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Kolumne Katja FrühWas ich während der Pandemie lerne und was ich verlerne

Unsere Autorin ist es gewohnt, sich Ziele zu setzen, sich etwas vorzunehmen, es dann nicht zu erreichen und sich dafür zu hassen. Kann man sich das während der Pandemie nicht abgewöhnen?

Früher haben meine Freundinnen und ich unsere abgelegten Liebhaber als «Üebigsblätz» bezeichnet, also wie die kleinen Stofftüchlein, die man im Handarbeitsunterricht benützte, um beim Nähen verschiedene Stiche zu üben. So konnten wir uns darüber hinwegtrösten, wenn einmal mehr eine Beziehung in die Brüche ging. War ja nur ein «Üebigsblätz», der Typ. Und als das, habe ich beschlossen, betrachte ich nun auch die Pandemie.

Denn in einem Land, in dem bis anhin die grösste Krise der autofreie Sonntag war, hatten wir schliesslich auch keine Gelegenheit, um alles Mögliche zu üben. Ich könnte zum Beispiel das Altern üben. Höchste Zeit dafür. Denn seit einem Jahr fühlt sich alles so an, wie es sich im Alter sowieso anfühlt. Alles wird weniger, langsamer, kleiner. Was ist wichtig? Nichts eigentlich. Das tönt wahnsinnig deprimierend, ist es aber gar nicht. Eine gute Übung ist, mal einen Tag lang zu versuchen, kein schlechtes Gewissen zu haben.

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