Der Berufsschullehrer auf der Schneefräse

Umsteiger

Kathrin und Peter Käch sind Umsteiger: Sie ist Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin, er Berufsschullehrer. Zusammen betreiben sie den alpinen Campingplatz Morteratsch im bündnerischen Pontresina.

Auch im Winter gehen auf dem alpinen Campingplatz Morteratsch die Lichter nicht aus.

Auch im Winter gehen auf dem alpinen Campingplatz Morteratsch die Lichter nicht aus.

(Bild: Nicola Pitaro)

Ein zaghafter Schimmer der aufgehenden Sonne färbt weit oben den Morteratsch-Gletscher rosa. Über den Gipfel des Piz Palü weht der Wind. Fast übersieht man die Wohnwagen und Wohnmobile, die sich zwischen Fichten, Lärchen und Felsbrocken unter Schneemassen verstecken. Dann zerreisst Motorenlärm die Stille: Eine Schneefräse räumt das Strässchen frei. Vermummte Gestalten, die Kulturbeutel unter den Armen, streben auf knirschendem Schnee in Richtung des modernen Sanitär-Gebäudes. Der Campingplatz Morteratsch auf 1860 Metern ist europaweit der höchstgelegene, der auch im Winter offen ist.

Vom Schulzimmer auf den Campingplatz

Der sportliche, wettergegerbte Mann auf der Schneefräse, Peter Käch, ist kein Bündner; das hört man, sobald er redet. Er stammt aus Rapperswil im Berner Seeland, seine Frau Kathrin aus dem Nachbardorf Schüpfen. Dass sie im Engadiner Ferienort Pontresina mit seinen gepflegten Art-Déco-Hotels und Bündner Häusern einen Campingplatz führen, ist nicht selbstverständlich. Peter Käch, Jahrgang 1963, war ursprünglich Lehrer. «Nachdem ich von 1979 bis 1984 das Lehrerseminar Biel absolviert hatte, unterrichtete ich als Reallehrer in Neuenegg», erzählt er. ­Kathrin, geboren 1967, ist Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin, arbeitete unter anderem am Inselspital und am Lindenhofspital in Bern und unterrichtete im Nebenamt an der Gibb, der Gewerblich- Industriellen Berufsschule Bern.

Schon Anfang der 1990er-Jahre kamen die beiden mit dem Engadin in Berührung, wie Käch erzählt: «1990 bis 1991 arbeiteten wir als stellvertretendes Leiterpaar in der Jugendherberge in Pontresina. Kathrin war danach in der Klinik Gut in St. Moritz tätig, ich als Bademeister im Hallenbad Pontresina, als Reallehrer an der Gemeindeschule St. Moritz und schliesslich an der Berufsschule in Samedan, wo ich für sechs Monate eine Stellvertretung als Sportlehrer für einen Berner Kollegen übernahm.»

Jetzt ging es wieder ins Unterland. ­Peter Käch unterrichtete ein Jahr lang in Rapperswil SG und entschloss sich dann, die Ausbildung zum Berufsschullehrer am Schweizerischen Institut für Berufspädagogik SIBP in Zollikofen BE nachzuholen. Danach wurde er von der Gibb angestellt, gab Unterricht in Allgemeinbildung, Sport und Informatik, betreute die Bibliothek und war für den Bereich Allgemeinbildung in der Abteilung für Gewerbe-, Dienstleistungs- und Laborberufe verantwortlich.

Dank Referenzen doch noch berücksichtigt

Siebzehn Jahre Gibb waren jedoch genug. Als Peter Käch auf die Fünfzig zuging, drängte es ihn nochmals nach einem Neubeginn. Seine Leidenschaft, das Gleitschirmfliegen, zahlte sich aus: «Schon bei unserem ersten Gastspiel in Pontresina hatten wir den Leiter des Campingplatzes kennengelernt. Er flog auch Gleitschirm, und wir waren oft gemeinsam unterwegs.» So erfuhren Kathrin und Peter Käch frühzeitig von seiner Kündigung. «Wir hatten ein volles Jahr Zeit abzuwägen, ob wir diesen einschneidenden Schritt wagen wollten», sagt Kathrin Käch.

Bis zum 1. November 2012, als sie die neue Stelle schliesslich antraten, waren noch einige Hürden zu überwinden. Sehr viele Leute hatten sich beworben, und der Tourismusverein Pontresina als Eigentümer des Platzes beschloss, vorab Einheimische zu berücksichtigen. «Zum Glück bekamen wir von dieser Strategie Wind. Unsere Referenzen bewirkten, dass unsere Bewerbung zumindest noch gelesen wurde», erzählt Käch. Offenbar genügten die anderen Kandidaten nicht. Jedenfalls «wurden wir doch noch zu einem Gespräch eingeladen».

Der Campingplatz Morteratsch ist eine Erfolgsgeschichte. Laufend wird investiert. Feste Holzhäuser und Wohnfässer, Sanitärgebäude, Restaurant, Aufenthaltsraum, Laden: alles ist modern, sauber, grosszügig und trägt dem Platz im Internet euphorische Bewertungen ein. In den Sommermonaten ist er oft voll belegt; auch über Weihnachten und Neujahr 2018/2019 war er ausgebucht.

Die Familie Käch fühlt sich inzwischen in Pontresina heimisch: Die Kinder Flurin und Ladina reden neben Deutsch auch ein akzentfreies Rätoromanisch.

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: www.bildung-schweiz.ch/topics/management

baz.ch/Newsnet

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