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Viele, viele bunte Moleküle

Nanotour und farbige Moleküle, Chemie beim Kochen und neue Computerspiele – die Studierenden und Dozierenden aus den Naturwissenschaften haben einen bunten Strauss mit ein, zwei Knallbonbons gebunden.

Die Neugier auf Neues in der Wissenschaft kann nachhaltige Folgen haben. Zum Beispiel auf die Albemarle Street in London. Sie ist die erste Strasse der britischen Metropole, die zur Einbahnstrasse erklärt wurde. Werden musste. Denn dorthin bot die 1799 gegründete Royal Institution regelmässig Abendveranstaltungen an, an denen Wissenschaftler von ihren neusten Entdeckungen berichteten.

Unter anderem wurden da elf neue chemische Elemente präsentiert. Ein gesellschaftliches Ereignis erster Güte im London des 19. Jahrhunderts. Derart gross war der Andrang der besseren Gesellschaft in das nach einem seiner berühmtesten Vortragenden benannte (und dieses Jahr frisch renovierte) Faraday Theatre, dass die Kutschen mit ihren elegant gekleideten Passagieren sich arg verkeilten und der Verkehr definitiv neu geregelt werden musste.

Campus. An der Uninacht muss man sich nicht besonders elegant kleiden, wenn man auf dem «Campus Naturwissenschaften» die Attraktionen besuchen will. Die Kutsche bleibt sowieso zu Hause. Aber auch hier hat man die Pestalozzi-Strasse, die das Geviert mit physikalischen, chemischen und anatomischen Instituten vom Bio- und Pharmazentrum auf der andern Seite trennt, zur Keinbahnstrasse erklären müssen. Denn mit gütigem Einverständnis der BVB wurde dort ein Zelt errichtet, ein Knotenpunkt sozusagen, von dem aus man immer neu an die Schauplätze gerufen wird, verspricht Tibor Gualog, Nanophysiker und Präsident der Schweizerischen Physikalischen Gesellschaft.

Damit keine Spur von Langeweile aufkommt, wird musiziert, was das Zeug hält. «Wir haben zusammen mit der Musik-Akademie ein reichhaltiges Programm aufgestellt.» Vom Solisten (Alex Wäber mit sechs Mülltonnen) bis zum Jugendchor von Susanne Würmli werden die Wissenshungrigen beflügelt. Dass die Unigebäude links und rechts der Pestalozzistrasse gleich zum Campus erklärt werden, ist ein Vorgriff auf eine nicht allzu ferne Zukunft, wo die Naturwissenschaften mit den Life-Sciences zusammenrücken könnten, zum Campus mit eigenem Gesicht.

Nächte. Die Zeit ist kurz, die Lust aber lang. Vor dem Programm, das schier für 1001 Nächte reichte, könnte es uns gehen wie Buridans Esel, der zwischen zwei gleich grossen Heuhaufen verhungerte, weil er sich für keinen entscheiden konnte. Wohin soll man gehen? Da gäbs die Schatzsuche in den Labors der Physiker und Physikerinnen, könnte man Experimente im Zwergen- oder Nanoland verfolgen, gäbe es einen Wettbewerb im «Laborinth», darf man in der Cafeteria Michael Steinachers phänomenale Demos bestaunen, Filme sehen, Vorträge hören. Die Chemiestudierenden bezaubern in ihrem Institut mit leuchtenden Molekülen oder machen vor, dass auch Kochen Chemie ist. Die Anatomie daneben feiert Museumsnacht. Belehrendes Vorspiel, spielerischer Zugang zur Wissenschaft, alles gibt es da im Campus.

Als im Juni 1903 im Faraday Theatre das Ehepaar Pierre und Marie Curie das von ihnen entdeckte strahlende Radium vorstellten, musste Marie in der ersten Reihe sitzen bleiben. Denn Frauen waren damals in der Royal Institution als Vortragende undenkbar. Dafür trugen die Männer Bärte. Die sind heute selten geworden, Frauen am Katheder dagegen erwünscht und etwas häufiger. Selbst dann, wenn es kracht und zischt: Gleich zwei Mal hält die junge Chemieprofessorin Helma Wennemers (Bild) mit ihrem Kollegen Edwin Constable die sogenannte Sprengvorlesung, an der Chemie vorgeführt wird, wie man sie sich gern vorstellt.

zwillinge. Life-Sciences sind ein Schwerpunkt der Basler Universität. Schwer ins Gewicht fallen da als Siamesische Zwillinge das Bio- und das Pharmazentrum. Da wird einiges zu sehen sein. Studierende etwa veranstalten Live-Demos zu den Themen, die im Haus behandelt werden. Die Pharmazeuten erzählen von Lust, Leid und Wissen um Syphilis und bieten ein Pharma-Quiz. Die Informatik-Studierenden und die Spezialisten vom Rechenzentrum haben eigene Computerspiele entworfen. Fröhliches Mitspielen erwünscht.

Doch der Campus der Naturwissenschaften hat noch weitere Satelliten. Das Bernoullianum etwa mit den Umweltwissenschaften. Da kann man Wasser analysieren lassen, sich über Klimafragen und Mineralisches informieren – oder zu den Ägyptologen desertieren. Am nahen Botanischen Institut und im herbstlich bepflanzten alten Botanischen Garten gibt es Bier und Botanisches zum Anfassen. In der Alten Universität am Rheinsprung darf man gar mathematisch spielen.

experimente. Beneidenswert sind einmal mehr die Kinder. Die dürfen selbst was machen. Im chemischen Institut lässt man sie munter experimentieren und dabei ein Junior-Diplom erwerben. In der Physik gibt es eine Spielecke, im Biozentrum können sie Bakterien bestaunen und gar nach Hause nehmen oder sich über die Herstellung von Sonnencreme informieren. Im Bernoullianum dürfen sie aus hiesigem Kalkstein Fossilien präparieren. Das Café Scientifique im magischen Pharmazeutischen Museum am Totengässlein lädt für einmal sogar nur Kinder zu «lustigen wissenschaftlichen Experimenten», bevor es am 13. Oktober mit «Schönheit» auch wieder für Erwachsene startet. Reichlich Futter also für junge Neugierige.

Wer sich an Naturwissenschaften begeistern will, kann in der Uni-Nacht seinen Hals richtig voll kriegen. Nach dem aufregenden Abend könnte man bis in den Morgen weitertanzen.

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