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Kommentar zu Chinas Corona-StrategieWachstum war gestern

Peking ordnet dem Kampf gegen Corona sogar die Wirtschaft unter – auch wenn Chinas Wirtschaftsleistung immerhin noch ein wenig wächst.

Auf den ersten Blick vermitteln die Werbetafeln in der chinesischen Millionenstadt Wuhan, in der das Coronavirus zuerst entdeckt wurde, Zuversicht. Aber Chinas Wachstum war seit Jahrzehnten nicht mehr so verhalten.
Auf den ersten Blick vermitteln die Werbetafeln in der chinesischen Millionenstadt Wuhan, in der das Coronavirus zuerst entdeckt wurde, Zuversicht. Aber Chinas Wachstum war seit Jahrzehnten nicht mehr so verhalten.
Foto: Ng Han Guan (AP, Keystone)

Ein Wirtschaftswachstum von gerade einmal 2,3 Prozent – bis vor kurzem hätte das die chinesische Führung in Bedrängnis gebracht. Denn jedes Jahr müssen Millionen neue Jobs geschaffen werden, Arbeitsplätze für Bauern, die als Wanderarbeiter in die Städte ziehen, für Universitätsabsolventen. 2,3 Prozent Wachstum mögen in Europa grossartig sein, in China ist es eine Katastrophe, der jahrzehntealte Pakt zwischen Regierung und Bevölkerung – die Wirtschaft brummt und die Chinesen halten im Gegenzug die Klappe – droht dann zu erodieren.

Jenes Land, in dem die Pandemie ausgebrochen ist, ist ein Jahr später der Krisengewinner.

2,3 Prozent, genau das ist nun eingetroffen, das schlechteste Ergebnis seit 1976, als Staatsgründer Mao Zedong starb und die Kulturrevolution endete. Und doch ist die Kommunistische Partei in China selbstbewusster denn je. Jenes Land, in dem die Pandemie ausgebrochen ist, ist ein Jahr später der Krisengewinner.

Nicht mehr sechs Prozent sind das Staatsziel, sondern die doppelte Null. Null Prozent Corona und eine nullprozentige Chance, dass sich das Virus überhaupt ausbreiten könnte. Dieser Strategie wird alles untergeordnet: Massentests beim geringsten Verdacht, die Bevölkerung ganzer Millionenstädte wird zum Rachenabstrich einbestellt. Das neue Mantra lautet: Nur in China ist man vor dem Virus sicher. Und nur in China wächst die Wirtschaft überhaupt noch. Das verfängt.

9 Kommentare
    Wolfgang Renz

    Dieser Kommentar errinnert mich an eine Korrespondentin, die von Anfang 2019 an jeden ihrer Berichte aus China mit dem Satzbaustein Satz :"aber Xi JinPing kommt immer mehr unter Druck" ab schloss. Irgend wann realisierte sie dann offenbar, dass es sich dabei wohl mehr um westliches Wunschdenken als um Realität handelte und nahmSatz wieder aus ihrem Bausteinkatalog.

    Dieser Kommentator nun scheint in typisch westlichem Überlegenheitsgefühl die Intelligenz der Chinesischen Menschen zu unterschätzen. Es sind nicht mehr die "Kolonial-Wilden" denen man sagen konnte, schaut wir geben euch euer Opium und dafür haltet ihr still! Die chinesischen Menschen können durchaus zwischen Ursache und Wirkung unterscheiden. Ursache Pandamie, Wirkung gebremstes Wachstum. Vorallem dann, wenn sie auch nach Westen schauen. Ausserdem haben die die chinesischen Menschen in den letzten 2 Jahrhunderten ganz andere Herausforderungen über sich ergehen lassen müssen, als ein Wachstumseinbruch runter auf etwas über 2%. Angefangen mit dem brutalen menschenverachtenden West-Kolonialismus (jenen, die heute bei jeder Gelegenheit von ihren Werten labern) über den Terror verschiedenster vom Westen unterstützen Kriegsfürsten (der letzte davon hat Taiwan gegründet ) bis zu zum Terror der roten Garden. Die Chinesen werden den Wirtschaftseinbruch also recht locker nehmen ganz ohne ihre überwältigende Loyalität zu ihren Regime auf zu geben. Alle anderen Spekulationen Gründen nur auf lächerliche westlichen Wunschdenke