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Gotteshaus im WeltraumWarum Japaner Buddha-Figuren ins Weltall schiessen

Ein buddhistischer Tempel im Weltraum? Genau das planen nun japanische Mönche in Zusammenarbeit mit einem Satellitenunternehmen, 2023 soll das Projekt starten.

Grosse Pläne: Mönche des Buddhisten-Tempels Daigoji beim Weltraumgottesdienst.
Grosse Pläne: Mönche des Buddhisten-Tempels Daigoji beim Weltraumgottesdienst.
Foto: PD

Die Mönche des Buddha-Tempels Daigoji in Kyoto hielten kürzlich zum ersten Mal einen sogenannten kosmischen Gottesdienst ab. Sie beteten nicht nur für Weltfrieden und das Ende der Pandemie. Sondern auch für die nächste japanische Asteroidenmission, für alle Weltallforschenden und: für das hauseigene Raumfahrtprojekt. Mit einem Satellitenentwickler plant Daigoji, einen Weltraumtempel in den Himmel zu setzen. «Wir dachten, wir brauchen einen Tempel, der über Region, Rasse und Religion hinausgeht, um aus der grösseren Perspektive für Weltfrieden und Sicherheit beten zu können», erklärt Daigojis Generalmanager Junei Nakada. 2023 soll der Tempel fliegen.

Jede Idee ist gut, die Zeichen gegen Rassismus und Einfalt setzt. Daigojis Weltraumtempel dürfte das Beten buchstäblich auf ein neues Niveau heben. Zumal er mit einer Figur des kosmischen Buddhas Dainichi Nyorai bestückt werden soll. In den Himmel kommt, was in den Himmel gehört. Das leuchtet ein. Andererseits haben es die Religionen doch sonst immer geschafft, mit ihren Gotteshäusern und Tempeln auf dem Boden zu bleiben. Ist das nicht Teil des Glaubens, dass man in irgendeiner Höhe etwas wähnt, das keinen Körper und keinen Hightech-Antrieb hat? Braucht es das Buddha-Projekt 450 Kilometer über der Erde?

Künstliche Sternschnuppen

Es geht eben und lässt aufmerken – also wird es gemacht. Das futuristische Daigoji-Projekt steht auch für einen neuen Mut zum Weltraum. Gerade in Japan entdeckt man den Himmel als Spielfeld. Die Tokioter Firma der Astronomin Lena Okajima etwa arbeitet an einem Satelliten, der künstliche Sternschnuppen herstellt. Ein Start-up in Ibaraki bietet ab diesem Frühjahr einen besonderen Fotoservice an: Man kann Gegenstände einschicken, Teddybären, Puppen oder auch Produkte zu Werbezwecken, die das Unternehmen dann mittels Hightech-Ballon auf 25 Kilometer Höhe befördert und vor der Silhouette der Erde ferngesteuert ablichtet.

Die kommerzielle Nutzung des Weltraums hat begonnen. Viele Experten sind skeptisch. Mehr Projekte bringen mehr Weltraummüll und Risiken für die Raumfahrt. Die Gefahr von Kollisionen steigt. Die Fotoballons dürften allerdings kein Problem darstellen. Sie steigen nicht sehr hoch; der Weltraum beginnt erst bei 100 Kilometern Höhe. Und Daigojis Weltraumtempel wird nicht grösser als 30 Zentimeter, ein fliegendes Schmuckkästchen. Über das Internet soll er Gebete empfangen und speichern. Die Gläubigen sollen über eine App seine Position abrufen können. «So können wir den Buddhismus jederzeit in unserer Nähe spüren», sagt Junei Nakada. Bis der Tempel nach fünf bis zehn Jahren in die Erdatmosphäre stürzt und mit allen gespeicherten Gebeten verglüht. Das zeigt den Nachteil der Technik: Einer echten Gottheit würde so was nie passieren.