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Tourismus in der Corona-KriseWeniger Gäste, dafür bleiben sie länger

Im Juni lag nicht nur die Zahl ausländischer Besucher in der Schweiz deutlich unter dem Vorjahreswert, sondern auch die der Inlandtouristen. Ein kleiner Lichtblick bleibt trotzdem.

Der Trend zu mehr Übernachtungen nahm Fahrt auf, als die Corona-Welle über die Schweiz hereinbrach.
Der Trend zu mehr Übernachtungen nahm Fahrt auf, als die Corona-Welle über die Schweiz hereinbrach.
Foto: Pablo Gianinazzi/Keystone

Da konnte Bundesrat Ueli Maurer im Parlament noch so sehr für Ferien im Inland weibeln, um die heimische Wirtschaft zu unterstützen: Die Hoffnung, dass Schweizer Gäste das Fernbleiben der ausländischen Touristen wettmachen, hat sich bis und mit Juni nicht bewahrheitet. Das zeigt die neuste Beherbergungsstatistik, die der Bund am Dienstag publiziert hat.

Laut ihr nahm die Anzahl Nächte, die Schweizer in Schweizer Hotels verbrachten, im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat um 25 Prozent ab. Bei den Ausländern lag der Wert bei 88 Prozent. Spannend wird zu sehen sein, wie die Zahlen für den Ferienmonat Juli ausfallen werden; der Bund publiziert die Zahlen jeweils mit gut einem Monat Verzögerung.

«Die Menschen möchten länger an einem Ferienort bleiben, statt ihn innert kurzer Zeit mehrmals zu wechseln.»

Markus Berger, Sprecher der Marketingorganisation Schweiz Tourismus

Doch es gibt nicht nur schlechte Nachrichten: Während die Anzahl Gäste im ersten Semester gegenüber dem Vorjahr um fast die Hälfte eingebrochen ist, blieben jene, die kamen, länger. Wie die Daten zeigen, buchte der durchschnittliche Hotelgast über 2.3 Übernachtungen – im Vorjahr waren es 0.3 Nächte weniger gewesen.

Das mag kleinkrämerisch wirken, machte bei total 9,9 Millionen Übernachtungen im ersten Halbjahr aber über eine Million Nächte mehr aus. Der Trend zu mehr Übernachtungen nahm Fahrt auf, als die Corona-Welle über die Schweiz hereinbrach.

Riesige Unterschiede

«Die Entwicklung ist angesichts der schweren Krise, in der wir uns befinden, erfreulich», sagt Markus Berger, Sprecher der Marketingorganisation Schweiz Tourismus. «Wir erhalten von den Hoteliers ähnliche Rückmeldungen: Die Menschen möchten länger an einem Ferienort bleiben, statt ihn innert kurzer Zeit mehrmals zu wechseln.» Einen langfristigen Trend macht Berger hier aber nicht aus. «Das scheint die Art der Menschen zu sein, mit der aktuellen Unsicherheit umzugehen.» Allerdings dürfte auch ein Grund sein, dass deutlich weniger Geschäftsreisende unterwegs waren. Diese bleiben oft nur für eine kurze Zeit.

Weiter lassen sich riesige Unterschiede aus der Statistik herauslesen: Während die Hotels in den Kantonen Basel-Stadt, Genf und Zürich im Mai noch ein Minus von über 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr beklagten, lag dieses in Appenzell Innerrhoden bei nur noch 6 Prozent. Der Grund für diesen «Spitzenwert» ist, dass sich an Auffahrt und Pfingsten die Ausflügler aus dem Unterland auf den Appenzeller Wanderwegen auf den Füssen herumstanden. Es ist ein extremes Beispiel dafür, wie Destinationen, die traditionell bei Inländern beliebt waren, in der aktuellen Krise weniger leiden.