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Geldblog: Corona und fossile EnergienWann wird sich der Ölpreis erholen?

Die zweite Coronawelle verhindert eine Erholung der Ölwerte und die Nachfrage dürfte vorerst noch weiter abnehmen.

Düstere Prognosen: Aktionäre von Ölaktien brauchen viel Durchhaltewille.
Düstere Prognosen: Aktionäre von Ölaktien brauchen viel Durchhaltewille.
Illustration: Christina Baeriswyl

Ich habe über den Lyxor Index Fund SICAV – Lyxor Stoxx Europe 600 Oil & Gas UCITS ETF in die Öl- und Gasindustrie investiert. Muss ich mir Sorgen machen? Leserfrage von R.L.

Der Ölpreis ist ein guter Konjunkturindikator. Ebenso wie die Schweizer Wirtschaft, welche die negativen Folgen der zweite Coronawelle zu spüren bekommt, wirken sich die massiv gestiegenen Covid-19-Neuansteckungen weltweit stark auf die Rohölnotierungen aus. Beim Rohöl sind die negativen Konjunkturerwartungen unmittelbar zu sehen. Bei der Konjunktur selbst erfolgt der Abschwung indes immer mit etwas Verzögerung.

Angesichts der Heftigkeit der zweiten Coronawelle in Europa und den USA und der erneuten Verschärfung der Coronamassnahmen insbesondere in den europäischen Ländern müssen Sie mit weiter schwachen Ölpreisen rechnen. Die teilweisen Lockdowns in Europa dämpfen den Ölkonsum. Belastend wirkt auch die Tatsache, dass in den USA die Rohöl- und Benzinbestände laut dem American Petroleum Institute API gestiegen sind. All dies sorgt für eine geringere Nachfrage nach Rohöl auf den Weltmärkten.

Darüber hinaus verhindert die Debatte um den Klimawandel und die politischen Bestrebungen, Öl und Gas durch erneuerbare Energien zu ersetzen, eine Preiserholung.

Angesichts der zweiten Coronawelle bleibt die Ölnachfrage wohl noch über Monate hinaus von Unsicherheitsfaktoren belastet. Selbst mögliche geplante Förderkürzungen der Öl-exportierenden Staaten OPEC schlagen sich nicht in Form von Preissteigerungen nieder. Immerhin bewegen sich die Ölpreise höher als noch beim Ölcrash im Frühling. Die alten Höchstwerte von anfangs Jahr sind aber in weiter Ferne und werden es wohl noch sehr lange bleiben. Darüber hinaus verhindert die Debatte um den Klimawandel und die politischen Bestrebungen, Öl und Gas durch erneuerbare Energien aus Windkraft oder Sonnenenergie zu ersetzen, eine Preiserholung.

Das sind schlechte Voraussetzungen für Ihren Lyxor Index Fund SICAV - Lyxor Stoxx Europe 600 Oil & Gas UCITS ETF. Dieser ermöglicht zu günstigen Konditionen einen Zugang zu Unternehmen aus dem Öl- und Gassektor in Europa. Der Exchange Traded Fund (ETF) bildet den STOXX Europe600 Oil&Gas Net Total Return Index nach. Zu den grössten Positionen des ETF zählen die grössten Ölproduzenten Royal Dutch Shell, BP, Total, ENI oder Repsol. Zwar gehen mehrere Ölkonzerne derzeit durch einen strategischen Umbau und richten sich teilweise ebenfalls auf erneuerbare Energien aus. Bis dieser Umbau greift, dürfte es aber noch Jahre brauchen. Immerhin sind in dem ETF auch Firmen wie Vestas Wind Systems, der grösste Windkrafthersteller der Welt, Siemens Energy sowie Equinor mit grossen Sonnen- und Windkraftanlagen vertreten.

Der Hauptfokus des ETF liegt aber eindeutig auf dem Öl- und Gasgeschäft, womit dieses Investment stark von der Entwicklung des Öl- und Gaspreises abhängig bleibt. Eine rasche und starke Erholung dieses ETFs halte ich für unrealistisch. Eine solche wird aus meiner Sicht erst möglich, wenn die Welt dank zuverlässigen Impfstoffen und Medikamenten die Coronakrise überwunden hat und die Weltkonjunktur wieder deutlich anzieht. In der Zwischenzeit brauchen Sie mit Ihrem ETF ebenso wie alle, die direkt in Ölaktien wie Royal Dutch Shell oder BP investiert hatten, viel Durchhaltewillen.

5 Kommentare
    Jürgen Baumann

    Zitat:“Ich habe über den Lyxor Index Fund SICAV – Lyxor Stoxx Europe 600 Oil & Gas UCITS ETF in die Öl- und Gasindustrie investiert. Muss ich mir Sorgen machen?“

    Die Antwort lautet: Nein, das Geld ist weg. Nach der Kohlenblase platzt nun die Öl- und Gasblase. Wir können zuschauen - live, 3D und in Farbe.