihre Tat zu verurteilen. Nur so können sie sich weiterentwickeln. Auch mich schaudert es manchmal, wenn ich an die Delikte denke. Aber diese darf und will ich nicht ausblenden.

Nur rund 6 Prozent aller Personen im Strafvollzug sind Frauen. Weshalb ist das so?

Dazu gibt es viele Theorien und Thesen. Die Aggressionsformen sind bei Frauen ganz anders als bei Männern, wobei auch die Hormone eine Rolle spielen. Ein weiterer Aspekt ist die Erziehung: Frauen werden immer noch darauf hin erzogen, nicht aggressiv aufzutreten. Bei ihnen geht es weniger um körperliche Gewalt, sondern um Formen, die vom Strafrecht nicht abgedeckt werden. Zum Beispiel jemanden aus einer Gruppe auszuschliessen.

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