Wenn aus «War Games» Realität wird
Laut dem englischen Nachrichten- und Sicherheitsdienst GCHQ hat es bereits einen Fall gegeben, in dem ein Land versucht hat, einem anderen durch einen Cyber-Angriff seinen Willen aufzunötigen.

Britische Computernetzwerke werden immer öfter von Hackern angegriffen, deshalb hat der oberste Wächter der elektronischen Sicherheit im Königreich die Regierung zum Handeln aufgefordert. Der Direktor des Nachrichten- und Sicherheitsdienstes GCHQ, Iain Lobban, sagte laut einem am Mittwoch veröffentlichten Redeprotokoll, die Regierung müsse sich überlegen, ob sie nicht Kapazitäten zur Cyber-Kriegsführung aufbauen wolle, um mögliche Angreifer abzuschrecken.
Monat für Monat liefen in den Regierungsnetzwerken über 20'000 E-Mails mit Schadcode auf. Über 1000 dieser infizierten Nachrichten seien gezielte Angriffe auf die Informations-Infrastruktur der Behörden. Die Angriffe hätten bereits zu beachtlichen Beeinträchtigungen der Regierungssysteme geführt. Ausserdem sei ein massiver Diebstahl geistigen Eigentums zu beobachten. Den Schaden für die britische Wirtschaft durch Computerverbrechen bezifferte er auf mehrere Milliarden Pfund jährlich.
Die Angst vor dem Vergeltungsschlag
Die Angreifer seien nicht nur Kriminelle, sagte er. Es habe bereits einen Fall gegeben, in dem ein Land versucht habe, einem anderen durch einen Cyber-Angriff seinen Willen aufzunötigen. Um welche Länder es sich dabei handelte, sagte er nicht. Neben anderen Massnahmen regte er an, die Regierung möge sich überlegen, ob der Aufbau militärischer Kapazitäten für einen Cyberkrieg nicht einen abschreckenden Effekt haben könnte.
Allerdings räumte er auch ein, dass dieser Abschreckungseffekt keinesfalls vergleichbar mit dem Konzept des Gleichgewichts des Schreckens sei, bei dem die Angst vor dem Vergeltungsschlag den Einsatz von Atomwaffen verhinderte. Cyberangriffe erfolgten schon jetzt jeden Tag.
Engere Zusammenarbeit in den USA
Auch die US-Regierung will der wachsenden Zahl von Computerattacken künftig besser begegnen. Die Ministerien für Verteidigung und innere Sicherheit vereinbarten in einem Abkommen eine bessere Kooperation bei der Verteidigung sicherheitsrelevanter Computernetzwerke.
Dies teilten die beiden Ressortchefs Robert Gates und Janet Napolitano am Mittwoch (Ortszeit) mit. Durch die engere Zusammenarbeit beider Ministerien solle die Cybersicherheit gestärkt werden, erklärten sie.
Das Bush-Erbe im Internet
Gates und Napolitano kündigten an, die Zuständigkeiten ihrer Ressorts neu zu bestimmen. In der Vorgängerregierung von US- Präsident George W. Bush hatte es beim Kampf gegen Cyperkriminalität oft Unstimmigkeiten zwischen den beiden Ministerien gegeben.
Das nun geschlossene Abkommen stärke «Amerikas Fähigkeiten, sich vor Bedrohungen für unsere sicherheitsrelevanten und militärischen Computernetzwerke zu schützen», erklärten Gates und Napolitano.
dapd/sda/rek
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