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Geldblog: Marktschrei(b)erVorbehalte gegenüber ­Software One

Tecan ist zu teuer, Qiagen ist eine Alternative +++ BVZ leidet weiter unter der Tourismuskrise

Software One musste kaum Umsatzrückgänge verbuchen und rechnet für das laufende Jahr wie gehabt mit leichtem Wachstum.
Software One musste kaum Umsatzrückgänge verbuchen und rechnet für das laufende Jahr wie gehabt mit leichtem Wachstum.
Foto: PD

Software One: halten

In Corona-Zeiten konnten Tech-Aktien auf breiter Front profitieren. So auch jene des IT-Resellers Software One. Die Aktien haben sich seit dem Corona-Tief im März fast verdoppelt und notieren auf dem Stand von Anfang Jahr. Der Börsenneuling entwickelt selbst keine Software, sondern verkauft und verwaltet Software-Lizenzen von Drittanbietern, allen voran von Microsoft. Homeoffice und dezentrales Arbeiten während des Lockdown haben die Nachfrage nach entsprechenden, meist cloud-basierten Anwendungen befeuert. So musste Software One kaum Umsatzrückgänge verbuchen und rechnet für das laufende Jahr wie gehabt mit leichtem Wachstum. Und die Profitabilität bewegt sich dank Synergien aus der Integration eines deutschen Konkurrenten auf ansprechendem Niveau. Auch die Bewertung ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 für das kommende Jahr akzeptabel. Dennoch habe ich Vorbehalte gegenüber den Aktien. Grund sind die Hauptaktionäre KKR, Raiffeisen und die Erben­familie. Sie haben bereits zweimal unterjährig grosse Aktienpakete verkauft, ohne sich an Sperr­fristen zu halten. Entsprechend tauchte jeweils der Kurs. Am 21. September endet die offizielle Sperrfrist für die Hauptaktionäre, am 25. Oktober für alle anderen – von neuen Kurstauchern ist also weiterhin auszugehen.

Tecan: meiden

Auch andere «Tech-Aktien» spüren derzeit viel Rückenwind. So etwa Tecan. Das auf medizinische Laborprüfgeräte spezialisierte Unternehmen hat im ersten Halbjahr nicht nur mehr Umsatz erwirtschaftet, sondern vor allem einen deutlich höheren Auftragseingang verzeichnet. Der Bestand per Ende Juni erreichte ein Rekordniveau. Das verspricht auf mindestens ein Jahr hinaus überdurchschnittlich starkes Wachstum. Mit Blick auf den Leistungsausweis der ersten sechs Monate und den regen ­Bestellungseingang erhöht das ­Laborunternehmen auch die Jahresprognose. Das Unternehmen hat in den vergangenen Monaten unter Kunden und auch am Aktienmarkt an Status gewonnen, so wie die ganze Diagnostikbranche. Die ­Tecan-Aktien haben sich in diesem Jahr fast um die Hälfte verteuert – doch genau das stimmt mich skeptisch. Die ohnehin schon stolze Be­wertung ist nun auf ein schwindelerregendes Niveau vorgestossen. Trotz aller Qualitäten des Unternehmens fällt es mir schwer, auf diesem Niveau noch weiteres Potenzial für die Aktien zu sehen.

Qiagen: kaufen

Wem zum Beispiel Tecan-Aktien zu hoch bewertet sind, findet im Ausland günstigere Alternativen auf dem Gebiet der Diagnostik. Qiagen, in Frankfurt gehandelt, sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21 für 2021 nicht einmal halb so teuer wie diese, obschon sie seit Anfang Jahr 40 Prozent zugelegt haben. Unternehmen wie Tecan und Qiagen, die Geräte und Systeme für Covid-19-Tests anbieten, sind im Fokus der Investoren. Dank der Pandemie hat sich die Nachfrage nach Molekulartests vervielfacht. Pech hatte der grosse US-Labordienstleister ThermoFisher, der Qiagen zunächst für 10 Milliarden Euro kaufen wollte und das Angebot im Juli um 10 Prozent erhöhte. Doch das genügte vielen Aktionären nicht. Mitte August wurde der Übernahmeversuch abgeblasen, weil nur 47 Prozent der Teilhaber ihre Titel angedient hatten. Auf mindestens zwei Jahre hinaus dürfte es Qiagen pudelwohl sein in der Selbstständigkeit. Für das erste Semester meldete das Unternehmen eine Umsatzsteigerung von 14 Prozent und 47 Prozent mehr Gewinn. Die Prognose für das Gesamtjahr wurde erhöht. 2021 soll der Gewinn weitere 18 Prozent steigen.

BVZ: meiden

Und dann gibt es Unternehmen, die derzeit kein leichtes Geschäft haben. So etwa jene, die vom Tourismus leben – wie etwa BVZ, die Walliser Bergbahnbetreiberin. In den Monaten Juli und August zogen die Kundenfrequenzen zwar wieder an. Doch Gäste aus Fernost und Nordamerika werden schmerzlich vermisst. Schweizer machen rund die Hälfte der Gäste aus. Sie können den Wegfall der Gäste aus dem Ausland wie Japan, Korea, Hongkong oder dem angelsächsischen Raum nicht kompensieren. Deshalb ist das Unternehmen auch vorsichtig in der Prognose. 2021 wird wohl ein schwieriges Jahr, 2022 sollte dann wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie liegen. So zumindest die Hoffnung des Managements. Doch alles unter dem Vorbehalt, dass die Grenzen offen sind. Das dünkt mich sehr optimistisch. Gegenwärtig deutet nichts auf eine Entspannung der Situation hin. Und ob die Gäste aus dem Ausland – insbesondere aus Asien – denn überhaupt wieder kommen mögen? Das alles macht ein Engagement in den Aktien wohl auf längere Zeit nicht attraktiv. Hinzu kommt, dass sich rund 43 Prozent der Titel im Besitz Dieter Meiers und seines Bruder Balthasar befinden. Mit einer freien Marktkapitalisierung von rund 100 Millionen Franken ist der Handel illiquide.

Diese Kolumne wird von den Redaktorinnen und Redaktoren der «Finanz und Wirtschaft» verfasst. Sie haben sich verpflichtet, nicht in den entsprechenden Titeln aktiv zu sein. Wer die Tipps dieser Kolumne umsetzt, tut das auf eigenes Risiko. Die SonntagsZeitung übernimmt keine Verantwortung.