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Brasiliens Präsident hat sich angestecktHier steht der Wahnsinn am Steuer

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro agiert nach seiner Covid-19-Erkrankung genauso irrational wie zuvor. Das Beste für sein Land wäre ein Impeachment.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro gibt am Fernsehen bekannt, dass er positiv auf Covid-19 getestet worden sei.
Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro gibt am Fernsehen bekannt, dass er positiv auf Covid-19 getestet worden sei.
Foto: Andressa Anholete ( Getty Images)

«Das ist die Odyssee, Odyssee, und keiner weiss, wohin die Reise geht. Odysseeweil der Wahnsinn am Steuer stehtWenn es ein Land gibt, auf das die Zeilen aus dem Lied des deutschen Popsängers Udo Lindenberg gegenwärtig zutreffen, dann ist es Brasilien. Denn von all den rechtspopulistisch-autoritären Narren, den Verleugnern von Vernunft und Wissenschaft, den von niedrigen Instinkten getriebenen Apologeten des Irrationalismus ist Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro der schlimmste. Schlimmer noch als Donald Trump.

Bolsonaros Infektion mit dem Coronavirus ist die Folge seiner Wirklichkeitsverleugnung und Verantwortungslosigkeit. Seine Reaktion darauf ist der Versuch, die eigene Person als Beweis für die aberwitzige Behauptung zu instrumentalisieren, wonach Covid-19 nicht gefährlicher sei als eine Grippe. Und wonach das Medikament Hydroxychloroquin gegen die Krankheit wirke, obwohl dies aufgrund der vorliegenden Studien zweifelhaft bis unwahrscheinlich ist.

Tödlicher Unfug

Was Bolsonaro mit seiner Gesundheit anstellt, ist seine eigene Sache. Fatal ist jedoch, dass er seine Anhänger, also knapp 30 Prozent der brasilianischen Bevölkerung, in einem Irrtum bestärkt, der tödlich sein kannzumal für jemanden aus der Unterschicht, dem im Unterschied zum Präsidenten nach einer Infektion keine erstklassigen Ärzte zu Hilfe eilen. Dass Brasilien nach den USA weltweit das Land mit den zweitmeisten Covid-19-Todesopfern und der zweithöchsten Zahl an Infizierten ist, hängt auch mit Bolsonaros Stümperei zusammen.

Brasiliens linke Präsidentin Dilma Rousseff wurde 2016 wegen einer buchhalterischen Lappalie per Impeachment aus dem Amt entfernt. Gegen Bolsonaros Umfeld laufen gegenwärtig Ermittlungen wegen Korruption und anderer Delikte, gegen ihn selber wegen versuchter politischer Beeinflussung der Justizbehörden. Es gibt auch Juristen, die eine Amtsenthebung wegen geistiger Umnachtung fordern, was zwar illusorisch, aber offensichtlich nicht völlig unbegründet ist.

Es wäre Brasilien und Lateinamerika zu wünschen, dass Bolsonaro auf juristisch und demokratisch korrekte Weise schon vor den nächsten Wahlen sein Amt verliert. Bloss ist dies angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Parlament ziemlich unwahrscheinlich.