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Facebook kauft GiphyWarum Zuckerberg 400 Millionen für eine Foto-Plattform ausgibt

Facebook hat Giphy gekauft. Diese Website stellt lustige animierte Bildchen zur Verfügung. Sie könnte auch eine Methode sein, mit der Mark Zuckerberg an wertvolle Daten über seine Konkurrenten herankommt.

Mark Zuckerberg hat Grund zur Freude: Er vergrössert sein Imperium durch eine weitere Aquisition.
Mark Zuckerberg hat Grund zur Freude: Er vergrössert sein Imperium durch eine weitere Aquisition.
Giphy.com

Facebook hat am Wochenende die Website Giphy.com übernommen. Zum Kaufpreis hat sich das soziale Netzwerk nicht geäussert, doch die US-amerikanische Website Axios gab ihn mit 400 Millionen US-Dollar an. Das wäre vergleichsweise wenig, da der Wert Ende 2016 bei einer Finanzierungsrunde auf 600 Millionen angesetzt worden war.

Trotzdem ist es viel Geld für eine Plattform, die – abschätzig gesprochen – nichts weiter tut als eine Sammlung mehr oder minder lustiger Bildchen bereitzustellen. Auf Giphy gibt es animierte Sequenzen von ein paar Sekunden. Diese animierten GIF-Dateien – die der Plattform auch ihren Namen gegeben haben – gibt es zu fast jedem Stichwort.

Es handelt sich um Ausschnitte aus Filmen und Serien, und sie bringen eine Gefühlsregung oder eine kurze Aussage auf den Punkt. Sie werden in den sozialen Medien als Ersatz für einen Kommentar in Textform genutzt. Sie ersparen Tipparbeit und sind augenfällig. Bei Facebook ist das gang und gäbe. Das soziale Netzwerk schreibt in der Meldung zur Übernahme, diese GIFs und Sticker seien eine «starke Ausdrucksmöglichkeit für die Nutzer».

10 Milliarden GIFs pro Tag

Giphy wurde 2013 gegründet. Inzwischen hat die Website 700 Millionen Nutzer täglich und liefert um die zehn Milliarden Bilder pro Tag aus. Die Hälfte der Nutzer wird durch die zum Facebook-Konzern gehörenden Apps vermittelt: Nebst Facebook sind das der Messenger und Whatsapp, doch den grössten Anteil hat Instagram. Für Facebook ist es daher folgerichtig, die Plattform gleich ganz zu integrieren.

Dennoch findet die Übernahme keine ungeteilte Begeisterung: Drei US-Senatoren haben in einer Stellungnahme gegenüber der News-Website «The Verge» Vorbehalte angemeldet: Das soziale Netzwerk strebe nach immer neuen Möglichkeiten, um sich noch mehr Nutzerdaten anzueignen, kommentierte der republikanische Senator Josh Hawley.

Die Wettbewerbshüter haben schon länger ein Auge auf Facebook geworfen. Das Misstrauen rührt daher, dass Facebook bei der Übernahme von Whatsapp noch versprochen hatte, die Benutzerprofile der Dienste nicht zusammenzuführen, im August 2016 dann aber genau das getan hat.

Auch bei der jetzigen Übernahme sind Zweifel angebracht. Giphy ist nicht nur in die Apps des Facebook-Konzerns integriert. Eine ganze Reihe von Messengern und sozialen Netzwerken hat Giphy eingebaut: von Twitter über Tiktok bis hin zu Microsoft Teams, Slack, Tinder, Trello, Snapchat, Telegram und Signal.

Werden die Facebook-Konkurrenten Giphy die Stange halten?

Facebook bekräftigt, diese Partner würden weiterhin die Gelegenheit haben, den Dienst zu nutzen. Doch die Befürchtung ist nicht, dass das Social-Media-Unternehmen den Konkurrenten den Zugang verwehren wird. Die Frage ist eher, ob Facebook via Giphy nun die Möglichkeit haben wird, seine Fänge auch nach den Nutzern der rivalisierenden Dienste auszustrecken. Diese Furcht ist nicht unbegründet: Facebook hat 2013 die israelische Sicherheitsfirma Onavo übernommen und mit ihr Daten über das Nutzungsverhalten anderer Apps gesammelt: Auf diese Weise konnte Mark Zuckerberg frühzeitig erkennen, dass Snapchat und Whatsapp zu einer ernsthaften Bedrohung heranwachsen würden.

«The Verge» hat erfahren, dass der Messenger Telegram bereits dabei ist, Giphy den Rücken zu kehren. Der Gründer von Signal, einem weiteren auf den Schutz der Privatsphäre bedachten Messenger, hat ebenfalls sofort auf Twitter reagiert. Moxie Marlinspike schrieb, man habe schon immer auf eine Art und Weise auf Giphy zugegriffen, die die Privatsphäre wahre und keine Nutzerdaten weitergebe – dennoch bleibt die Frage, ob zur Aufrechterhaltung des Vertrauensverhältnisses nicht eine komplette Abkoppelung notwendig ist.