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Demos im InternetCorona hin oder her: Basler Aktivisten planen 1.-Mai-Aktionen auf der Strasse

Die Gewerkschaftsreden gibt es dieses Jahr online, die Solidarität am Fenster. Doch in Basel kursiert auch ein Aufruf für eine illegale Demo im Freien – mit Masken und Abstand.

Linksaktivisten wollen dieses Jahr trotz Coronakrise und Versammlungsverbot nicht auf gewisse 1.-Mai-Aktionen in Basel verzichten.
Linksaktivisten wollen dieses Jahr trotz Coronakrise und Versammlungsverbot nicht auf gewisse 1.-Mai-Aktionen in Basel verzichten.
Archivbild: Dominik Plüss

Es war ein schwerer Entscheid, den die 1.-Mai-Komitees in den beiden Basel fällen mussten. «Uns hat glaub allen das Herz geblutet», sagt Benjamin Plüss, Vorstandsmitglied des Basler Gewerkschaftsbundes (BGB). Seit 130 Jahren wird dieser Feiertag weltweit begangen. «Zum ersten Mal in der Geschichte wird es dieses Jahr in der Schweiz keine Demos und Kundgebungen am Tag der Arbeit geben», schreibt der Schweizerische Gewerkschaftsbund. Ziemlich bald wurde nämlich klar, dass während der Corona-Krise weder Demonstrationen noch Feierlichkeiten möglich sind. Nach Rücksprache mit den Behörden und dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund beschloss man daher auch in Basel Ende März, alles abzusagen.

Obwohl, nicht ganz alles. Weltweit haben Komitees in den vergangenen Wochen Wege gesucht, wie man den Feiertag immerhin über das Internet begehen könnte. In der Schweiz ist dafür die nationale Plattform Mai2020.ch entstanden – mit Reden, Diskussionen und Online-Workshops. Auch die lokalen Komitees wollen nicht völlig verzichten. Die Gewerkschaftsbünde BGB und GBBL sind derzeit daran, alles für einen digitalen 1. Mai in der Region vorzubereiten. Dafür ist Plüss momentan viel unterwegs. Er zeichnet die Reden, die kommenden Freitag nicht im Freien gehalten werden können, vorgängig auf.

Die «Internationale» am Fenster

Am 1. Mai geht es dann, wie man es von den Vorjahren gewohnt ist, um 10 Uhr los. Weil niemand vor Ort Solidarität demonstrieren kann, wie es Tradition wäre, greifen die Organisatoren auf einen Mix aus realer und digitaler Welt zurück. «Alle sollen etwas Rotes aus dem Fenster hängen, sodass man es von aussen sehen kann», sagt Plüss. Das könne eine Decke oder ein Küchentuch sein. «Dann bitten wir darum, ein Foto davon zu machen und es bei den sozialen Medien hochzuladen, damit der Zusammenhalt online sichtbar wird.» Der Hashtag dafür lautet «#wertvollearbeitfaireloehne». Es ist das diesjährige Motto des 1. Mai in Basel – inspiriert von den Solidaritätskundgebungen während der Corona-Krise. Das ursprüngliche Thema war die Forderung nach einem Mindestlohn. Die Krise habe noch deutlicher gezeigt, dass gerade auch in den «systemrelevanten» Berufen wie in der Pflege oder im Verkauf die Arbeitnehmenden oft unter schlechten Bedingungen und gegen tiefe Bezahlung arbeiten müssten, sagt Plüss.

Digital statt auf der Bühne: Gewerkschafter Benjamin Plüss und Grossrätin Jo Vergeat zeichnen Sibel Arslans Rede zum 1. Mai auf.
Digital statt auf der Bühne: Gewerkschafter Benjamin Plüss und Grossrätin Jo Vergeat zeichnen Sibel Arslans Rede zum 1. Mai auf.
Foto: Dominik Plüss

Um 12 Uhr werden die Reden online aufgeschaltet. Und eine halbe Stunde später soll, so die Hoffnung der Organisatoren, ein sozialistischer Geist über beiden Basel schweben. Es ist geplant, dass alle, die an der digitalen Veranstaltung teilnehmen, gleichzeitig die Fenster öffnen und die «Internationale» singen, das Kampflied der sozialistischen Arbeiterbewegung. «Wir werden sehen, ob das funktioniert», sagt Plüss und lacht – «zuversichtlich», wie er betont.

Widerstand mit Atemmaske

Die Gewerkschaften rufen dazu auf, sich an die Corona-Regeln zu halten. «Wir wollen solidarisch sein mit jenen, denen im Fall einer Corona-Infektion ein schwerer Verlauf droht», sagt Plüss. Dennoch rufen Aktivisten in Basel zu einer Versammlung im Freien auf – wenn auch mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen. Auf dem linken Portal Barrikade.info steht: «Ein offensiver und kollektiver 1. Mai ist wichtiger denn je. Der Schutz von uns und anderen verunmöglicht zwar die Form einer Massenmobilisierung, aber vielleicht eröffnen sich ja gerade in dieser Situation neue Formen des Widerstands. Wir rufen dazu auf, uns um 14 Uhr die Klybeckstrasse für unsere politischen Botschaften zu nehmen.» Es folgen Infos zum Schutzkonzept: «Kommt in Kleingruppen in die Strasse, bringt eure eigenen Transparente mit, werdet aktiv. Nehmt Masken mit und haltet den nötigen Abstand. Die Klybeckstrasse soll am 1. Mai ab 14 Uhr der Ort sein, an dem wir kollektiv unseren Widerstand ausdrücken!»

Die Aktivisten haben kein Gesuch für diese Veranstaltung eingereicht, wie die Polizei bestätigt. Sprecher Toprak Yerguz gibt keine Details dazu bekannt, wie die Einsatzkräfte auf illegale 1.-Mai-Demos reagieren werden. Man suche grundsätzlich immer zuerst das Gespräch, wenn sich Personen nicht an die Vorgaben der bundesrätlichen Verordnung hielten. «Die weitaus meisten so angesprochenen Baslerinnen und Basler reagieren verständnisvoll», sagt er. Bei Uneinsichtigen greife die Kantonspolizei nach Massgabe der Verhältnismässigkeit durch.

22 Kommentare
    Patrik Schaub

    Ist der Typ mit den Stinkefingern auf dem Foto deshalb vermummt, damit seine Mami sich nicht für ihn schämen muss?