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Nachruf auf einen PionierWalter Binder ist gestorben

Der Zürcher gründete die Fotostiftung Schweiz, die unzählige Nachlässe von Fotografen beherbergt und sich für die Anerkennung der Fotografie als Kunstform einsetzt.

Walter Binder, rechts, im Januar 1992 in Zürich. Neben ihm der Kunsthistoriker David Streiff.
Walter Binder, rechts, im Januar 1992 in Zürich. Neben ihm der Kunsthistoriker David Streiff.
Foto: Keystone

Der Zürcher Fotograf Walter Binder, der zusammen mit Rosellina Burri-Bischof 1971 die Schweizerische Stiftung für die Photographie (heute Fotostiftung Schweiz) gründete, ist am Sonntag im Alter von 89 Jahren gestorben. Bei der Fotostiftung Schweiz, die seit 2003 in Winterthur beheimatet ist, handelt es sich um das – auch vom Bund anerkannte und subventionierte – Referenzzentrum für Fotografie. Hier werden nicht nur regelmässig Ausstellungen durchgeführt, sondern auch über 80 Nachlässe von Fotografen und über 100’000 Originalabzüge aufbewahrt, digitalisiert und der Öffentlichkeit und der Forschung zugänglich gemacht.

Dank der Fotostiftung, die in den ersten Jahrzehnten nach 1971 im Kunsthaus Zürich Gastrecht hatte, wurden unzählige Schweizer Fotografen dem Vergessen entrissen. Der ehemalige Kurator des Kunsthauses Zürich, Guido Magnaguagno, hat in den Achtzigerjahren mit Binder zusammengearbeitet und selbst zahlreiche Fotoausstellungen gestaltet. Er erinnert sich noch gut daran, wie damals Jakob Tuggener, Paul Senn, Hans Staub, Gotthard Schuh, Herbert Matter oder Walther Bosshard, um nur ein paar wenige zu nennen, dank dem Engagement der Fotostiftung entdeckt worden sind.

Franks Förderer

Peter Pfrunder, Direktor der Fotostiftung, würdigt Binders Pionierleistung für die Fotografie. Er habe mit Rosellina Burri-Bischof zusammen unschätzbare Verdienste für die Fotografie in der Schweiz erworben. Dank ihm seien unzählige Archive von Fotografen erhalten und erschlossen worden, zudem habe er engagiert und passioniert mit Ausstellungen und Büchern für die öffentliche Anerkennung der Fotografie als Kulturleistung gekämpft.

Auch die enorme Wertschätzung Robert Franks hierzulande, der mit seinem Buch «The Americans» 1958/1959 den USA einen schonungslosen Spiegel vorgehalten hat, ist zu einem guten Teil Walter Binder zu verdanken, der sich zeitlebens für die Anerkennung der Fotografie als zeitgemässer Kunstform engagiert hat. Die erste Ausstellung der Fotostiftung im Kunsthaus Zürich fand 1974 statt und hiess «Photographie in der Schweiz 1840 bis heute». Danach erhielt das Kunsthaus Zürich eine Fotogalerie, die durch die Stiftung betrieben wurde und 1976 mit einer Ausstellung zu Robert Frank eingeweiht wurde.

Eigenes Fotostudio

Binder, der von 1971 bis 1998 die Fotostiftung geleitet hatte, machte seine Ausbildung von 1949 bis 1952 bei Hans Finsler an der Fachklasse für Fotografie der Kunstgewerbeschule Zürich, der er von 1957 bis 1976 selbst vorgestanden hat. 1954 eröffnete er in Zürich auch ein eigenes Fotostudio für Sach- und Architekturfotografie. So werden zum Beispiel Binders Architekturfotos im Institut für Geschichte und Theorie der ETH Zürich aufbewahrt.