Die Kreativwirtschaft boomt

Kunstberufe

Kunstschaffende sind in erster Linie kreativ. Wer den Durchbruch schaffen will, muss aber auch Leistung zeigen und geschickt Marketing betreiben.

Diplomausstellung 2019 der Designstudierenden der Zürcher Hochschule der Künste aus der Fachrichtung «Trends & Identity» im Toni-Areal.

Diplomausstellung 2019 der Designstudierenden der Zürcher Hochschule der Künste aus der Fachrichtung «Trends & Identity» im Toni-Areal.

(Bild: Regula Bearth, Hochschulkommunikation ZHdK)

Künstler sei ein brotloser Job, heisst es im Volksmund. Renommierte Kunsthochschulen würden diese Aussage nicht unterschreiben. Sie sprechen denn auch nicht von «Kunstszene», sondern von «Kreativwirtschaft». Michael Eidenbenz ist stellvertretender Rektor der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Er sagt: «Die Kunst bildet ab, was sich in der Welt abspielt.» Die aktuellen gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen würden stark von Kunstschaffenden beeinflusst. Dies gilt besonders für die Sparte Design, die laut Eidenbenz eine erhebliche Wertschöpfung erbringt. Wer an einer Hochschule einen entsprechenden Master erwirbt, kann zum Beispiel als Game-Designerin, in der visuellen Kommunikation oder im Bereich Industriedesign tätig sein.

Kunst als Teilzeitjob

Wirft man jedoch einen Blick auf das ganze Berufsfeld, so zeigt sich ein anderes Bild. Wer sich als visuell schaffende Künstlerin oder visuell schaffender Künstler betätigt, zum Beispiel als Maler oder Bildhauerin, kann davon kaum leben. «Die meisten üben ergänzend zur künstlerischen Tätigkeit einen Job aus, der ihnen das Einkommen sichert», erklärt Regine Helbling. Sie ist Geschäftsführerin von Visarte Schweiz, dem Berufsverband der visuell schaffenden Künstlerinnen und Künstler. Die Organisation zählt rund 2600 Mitglieder und engagiert sich für bessere Rahmenbedingungen sowie eine Berufsanerkennung von visuell schaffenden Künstlerinnen und Künstlern. «Obwohl die Ausbildungsmöglichkeiten in der Schweiz sehr gut sind, fehlt es an Perspektiven», bedauert Helbling. Sie weist auf das Galeriesterben hin und meint: «Es ist schwierig, ein interessiertes Publikum zu erreichen.» Dennoch gibt es auch positive Trends: «Kunstschaffende organisieren sich heute zunehmend unabhängig und stellen ihre Werke in sogenannten Off-Räumen aus», so die Branchenkennerin.

Gestalten und verkaufen

Die Lust am kreativen Schaffen bekommt auch Lars Hering zu spüren. Der Leiter der Fachstelle Berufsberatung Basel-Stadt weiss, dass Kunstberufe bei Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen sehr gefragt sind. «Im Vordergrund steht meist der Wunsch, sich durch das gestalterische Schaffen zu verwirklichen», erklärt er. Er zeigt interessierten Personen mögliche Ausbildungswege auf. «Für kunsthandwerkliche Berufe wie zum Beispiel Goldschmied oder Geigenbauerin absolviert man eine Lehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis», so Hering. Bei freien künstlerischen Berufen, etwa Architektin oder Choreograf, sei ein Hochschulabschluss erforderlich. Die Berufsberatenden sagen den Interessierten aber auch, dass ein Diplom keine Garantie für ein ausreichendes Einkommen ist: «Wir machen darauf aufmerksam, dass die Kunst verkauft werden muss, das heisst, als Künstler muss man sich auch vermarkten können.» Vielen Leuten sei dies zu wenig bewusst, sagt Hering.

Individuelle Laufbahn

Die Studierenden der ZHdK bereiten sich bereits während des Studiums auf den anstrengenden Weg vor, der ihnen bevorsteht. Verschiedene Module thematisieren die Selbstständigkeit: Es geht um rechtliche Aspekte, um Fundraising und – besonders wichtig – um die eigene Darstellung. Diese Angebote würden stark nachgefragt, denn die Studierenden seien alles andere als blauäugig, betont Eidenbenz. Dennoch bleibt die Selbstständigkeit eher die Ausnahme. Die Mehrheit setzt nach Abschluss auf eine Kombination aus freischaffender Tätigkeit und Anstellung. Viele arbeiten Teilzeit im pädagogischen Bereich. Die Laufbahnen verlaufen laut Eidenbenz vielfältig. Trotzdem zieht er einen allgemeinen Schluss: «Kunst verlangt einen umfassenden Einsatz. Nur wer sich rund um die Uhr damit beschäftigt, wird erfolgreich sein.»

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: www.bildung-schweiz.ch/topics/kunst

baz.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt