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Mamablog: Gestresste ElternHört auf mit euren ewigen Klagen!

Laut, mühsam, anstrengend: Eltern beschweren sich gern über ihre Kinder. Damit tun sie ihren Kleinen und sich selbst Unrecht.

Wirklich so schlimm? Unsere Kinder haben es verdient, dass man öfters auch mal die guten Dinge erwähnt.
Wirklich so schlimm? Unsere Kinder haben es verdient, dass man öfters auch mal die guten Dinge erwähnt.
Foto: Getty Images

Früher war vielleicht vieles besser. Heute aber auch: Makellos gilt heute als langweilig. Nicht mehr en vogue. Dieser Trend zieht sich durch allerlei Bereiche im Leben. Es liegt auf der Hand, dass sich diese Auffassung auch im Familienleben widerspiegelt oder zumindest darin, wie wir es nach Aussen repräsentieren: Themen wie Postnatale Depression sind zwar noch nicht salonfähig, haben mittlerweile aber ihre Bühne.

Der offenere Umgang mit Problemen und der geringere Anspruch an Perfektion befreit vom Druck, das eigene Familienleben wie eine Corn-Flakes-Werbung vermarkten zu müssen. Während man früher das Bild der perfekten Familie versucht hatte zu wahren, ist es ganz normal geworden, sich über die eigenen Kinder zu beschweren. Doch aus einem Unvollkommenheits-Trend wird im Umgang mit Familie auch nach und nach ein Trend des Klagens.

Fordernd und schlafraubend

Eins vorneweg: Ich stehe als Beobachterin dieser Tendenz wenige Wochen vor der Geburt meines ersten Kindes, bin demnach quasi stille Beobachterin von Aussen. Einige mögen nun selbstgefällig nicken und sich denken «Ja, wart du nur, bis du selbst Mutter bist». Und genau darum gehts. Als Nichtmutter höre ich seit Jahren, wie es den Eltern in meinem Umfeld geht. Und fast alle geben sich wahnsinnig gestresst. Fast alle finden die eigenen Kinder wahnsinnig laut, anstrengend, fordernd, schlafraubend. Die Internet-Memes von Müttern, die ihr Glas Wein zum Überleben brauchen, überschlagen sich. Fast alle stöhnen schwer, wenn sie vom Alltag mit Kindern berichten und halten sich kaum zurück, wenn es darum geht, von den unangenehmen Seiten des Elternseins zu berichten.

Als jahrelange Beobachterin lausche ich den Klagen meines weiten Umfeldes, während sich folgendes Fragezeichen im Laufe der Jahre immer weiter aufgeblasen hat: Warum habt ihr Kinder? Bei einem kann man sich ja noch geirrt haben, aber wenns so unfassbar anstrengend und nervtötend ist, warum habt ihr alle dann ein zweites oder gar drittes gemacht? Mir ist klar, dass ein schwermütiger, leidender Unterton leider zu unserer Kultur gehört und es uns als Gesellschaft generell schwer fällt, Sachen schönzureden und vor allem schönzudenken. Vielleicht geht es auch darum, keine Neider anzuziehen, aber eigentlich passt Bescheidenheit nicht zu unserer Gesellschaft und Zeitgeist, weswegen ich an dieser These nicht festhalten möchte.

Und was sagt das Herz?

Stattdessen hege ich die Befürchtung, dass sich die meisten mit ihrem Klagen aufspielen möchten. Wer klagt, hats schwer. Wers schwer hat, dessen Schultern tragen mehr. Und wer mehr trägt, ist belastbarer und stärker. Wir kennen es aus der Arbeit, oder wann haben Sie das letzte Mal jemanden sagen hören: «Meine Arbeitsbelastung ist gerade angenehm. Ich fühl mich ausgeglichen und liebe meinen Job, ohne dabei gestresst zu sein.» Loser. Erfolgsmenschen tragen die Stressfalte wie einen Orden auf der Stirn. So verhält es sich auch mit Familie: Wer die Kinder als besonders fordernd verkauft, vermarktet seine eigene Belastbarkeit.

Über die eigenen Kinder berichten viele Eltern gleich. Obs extra übertrieben, anders empfunden oder falsch ausgeleuchtet ist. Keiner ist je davon ausgegangen, dass Kinderkriegen und -haben ständig wunderbar und federleicht sei. Aber all diese Wunschkinder haben es doch verdient, dass man über sie mit dem Herzen redet, mit dem man sie so liebt. Und eine Stressfalte kann man oft auch gegen ein stolzes Lächeln eintauschen, denn ich bin mir sicher, die kleinen Knöpfe machen ganz viele ganz tolle Sachen, die es genauso verdient haben, erwähnt zu werden, als Lärm und Stress. Dann ists halt viel Arbeit. Aber es ist doch bestimmt auch viel Liebe und viel Jö. Das darf ruhig auch erzählt werden.

52 Kommentare
    Stefan Bossi

    Mir fällt das auch auf, was Frau Weil beschreibt.

    Heute scheint alles, was mit den Kindern in Zusammenhang steht, Mühsal zu sein, zumindest im Erzählen. Ich frage mich dann auch, weshalb dieses Klagen sein muss und komme zum gleichen Schluss: Zeigen, dass man super belastbar ist.

    Weniger wäre mehr. Lieber eine tolle Geschichte vom Kind erzählen. Der Rest ist doch Privatsache. Ich erzähle auch nicht herum, wenn ich meine Grossmutter besuchen muss und dies mühsam ist.