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Gigantischer SteuerbetrugWenn ein US-Milliardär seinen Geschäftspartner verpfeift

Der US-Unternehmer Robert Brockman soll zwei Milliarden Dollar vor den Steuerbehörden versteckt haben. Die kamen ihm nur auf die Schliche, weil sein Geschäftspartner gegen ihn aussagte und damit auch eine Genfer Bank anschwärzte.

Im Visier der US-Justiz: Gegen den US-Milliardär Robert Brockman wird ermittelt. Hier mit seiner Frau Dorothy Brockman im Jahr 2011.
Im Visier der US-Justiz: Gegen den US-Milliardär Robert Brockman wird ermittelt. Hier mit seiner Frau Dorothy Brockman im Jahr 2011.
Foto: Keystone 

Die Vorwürfe haben es in sich. Der US-Milliardär Robert Brockman soll ein Einkommen von zwei Milliarden Dollar vor den US-Steuerbehörden verheimlicht haben. Laut den Ermittlern soll es sich um den grössten jemals aufgedeckten Fall von Steuerhinterziehung in den USA handeln. Die Behörden werfen Brockman auch noch Betrug und Geldwäscherei vor. Der US-Unternehmer bestreitet die Vorwürfe. Seine Anwälte liessen den US-Medien ausrichten, dass sie sich gegen die Anschuldigungen zur Wehr setzen werden. Brockman hat eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar hinterlegt und ist auf freiem Fuss.

Laut der Anklageschrift der US-Behörden soll der 79-jährige Software-Unternehmer Brockman seine Kapitalgewinne 20 Jahre lang vor dem Steueramt versteckt haben. Dabei habe er ein Netz von Offshore-Firmen in den Steuerparadiesen Bermudas und Saint Kitts and Nevis und geheime Bankkonten in der Schweiz gesetzt. Laut den US-Ermittlern soll er Konten bei der Genfer Privatbank Mirabaud gehabt haben. Die Bank ist aber in dem Verfahren keine Beschuldigte. Eine Anfrage dieser Zeitung kommentiert sie nicht. Offen ist, wie viel das Institut über seinen äusserst vermögenden Kunden wissen konnte. Derzeit wird man das Dossier dort wohl sehr genau unter die Lupe nehmen.

Schnapper, Knochenfisch und Regenbogenforelle

Denn Brockman achtete bei seinen Geschäften auf strikte Geheimhaltung. Er nutzte zahlreiche Scheinfirmen, mit seinen Vertrauten kommunizierte er über verschlüsselte E-Mails. Zudem gab er jedem seiner Geschäftspartner den Namen eines Fischs als Decknamen. Seine engsten Mitarbeiter waren Schnapper, Knochenfisch und Regenbogenforelle. So konnte er seine Geschäfte jahrelang vor den Steuerbehörden geheim halten.

In den USA war er bis vor wenigen Tagen kein «household name» – also keiner, den man auf der Strasse kennt. Doch das ändert sich jetzt. Kaum ein US-Medium, das nicht über den aufsehenerregenden Fall berichtet.

Brockmans Gelder sollen in Genf bei der Bank Mirabaud gelandet sein.
Brockmans Gelder sollen in Genf bei der Bank Mirabaud gelandet sein.
Foto: Getty Images

Bislang war er wohl nur Insidern als Chef des US-Software-Unternehmens Reynolds and Reynolds bekannt. Die Firma mit rund 4300 Angestellten beliefert vor allem die US-Autoindustrie mit Garagensoftware, Buchhaltungs- und Verkaufssystemen. Sie verfügte vor einigen Jahren auch über ein eigenes Schweizer Standbein in Wettingen AG. Dieses ging vor zehn Jahren in einem anderen Unternehmen auf und Brockmans Firma zog sich aus der Schweiz zurück.

In den USA entwickelte sich das Unternehmen aber gut. Zumindest so gut, dass Brockman ein grosses Vermögen anhäufte, das er in komplexen Finanzstrukturen anlegte. Die Gewinne und Dividenden sollen aber nicht auf sein Konto geflossen sein, wo er sie hätte versteuern müssen, sondern über verschachtelte Firmenstrukturen in der Schweiz gelandet sein.

Mit dem in Genf parkierten Geld kaufte er sich die Jacht «Turmoil» im Wert von 3,5 Millionen Franken

Ab 2010 spielt dabei die Genfer Bank Mirabaud eine Rolle. Damals eröffnete ein Gewährsmann von Brockman dort ein Konto. Immer wieder flossen danach Millionenbeträge von Brockmans Unternehmen auf den Bermudas und Saint Kitts and Nevis auf die Schweizer Mirabaud-Konten. Nach ein paar Monaten liess er sich dann von seinen Geschäftspartnern die Zugangsdaten zum Konto geben. Er selbst war aber offenbar nicht Kunde der Bank.

Das Geld soll er laut den Gerichtsakten dann aber durchaus für sein Privatleben genutzt haben. So wies Brockman etwa im Herbst 2016 einen Vertrauten an, 3,5 Millionen Dollar von einem Konto bei Mirabaud zu holen, um damit die Luxusjacht «Turmoil» zu kaufen.

Geschäftspartner sagt gegen ihn aus

Brockmans Steuertricks kamen die Behörden nur durch die Hilfe eines anderen US-Milliardärs auf die Schliche. Robert Smith habe bei den Behörden gegen Brockman ausgesagt, um selbst glimpflicher davonzukommen. Smith erlangte im letzten Jahr über die USA hinaus Bekanntheit, weil er die Uni-Darlehen von 400 schwarzen Studenten übernahm. Doch auch Smith hat Ärger mit dem Steueramt.

Smith, dem ein Finanzunternehmen gehört, hatte Brockman geholfen, die Offshore-Strukturen aufzusetzen. Trotz seiner Aussagen gegen Brockman muss er nun rund 140 Millionen Dollar an Strafen und Steuern bezahlen.

19 Kommentare
    Sacha Meier

    Unsere gnädige, geldadelige Elite zahlt nun einmal besonders nicht gerne Steuern. Das überlässt sie dem Fussvolk. Und beansprucht von ihm auch noch Steuererleichterungen. Weiss man eigentlich schon seit der Franz. Revolution. Allerdings muss man doch den Kopf schütteln, wenn man konkret sieht, mit welcher krimineller Energie heute vorgegangen wird, um den Fiskus zu prellen. Da werden ganze internationale Firmenkonstrukte aufgesetzt, verschlüsselt kommuniziert und Vertrauten Fischnamen vergeben. Allerdings hat der hochentwickelte Egoismus und die unbändige Geldgier, von der unsere Geldelite stets getrieben wird, durchaus ihren Vorteil, wie das Beispiel zeigt. Wird ein Exemplar bei der Steuerhinterziehung, oder Steuerbetrug erwischt, verrät es gegen Aussicht auf Strafminderung sofort auch seine Kumpanen.