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Der Club der GentlemenWeniger ist manchmal mehr

Überall, insbesondere aber in Restaurants und bei Weindegustationen, ist zu dick aufgetragenes Parfüm ein Geschmackstöter.

Wer Parfüm aufträgt, merkt meistens nicht, ob er zu viel des Guten getan hat.
Wer Parfüm aufträgt, merkt meistens nicht, ob er zu viel des Guten getan hat.
Foto: Getty Images / iStockphoto

Es gibt Menschen, die haben Mühe mit gewissen Blumendüften: Ist der Geruch von Lilien, Hyazinthen oder Glyzinien zu stark, schlägt ihnen dies entweder auf den Magen oder führt zu Kopfweh.

Es gibt Menschen, denen ergeht es gleich bei Parfümdüften; sie können das Odeur oder die Intensität des Duftes nicht ertragen. Egal wo. Das kann in einem Restaurant sein, wenn sich ein Parfümgeruch wie Zigarettenrauch über den ganzen Tisch legt und den Geschmack des Essens unangenehm beeinflusst. Oder das kann im Tram sein, wenn ein Passagier einsteigt und die übrigen Mitfahrerinnen und Mitfahrer dazu nötigt, sein allzu dick aufgetragenes Parfüm zu riechen.

Das Problem dabei: Derjenige, der das Parfüm trägt, ist sich seiner intensiven Duftwolke meistens gar nicht bewusst. Das musste ein guter Freund und Weinliebhaber von mir erfahren, als er in Südfrankreich eine Kellerei besuchte, um dort die neusten Weinprodukte zu probieren. Er strich sein Jackett zurecht, richtete Hemdkragen und Manschetten und drückte dann die Klingel. Die Tür öffnete sich, eine Weinbäuerin erschien und fragte: «Was wünschen Sie?» – «Ich möchte gerne Ihre Weine degustieren.» – «Das geht nicht», antwortete sie.

Zuerst dachte der Freund, das Weingut habe an diesem Tag geschlossen oder abgeänderte Öffnungszeiten: «Ach, kann man heute nicht degustieren, oder öffnen Sie später?» – «Nein», antwortete die Winzerin, «aber mit Ihrem Parfüm geht das nicht, das riecht zu stark.»

Er, der sich zu Recht etwas auf seine Weinkenntnis einbildete, musste beschämt und zerknirscht rechtsumkehrt machen. Seither reicht ihm ein Parfümflacon doppelt so lange.