Im Prado packte sie das Fieber

Galeristin

Anne Mosseri-Marlio hat Kunst schon immer geliebt. Nach einer erfolgreichen Karriere in der Privatwirtschaft hat sie ihren Traum verwirklicht: Heute ist sie Galeristin.

Anne Mosseri-Marlio

Anne Mosseri-Marlio

(Bild: Pino Covino)

Der Arbeitsplatz von Anne Mosseri-Marlio kann mal bunt, mal abstrakt, mal kubistisch oder auch mal ganz minimalistisch daherkommen. Als Galeristin darf sie immer wieder in einer neuen Umgebung arbeiten, sie sogar selbst gestalten und zuletzt auch hautnah miterleben. Wände mit neuen Bildern zu behängen und Räumlichkeiten mit Skulpturen oder etwa Installationen einzurichten, gehört zu den Aufgaben einer Galeristin. Für Mosseri-Marlio ist es ein Privileg, auf diesem Beruf zu arbeiten. Sie hat ihren Traum von der eigenen Galerie verwirklicht – und dafür eine erfolgreiche Karriere in der Pharmaindustrie an den Nagel gehängt. Bereut hat sie den Entscheid nie.

Geboren in Paris zog Mosseri-Marlio im Alter von elf Jahren mit ihrer Familie nach New York. Ihr Vater war Banker und wurde einige Jahre später nach Boston versetzt. In den Staaten setzte Mosseri-Marlio während ihres Studiums den Fokus auf spanische Literatur und Wirtschaft. Das Studium am Connecticut College ermöglichte ihr zwei Auslandsemester in Madrid, wo sie als 21-jährige Studentin zum ersten Mal, dafür umso prägender, mit der Kunst in Berührung kam. Ein Teil des Unterrichts fand nämlich in den Prado-Museen statt. «Wir untersuchten die Beschaffenheit von alten Gemälden. Das fand ich unheimlich faszinierend. Da packte mich das Fieber.»

In einen Luzerner verliebt

Zurück in den USA nahm sie eine Stelle beim damaligen Bankverein in New York an. Sie verliebte sich in einen Luzerner und kam 1992 mit ihm in die Schweiz zurück. Eindrücklich war für sie der erste Besuch der Art Basel: Nach einem Rundgang durch die Kunstmesse begann sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, Kunst zu sammeln und mehr über die Künstler zu recherchieren. Das Paar unternahm Reisen und besuchte Museen, Galerien, Messen und Ateliers auf der ganzen Welt.

Das Interesse für den Menschen hinter einem Gemälde und seine Inspirationsquellen war für Mosseri-Marlio immer zentral: «Als Galeristin sehe ich mich auch in der Verantwortung, einem Künstler eine Plattform zu geben und auf sein Schaffen aufmerksam zu machen», sagt sie. Sich stetig mit Kuratoren, Sammlern und Galeristen auszutauschen, den Kunstbereich zu verfolgen, das wurde zu einer ihrer Leidenschaften. So konnte sie sich über die Jahre ein Netzwerk aufbauen und gleichzeitig den eigenen Kunstfundus erweitern.

Auge für Künstler mit Potenzial

Obwohl es in ihrer beruflichen Karriere bei einem Basler Pharmaunternehmen stetig bergauf ging, wurde der Wunsch nach einer eigenen Galerie stärker. Sie fühlte sich gut vernetzt und war dank ihres Wirtschaftsstudiums auch mit Zahlen und Businessplänen vertraut. Eine Kollegin war es dann, die 2008 mit Mosseri-Marlio gemeinsam eine eigene Galerie eröffnete, in Zürich am Bleicherweg. Werke von Künstlern wie Larry Bell oder Ed Moses wurden gezeigt. Als die Kollegin ausstieg, führte Mosseri-Marlio die Galerie allein weiter, und hielt gleichzeitig Ausschau nach einer Galerie in Basel. Nun ist sie seit Juni 2013 in der Dalbenvorstadt beheimatet und in ihrem Beruf als Galeristin angekommen.

«Was es dafür braucht? Auf jeden Fall ein gutes Netzwerk: Kontakte zu Künstlerinnen und Künstlern, Museumskuratoren, zur Presse und anderen Galeristen weltweit. Dann sollte man natürlich auch ein Auge für Künstler mit Potenzial haben, aber auch sehr viel Energie und Einsatz zeigen», sagt sie. Etwas Kapital auf der Seite zu haben, sei ebenfalls wichtig, denn nicht immer entscheiden sich ihre Kunden während einer laufenden Ausstellung für ein Gemälde oder eine Skulptur. «Manchmal kommen sie erst ein Jahr später auf mich zu, wenn ich bereits eine neue Ausstellung zeige.» So hat sie gelernt, flexibel und offen zu sein – und immer im Sinne des Künstlers zu agieren. «Das ist es, was mir so viel Freude bereitet: den talentierten Menschen zu mehr Bekanntheit zu verhelfen.» Ausserdem kann sie in ihrem Beruf als Galeristin etwas ganz Simples, aber Wichtiges weitergeben: «die Freude an Kunst.»

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: www.bildung-schweiz.ch/topics/kunst

baz.ch/Newsnet

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