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FahrtenschreiberVom Winde verweht

Lüften sei nämlich das Gebot der Stunde, meint der Fahrtenschreiber.

Manchmal sei es ein ziemlich anstrengender Job, meint der «Fahrtenschreiber».
Manchmal sei es ein ziemlich anstrengender Job, meint der «Fahrtenschreiber».
Bild: lb

Mein Busfahrer-Job bei den BVB ist manchmal ganz schön anstrengend: Wenn ich den Bus durch
einen Kreisel manövrieren und dabei noch einem Buskollegen und einer Tramkollegin zuwinken
muss, komme ich schier ins Schleudern. Und dann steht am Strassenrand noch ein Bekannter, den ich
auch freundlich grüssen will. Uff, da bin ich nach Schichtende erschöpft.

Wer bei den BVB arbeitet und den längsten Teil seines Lebens in Basel verbracht hat, kennt halt so
einige Leute. Doch seit ich hier als «Fahrtenschreiber» meine kleinen Geschichten erzählen darf,
winken mir noch viel mehr Leute zu. Das ist natürlich schön. Ich fühle mich manchmal wie ein Promi.
Na gut, vielleicht mehr wie ein Cervelat-Promi. Oder wie ein Cipollata-Promi – das sind die kleinen
Würstchen. Waisch, wie ich main?

Aber damit ist jetzt Schluss – ich vermumme mich. Also nicht nur mit der obligaten Schutzmaske.
Wenn ich am Steuer meines Busses sitze, muss ich diese ja nicht tragen. Ich vermumme mich
trotzdem. Mit Sturmhaube, Schal und Wollmütze. Denken Sie bloss nichts Falsches, liebe Leserinnen
und Leser: Ich werde mit meinem Bus keine Bank überfallen und auch nicht an einer illegalen Demo
teilnehmen. Nein. Ich lüfte!

Mein Fahrerfenster ist immer sperrangelweit offen. Auch wenn es
draussen Minustemperaturen hat. Lüften ist nämlich das Gebot der Stunde. Das Gebot der Woche.
Wahrscheinlich sogar das Gebot des ganzen Winters. Wir müssen lüften. Das sagen die Corona-
Experten. Lüften! Immer und überall. Damit die Aerosole davonfliegen, diese kleinen Partikel, auf
denen die Viren reiten. Oder so. Die Viren werden durchs Lüften vom Winde verweht …

Lüften wird auch die erste Amtshandlung des neuen amerikanischen Präsidenten sein, wenn er
jemals ins Weisse Haus einziehen kann. Das weiss man ja noch nicht so genau. Ich könnte mir
vorstellen, dass der jetzige Bewohner noch zum Vermieterschreck mutiert und einfach nicht auszieht … Wenn also der neue Präsident dann tatsächlich einzieht, reisst er wohl erst mal alle Fenster auf.
Lüftet die Hütte ordentlich durch. Und danach das ganze Land. Nicht nur wegen Corona.

Auch in Basel muss bald gelüftet werden. Spätestens nach dem zweiten Wahlgang des
Regierungsrats und des Regierungspräsidiums. Dann wissen wir nämlich, wer alles ein-, aus- oder
umziehen darf. Oder muss. Wobei in Basel ein kurzes Stosslüften offenbar genügt. Denn alles soll ja
mehr oder weniger so weitergehen wie bisher. Seien wir ehrlich: Ist das nicht ein schönes Privileg
einer kleinen, aber feinen Provinzstadt?
Toll finde ich auch, dass man in Basel und überhaupt in der Schweiz so ganz normal leben kann. Ob
man nun ein hohes Amt hat oder nicht. Auch dann, wenn man es freiwillig oder unfreiwillig
abgegeben hat. So als Ex-US-Präsident mit orangen Haaren und vier Jahren Tohuwabohu auf dem
Buckel stelle ich mir das unangenehm vor. Muss man da flüchten, untertauchen, sich vermummen?

Falls Sie demnächst in einem BVB-Bus sitzen, passen Sie gut auf: Wenn der Fahrstil des Chauffeurs
ziemlich ruppig ist und unter seiner Mütze nicht graue, sondern orange Haare hervorschauen – ich
bins nicht!