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Interview mit Kardinal Koch«Warum lässt Gott diese schreckliche Krankheit zu?»

Kardinal Kurt Koch ist der höchste Schweizer Katholik. Im Gespräch stellt er sich der härtesten Frage des Glaubens – und erklärt eine merkwürdige Ähnlichkeit von Coronavirus und Heiligem Geist.

Sieht Corona als Chance für ein tieferes Lebensverständnis: Kardinal Kurt Koch.
Sieht Corona als Chance für ein tieferes Lebensverständnis: Kardinal Kurt Koch.
Foto: Imago/EPD

Herr Koch, früher hätte die Kirche die Corona-Pandemie wohl als göttliche Strafe gedeutet. Und heute?

Es hängt davon ab, was Sie unter göttlicher Strafe verstehen. Falls man sich Gott als ein Wesen vorstellt, das Krankheiten und Seuchen erfindet, um Menschen zu bestrafen – dann ist dies eine sehr problematische Vorstellung von Gott. Denn wie in vielen Krisen sind es auch in der Corona-Krise die Ärmsten, die am meisten zu leiden haben. Sie sind aber die Lieblingskinder Gottes, zu denen Gott besonders Sorge trägt. Anders verhält es sich, wenn man von der biblischen Vorstellung von Gottes Strafe ausgeht. Sie besagt, dass Gott die Menschen auch die Konsequenzen ihres eigenen Fehlverhaltens erfahren lässt. Dies aber würde voraussetzen, dass die Frage nach der Ursache des Virus geklärt sein müsste.

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