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Installationen in der freien NaturWaldenburg wird zur Kunstmetropole

Die Biennale Ville des Arts zeigt Werke von namhaften Künstlern.

Waldenburg ist derzeit eine Outdoor-Galerie.
Waldenburg ist derzeit eine Outdoor-Galerie.
Foto: Florian Bärtschiger

Wer denkt, dass es in Waldenburg kein Kulturleben gebe, liegt falsch. Seit vergangenem Wochenende zieren 90 Installationen namhafter Künstler das idyllische Stedtli. Die BaZ kam in Genuss einer Exklusivführung.

Schon von weitem sind die bunten Fahnen von Nora Vest zu sehen. Etliche Installationen und Skulpturen zieren den Weg zum Ortszentrum. Auf die Idee mit der Biennale sind die drei Künstler Sibylla Dreiszigacker, Renato Wellenzohn und Pt Whitfield gekommen. «Wir wollen im Baselbiet eine Kunstmetropole schaffen, welche alle zwei Jahre stattfindet», erklärt Dadaist Wellenzohn. «Es ist ein grosses Glück, dass wir namhafte Künstler gewinnen konnten, die jetzt normalerweise im Ausland wären. Nun haben wir die Crème de la Crème da.»

Ein ambitioniertes Projekt, denn die Organisation dieser Kunstausstellung erfolgte ohne fremde Finanzierung. «Wir sind eine open gallery, man kann also die Kunstwerke auch kaufen. Einen Teil des Ertrags erhält das Stedtli Waldenburg.» Stolz zeigen Wellenzohn und Mitkuratorin Dreiszigacker die Kunstobjekte und erklären die Hintergründe dazu.

Das Stedtli soll wieder blühen

Wir machen halt vor einer Installation von Simon Berger, der mit dem Hammer kunstvoll Kirchenfenster in die Scheiben eines Glashauses gemeisselt hat. Die Gemeinde Waldenburg habe diese Idee von Anfang an gestützt. «Sie haben uns geholfen, wo sie konnten. Wenn das mit Corona vorbei ist, machen wir ein grosses Volksfest.»

Als Künstler wissen die drei, wie schwer die Krise für die Szene ist, und freuen sich umso mehr, dass sie nun so viele Kunstschaffende in Waldenburg vereinen können. «Wir wollen das Stedtli wieder zum Blühen bringen, nachdem die Industrie weg ist. Das ist jetzt ein Anfang.»

An vielen Ecken der Stadt überraschen einen Skulpturen.
An vielen Ecken der Stadt überraschen einen Skulpturen.
Foto: Florian Bärtschiger

Wellenzohn deutet auf eine Installation von ChrisPierre Labüsch rechts der Strasse. Etwas weiter vorne liegt eine mit Beton gegossene Gummisusi von Gero Götze. Auf Schritt und Tritt überraschen einen vielfältige Kunstwerke. Hier stecken Köpfe auf Stäben von Monica Ott in einem Beet, dort hängen farbige Installationen von Furi Hundt in den Bäumen.

«Wir haben Kunstwerke gesucht, die hierhin passen», sagt Dreiszigacker. Auch Provokatives ist mit dabei. So etwa die Videoinstallation «Hass» von Bernd Kniel , welche mit grellem Licht den Besuchern die Grenzen der Digitalisierung aufzeigen möchte. Fredy Hadorn hat Strassenschilder aufgestellt, auf denen etwa «Schnuuf mi ned a!» zu lesen ist. Und Pavel Schmidt hat seine gesprengten Gartenzwerge für die Biennale in Aluminium gegossen.

Venus am Brunnen

Nun hängen sie im Fenster der Dorfbeiz passend dazu zieren Geranien den Fenstersims. Die beiden Kuratoren bleiben am Jakobsmuschelbrunnen stehen. «Pavel Schmidt hat die Venus wieder eingefangen und nach Waldenburg zurückgebracht.» Nun steht sie angekettet am Brunnen. Nebenan ist ein Bestattungswagen parkiert. Statt eines Leichnams ist im Inneren des Gefährts die Videoinstallation «Currently no television» des Künstlers MARCK zu sehen. «Damit will er zeigen, dass momentan keine Fernsicht möglich ist.»

Auch dieser Künstler wäre jetzt eigentlich in New York, nun stellt er in Waldenburg aus. Nicht nur draussen sind Kunstwerke platziert, sondern etwa auch im Inneren eines leer stehenden Hauses hat Peter Začek seine Installation gehängt. Auch in der Kirche gibt es Kunst von Rudolf Tschudin, Dorothée Rothbrust, Katrin Zuzáková und vielen mehr zu entdecken.

Eine überraschend-erfrischende Ausstellung in dieser doch eher kulturarmen Zeit.