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Im LadenVon Flip-Flops, Bierseifen und Kondomen

Der faire Handel ist im Sortiment des neuen Ladens Fairfoot allgegenwärtig. Inhaber Steven Stebler verkauft unter diesem Aspekt vegane Naturkosmetik – und auch Dinge, an die man im Kontext von Fair Trade nicht immer denkt.

Steven Stebler auf seinem zum Verkaufstisch umgewandelte Segelboot. Dessen Fracht stammt von Rice and Carry.
Steven Stebler auf seinem zum Verkaufstisch umgewandelte Segelboot. Dessen Fracht stammt von Rice and Carry.
Foto: Kostas Maros

In der Mitte des Raums steht ein halbes Segelboot – ein Bug, um genau zu sein. Sein dunkelblauer Lack glänzt wie neu. Eigentlich wäre es verschrottet worden, doch hier, im Laden Fairfoot an der Feldbergstrasse 67, hat ihm Inhaber Steven Stebler neues Leben in die Segel gehaucht. Auch wenn der Rhein bloss 400 Meter entfernt vorbeifliesst, zu Wasser gelassen wird es nicht so bald. Seine Fracht ist trotzdem bemerkenswert: Es sind ausgediente Reissäcke, die zu Necessaires oder Kühltaschen verarbeitet worden sind. «Sie stammen von Rice and Carry, einem Projekt an der Ostküste Sri Lankas», sagt Stebler. Einige Teile daran, wie zum Beispiel die Schnallen, bestehen aus Plastik, der aus dem Ozean gefischt wurde. Ausserdem werden vor Ort Jobs geschaffen. «Mit solchen Initiativen können wir auch von Basel aus dazu beitragen, dass Arbeits- und Lebensbedingungen von Menschen in armen Regionen dieser Welt verbessert werden und das Umweltbewusstsein wächst», so Stebler weiter.

Dieser faire Handel – der Fair Trade – ist das Dach, unter dem er seinen neuen Laden aufgebaut hat. «Am 1. September haben wir aufgemacht», sagt der studierte Wirtschaftswissenschaftler. Der Name sei eine Anspielung auf das englische Wort «barefoot», zu Deutsch «barfuss», und stehe für den fairen Fussabdruck, der durch einen achtsamen und ökologisch sinnvollen Konsum hinterlassen werde. «Diesen wollen wir mit unserem nachhaltigen Fair-Trade-Sortiment laufend vergrössern.»

Breites Pflegeangebot

Dass bei ihm im Geschäft auch Dinge angeboten werden, die viele Konsumenten nicht immer auf dem Schirm haben, wenn es um Fair-Trade-Alternativen geht, bestätigt ein Blick auf das Sortiment. Max-Havelaar-Bananen gibt es keine. Dafür etwa Kondome. «Sie bestehen aus fair gehandeltem Naturkautschuk-Latex», erklärt Steven Stebler. Dem Hersteller werde ein Aufschlag gezahlt, der den Plantagenarbeitern und ihren Familien zugutekomme. Der «faire» Naturkautschuk findet sich auch in weiteren Produkten, zum Beispiel in Steblers Gartensortiment: «Momentan sind Saatgutschalen sehr beliebt, in denen man Setzlinge heranziehen kann – sie können im Gegensatz zu jenen aus Plastik auch länger verwendet werden.» Auch Badematten, Abwasch- und Einweghandschuhe sowie Gummistiefel oder Flip-Flops sind aus dem gleichen Material gemacht.

Schon vor der Eröffnung seines Ladens engagierte sich Stebler stark. Etwa als Vertriebspartner von Fair Squared für die Schweiz – die Marke kennt man am Rheinknie wohl am besten durch die Basler Bierseife der Brauerei Unser Bier. Dutzende Läden in der Basler Innenstadt haben sie ins Sortiment aufgenommen. «Die Seife wird von einem Seifenmacher in Köln hergestellt, der aus Syrien geflüchtet ist.» Er, Mohamad Khiro, konnte sich so eine neue Existenz auf seinem gelernten Beruf aufbauen.

In seinem breiten Pflegesortiment beschränkt sich Stebler jedoch nicht nur auf die populäre Bierseife. So findet man auf den hölzernen Regalen voller veganer Naturkosmetik beispielsweise auch eine Anti-Age-Gesichtsseife, die Rotwein enthält. Oder Lippenpomade aus Aprikosenkern-, Mandel- und Kokosnussöl sowie Shampoos und Duschgels, die wahlweise nach Limette, Kokosnuss oder auch Vanille duften. Alle darin enthaltenen Rohstoffe sind bio und ebenfalls Fair Trade. Die Mehrwegbehälter aus Glas können zudem zurückgebracht und wiederverwendet werden. Für Pflege für nach der Rasur sorgt etwa ein Aftershave-Balm aus Arganöl. Und damit beim Abschminken der Müll im Badezimmer reduziert werden kann, gibts waschbare Kosmetikrondellen – aus Fair-Trade-Baumwolle statt aus Polyesterfasern.

Ganz vorne im Laden erspäht das Auge noch etwas Aussergewöhnliches: «Hier können die Kunden Fair-Trade-Kaffee, -Tee oder auch -Cola ausprobieren», sagt Stebler und verweist auf seine eher unkonventionelle Bar. Sie besteht aus dem Heck des Segelbootes.

Fairfoot,
Feldbergstrasse 67, Basel.
Geöffnet Mo–Fr 11–18 Uhr und
Sa 10–17 Uhr.
www.fairfoot.ch