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Öffnung des Campus in BaselViele Schreibtische und eine Sofaecke für Start-ups bei Novartis

Der Pharmakonzern Novartis vermietet auf seinem Campus erste Büros an kleine Firmen. Damit will er die Forschung beflügeln.

Hier sollen neue Ideen entstehen: Der Switzerland Innovation Park vermietet Arbeitsplätze auf dem Novartis Campus.
Hier sollen neue Ideen entstehen: Der Switzerland Innovation Park vermietet Arbeitsplätze auf dem Novartis Campus.
Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Die Fördergesellschaft Switzerland Innovation Park Basel Area hat die ersten Start-ups auf den Campus von Novartis gebracht. Die jungen Firmen sind auf einer Etage in einem der Gebäude angesiedelt. An der Digitalisierung im Gesundheitswesen sollen sie arbeiten. «Für sie genügen Schreibtischarbeitsplätze, denn Labore können wir noch nicht bereitstellen», begründet dies Christof Klöpper, Chef von Basel Area.

Ein graues Sofa, zwei Sessel, eine Küchenzeile sowie 30 feste Arbeitsplätze und 12 Schreibtische zur tageweisen Nutzung stehen für die Start-ups und Forschungsgruppen zur Miete bereit. Schon eingezogen ist Sebastian Keller mit seiner Zwei-Mann-Firma Rekonas Medical. Sie ist daran, die altbekannte Hirnwellenmessung EEG digital weiterzuentwickeln. Forscherinnen und Ärzte sollen so auch ohne teures und aufwendiges MRI-Screening zu aussagekräftigen, aber einfach zu erschliessenden Daten kommen können.

«Erste Gespräche mit Novartis über unser Projekt haben schon stattgefunden», sagt Keller. Der Pharmagigant könnte Kellers Start-up etwa für die leichtere Durchführung von klinischen Studien nutzen, bei denen es auf die Untersuchung des Gehirns ankommt. Der Kontakt zwischen Rekonas Medical und Novartis kam durch die räumliche Nähe unkompliziert zustande. «Als Teil des Campus sind wir für Novartis sichtbarer geworden», sagt Keller.

«Hinter der Öffnung des Novartis Campus stehen keine immobiliengetriebenen Überlegungen.»

Jorinde Behrens, Immobilien-Chefin Novartis Schweiz

Die Öffnung des Campus hatte Novartis im Januar angekündigt, im Juni zogen die ersten grossen Mieter ein, die sich nun der Öffentlichkeit präsentieren. Ziel von Novartis ist es, vor allem den Austausch zwischen den Forschern des Pharmariesen und jungen Firmen und Projekten zu beflügeln. Denn erst Cluster – also viele Firmen aus dem Gesundheitsbereich auf einem Haufen – ermöglichen hilfreichen, zufälligen Austausch.

Durch die Ansiedelung von Start-ups auf dem Campus soll es nämlich zu ungeplanten und anregenden Gesprächen zwischen den Forschenden kommen. «Hinter der Öffnung des Novartis Campus stehen keine immobiliengetriebenen Überlegungen», sagt Jorinde Behrens, die Immobilien-Chefin des Konzerns für die Schweiz.

Nur eine Etage des Gebäudes auf dem Novartis Campus ist an den Switzerland Innovation Park vermietet. Die anderen Stockwerke nutzt der Pharmakonzern selbst weiter für Workshops.
Nur eine Etage des Gebäudes auf dem Novartis Campus ist an den Switzerland Innovation Park vermietet. Die anderen Stockwerke nutzt der Pharmakonzern selbst weiter für Workshops.
Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Die Nutzung der Büros auf dem Campus ist allerdings schon ein Thema. Auch wenn Novartis Angestellte aus dem Klybeck auf sein Hauptareal holt, gibt es dort noch genügend freien Raum. Rund 9500 Personen arbeiten derzeit dort, ausgelegt war der Campus für 13’000. Durch das Homeoffice, das Novartis-Angestellte je nach eigenem Wunsch auch nach dem Lockdown für immer weitermachen dürfen, sollte weiterer Platz frei werden.

«Es gibt ein grosses Interesse, hierherzukommen, und darüber sind wir sehr froh», sagt Behrens über die Resonanz auf die Öffnung des Campus. Auch Arbeitsorte mit Laboren sollen demnächst angeboten werden können. «Im Moment sind unsere Laborgebäude noch voll belegt, wir werden sie aber freispielen können», so die Immobilien-Chefin. Auch Fläche für Neubauten von Dritten sei auf dem Campus noch vorhanden, so Behrens weiter.

«Tout est possible»

Doch zunächst geht es um die Vermietung an kleine Firmen und Forschungsprojekte, wie sie Basel Area fördert. Ein grosser Teil der Start-ups kommt aus der Region, aber auch aus dem Ausland kommen Firmen zu Novartis auf den Campus.

Um den Austausch zwischen den kleinen, neuen Firmen und dem Pharmagiganten zu verstärken, will Basel Area ab kommendem Jahr eine Reihe von Veranstaltungen durchführen. «Wir werden damit experimentieren, wie wir die Nähe zwischen den Start-ups und Novartis herstellen können», sagt Klöpper. Die dürfte sich auch einfach dadurch ergeben, dass die eingemieteten Firmen auch die Restaurants und Geschäfte auf dem Campus nutzen dürfen.

Ab Ende 2022 wird auch das Friedrich-Miescher-Institut für biomedizinische Forschung mit 350 Angestellten auf den Campus ziehen. Die Forschenden sind dem Novartis Institutes for BioMedical Research und der Universität Basel angeschlossen.

Schon vorher dürften weitere Projekte oder Start-ups den Campus bevölkern. «Tout est possible» steht an der Wand in der Novartis-Büroetage von Basel Area.

3 Kommentare
    Matthias Hund

    Wie hoch sind die Kosten? Im Vergleich zur üblichen Infrastruktur?