Vorwürfe und Ermittlungen gegen Pfarrer von Regensdorf

Der autoritäre Führungsstil des katholischen Pfarrers soll zu über 20 Abgängen geführt haben. Nun schaltet sich die Kantonalkirche ein.

Wort gegen Wort: Katholische Kirche in Regensdorf. Foto: Sibylle Meier

Wort gegen Wort: Katholische Kirche in Regensdorf. Foto: Sibylle Meier

Michael Meier@tagesanzeiger

In der katholischen Pfarrei Mauritius in Regensdorf hängt der Haussegen schief. Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Akteuren gibt es seit längerem. Allerdings haben diese nun ein neues Niveau erreicht: Bei der Zürcher Kantonalkirche sind gleich mehrere Beschwerden gegen den Pfarrer und die Kirchenpflege eingegangen.

Die Exe­kutive hat nun eine Untersuchung durch die Aufsichtskommission eingeleitet, wie sie gestern mitteilte. Letztere muss «die zahlreichen und teilweise auch öffentlich erhobenen personalrechtlichen Vorwürfe von Mitarbeitenden, Stimmberechtigten und Behördenmitgliedern abklären» und dem Synodalrat Bericht erstatten.

Zuvor war der Streit vor allem via Leserbriefe in Zürcher Lokalzeitungen öffentlich ausgetragen worden. Aufgerüttelt hat insbesondere die von Anfang Juni datierende Stellungnahme des seit 2017 in der Pfarrei tätigen Vikars Stefan Loppacher. Er hätte seine Ausführungen gerne an der Kirchgemeindeversammlung verlesen, wurde aber daran gehindert. «Durch andauerndes respektloses und rücksichtsloses Verhalten des Vorgesetzten gegenüber seinen Mitarbeitern wurde ein Klima der Angst geschaffen, geprägt von Misstrauen, Drohungen und Machtmissbrauch. Ich habe das genug oft selber erleben müssen», schreibt der seit Anfang Jahr krankgeschriebene Vikar, der auch als Diözesanrichter tätig ist und zum Thema Kindsmissbrauch promoviert hat.

Konflikt um Auffassungen

Vergeblich versuchte der Vikar, Pfarrer und Kirchenpflege auf das Malaise in Regensdorf anzusprechen. Die Kirchenpflege habe das Problem im Gegenteil sogar noch verschärft. Statt die Mitarbeiter zu schützen, habe sie sich als Arbeitgeberin «selbst zu Mobbinghandlungen gegen ihre Angestellten hinreissen lassen», schreibt Loppacher in seiner Stellungnahme. Die Kirchenpflege wolle ihn und weitere Mitarbeiter, die sich gewehrt hätten, rasch loswerden. Dabei sei es «zu Verleumdungen und falschen Anschuldigungen» gekommen. Die Kirchenpflege habe die Sorgfaltspflicht vermissen lassen und dadurch «meine Gesundheit weiter geschädigt».

Auch Thomas Kleinhenz, früher in der Pfarrei als Pastoralassistent tätig, moniert den von vielen kritisierten autoritären Führungsstil des Pfarrers, der zu über 20 Abgängen von Mitarbeitern geführt habe.

Beim Pfarrer handelt es sich um den 48-jährigen Remo Eggenberger, der seit 2011 in der Pfarrei wirkt. Er weist Loppachers Aussagen als persönlichkeitsverletzend zurück. Der von Loppacher eingeschaltete Ombudsmann habe ihn nie kontaktiert, so Eggenberger. Viele Personalabgänge seien aufgrund von Wohnsitzwechsel, Krankheit oder sogar Todesfall erfolgt.

Eggenberger zufolge prallen im Konflikt um ihn verschiedene Kirchenbilder aufeinander. Der Pfarrer mit bewegter Biografie – Hochbauzeichner, Schweizer Gardist, Maturand in den USA, Weihekandidat von Bischof Wolfgang Haas – geniesst seit vielen Jahren das Wohlwollen von Bischof Vitus Huonder. Dieser hatte ihn in die Regensdorfer Pfarrei berufen. Als einer seiner letzten Amtshandlungen hat der scheidende Bischof im Mai Eggenbergers Wirken als dortiger Pfarrer für sechs Jahre bestätigt – gegen die Empfehlung von Generalvikar Josef Annen.

Im vergangenen Jahr musste sich Eggenberger einer Urnenwahl stellen, wobei sich eine Mehrheit der Furttaler Katholiken hinter ihn scharte.

Konservative Haltung

Pfarrer Remo Eggenberger erhält in der Auseinandersetzung Un­terstützung vonseiten der Kirchenpflege. So weist auf Anfrage deren Präsident Giovanni Catania die Vorwürfe gegen Pfarrer und Kirchenpflege klar zurück. Catania stellt eine ausführliche Stellungnahme zum Konflikt in Aussicht.

Pfarrer und Pflegepräsident teilen eine dezidiert konservative Haltung. Catania druckt in seinem Grafikbetrieb die von Remo Eggenberger herausgegebene Schrift «Im Gebet Gott begegnen». Theologe Kleinhenz kritisiert das darin enthaltene überhöhte Kirchen- und Priesterbild. Catania selber sagt von sich, er sei schlicht «römisch-katholisch», bestätigt aber, Mitglied des sogenannten Neokatechumenalen Weges zu sein.

Diese Mitte der Sechzigerjahre in Madrid entstandene konservative Gemeinschaft hat in der Regensdorfer Pfarrei ihren schweizerischen Hauptsitz und feiert dort eigene Gottesdienste. Ursprünglich wurde sie vom früheren Zürcher Weihbischof Peter Henrici gefördert und begleitet. Doch selbst Papst Franziskus hat die Gemeinschaft wegen ihrer Parallelhierarchie und ihres Hangs zu «christlicher Überheblichkeit» gerügt.

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