Künstliche Intelligenz im virtuellen Klassenzimmer

Fernstudium

Anfang Februar ist die Fernuni Schweiz im Wallis mit einem neuen Masterstudiengang in künstlicher Intelligenz an den Start gegangen. Ihr akademischer Direktor Damien Carron erklärt, um was es geht.

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(Bild: Adobe Stock)

Programme, die ihren Kontrahenten aus Fleisch und Blut nicht den Hauch einer Chance lassen? Selbst Weltmeistern? Erstmals gelang es dem von IBM entwickelten Schachcomputer Deep Blue im Jahr 1997, den damaligen Schachweltmeister Garri Kasparow zu schlagen. Heute kommt künstliche Intelligenz (KI) in den verschiedensten Bereichen zum Einsatz. Sie ist etwa aus der Medizin oder der Automobilindustrie, wo Roboter als Handlanger millimetergenaue Arbeit leisten, kaum mehr wegzudenken. «Wenn man von künstlicher Intelligenz spricht, denkt man an einen Roboter. Aber sie kann auch sehr banal sein», sagt Dr. Damien Carron, akademischer Direktor der Fernuni Schweiz. Als Beispiel nennt er eine Software, die von einem Unternehmen gesammelte Daten nutzbar macht.

Studium mit Arbeitsplatz

Auch im Unterrichtsbetrieb der Fernuni Schweiz kommt künstliche Intelligenz zum Einsatz. Mittels Sprach­erkennung werden Vorlesungen automatisch transkribiert, sie stehen den Studierenden hernach als Text zur Verfügung. «Das hilft, die Lehre zu verbessern», ist Carron überzeugt. Und seit Anfang Februar steht KI nun sogar im Lehrplan der Hochschule. Tatkräftig unterstützt vom Kanton Wallis, hat die Bildungsinstitution mit Hauptsitz in Brig mit dem Idiap einen Studiengang auf die Beine gestellt. Idiap? Kaum einer breiten Öffentlichkeit bekannt, hat sich dieses Institut aus Martigny in den letzten zwanzig Jahren mit seiner Forschung zu künstlicher Intelligenz einen Namen gemacht. Es arbeitet an zahlreichen internationalen Projekten mit und soll vor Jahren gar einmal die Stimme von Bin Laden erkannt haben. Die bereits bestehende Zusammenarbeit mit dem Idiap und der Mangel an Fachkräften haben die beiden In­stitutionen dazu bewogen, einen neuen Masterstudiengang zu konzipieren. Carron beschreibt das Angebot als «schweizweit einzigartig», da es das duale Bildungsmodell auf universitärer Stufe anwendet. Angesprochen werden insbesondere Studierende mit einem Bachelor in Informatik oder einer ähnlichen Vorbildung. Während der Ausbildung, die achtzehn Monate dauert und jeweils zwei Tage in der Woche Unterricht vorsieht, haben sie einen Arbeitsplatz. Die Studierenden werden von einem Partnerunternehmen in Vollzeit angestellt und realisieren ein konkretes KI-Projekt. Dadurch können sie später auch einfacher im eigenen Haus gehalten werden.

Studierende aus aller Welt

Das Studium beinhaltet insgesamt vierzehn Module, die von Deep Lear­ning über Robotik bis hin zu Ethik reichen. Davon sind einige Pflicht, während andere frei gewählt werden können. Die Teilnahme daran wird durch den Vorteil des Fernstudiums wesentlich erleichtert: Der Unterricht steht dank des virtuellen Klassenraums auch in der Ferne zur Verfügung. «Die Studierenden können sich im Wallis, in Zürich oder auch in Australien aufhalten. Das spielt keine Rolle, eine physische Präsenz ist nicht zwingend», erklärt Carron. Die inhaltliche Ausgestaltung des Masters übernimmt das Idiap, die Studienleitung dessen Direktor Hervé Bourlard, seinerseits Professor an der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) und Lehrbeauftragter der US-amerikanischen Universität Berkeley. «Die Nachfrage ist gross», freut sich Direktor Carron nach Beginn des ersten Semesters über die erhaltenen Rückmeldungen. Gestartet sind dreizehn Studierende aus der Schweiz, Frankreich und den USA, die für acht unterschiedliche, derzeit noch mehrheitlich im Wallis angesiedelte Unternehmen arbeiten. Wichtig sei, so Carron, dass die Firmen Interesse zeigen würden, das Projekt durch die Anstellung von Studierenden mitzutragen. Zwar seien im Vorfeld insgesamt rund dreissig Dossiers für den Studiengang eingereicht worden, wovon nun aber bloss gut die Hälfte habe berücksichtigt werden können. «Wir sind für diesen ersten Testdurchlauf im kleinen Rahmen gestartet und wollen schauen, wie die Studierenden reagieren.»

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: www.bildung-schweiz.ch

baz.ch/Newsnet

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