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Kommentar zur neuen CS-EtiketteVerschont uns um Himmels willen mit Bänklern, die cool sein wollen

Die Krawatte wegzulassen, soll Street Credibility verleihen. Das ist ein amüsanter Gedanke. Aber selbstverständlich kreuzfalsch.

Nie wieder soll ihm jemand mit dem Buchhalter Nötzli kommen: Der neue Bänkler trägt Turnschuhe und sagt allen Du.
Nie wieder soll ihm jemand mit dem Buchhalter Nötzli kommen: Der neue Bänkler trägt Turnschuhe und sagt allen Du.
Foto: Getty Images

Wenn Banken von Zeitgeist reden, ist das nicht gut. Wenn sie davon reden, dass ihre Angestellten «cool aussehen» sollen, noch schlechter. Und wenn das der Leiter des Privatkundengeschäfts der Credit Suisse den Zeitungen der Tamedia höchstoffiziell ins Mikrofon sagt, wie vergangene Woche, dann überkommt einen ein metaphysisches Gruseln der extraordinären Art.

Denn die Sache mit dem Zeitgeist und der Coolness, das ist ein einziges Missverständnis. Zunächst: Man wird nicht cool, bloss weil man die Krawatte auszieht. Oder seine Kundschaft beim Vornamen nennt, wie das die CS neuerdings ebenfalls vorhat. Wer sich selbst cool nennt, ist es mit atemberaubender Sicherheit nicht.

Niemand sucht den Zeitgeist in einer CS-Filiale

Dann: Es ist auch gar nicht nötig, dass die Angestellten eines Geldinstituts cool sind. Niemand sucht den Zeitgeist in einer CS-Filiale.

Banken sollten selbigem überhaupt nicht hinterherhecheln. Sie sollen Buchhalter-Nötzli-artige Seriosität verströmen. Den Überblick über ihre diversen Finanzvehikel behalten. Keinen Despoten hofieren und keine impertinenten Gebühren erheben. Einen Service bieten, der diesen Namen verdient.

Die Mitarbeitenden sollen kompetent sein, vielleicht gar: engagiert. Und über die grundsätzlichen Umgangsformen Bescheid wissen. Coolness verlangt kein Mensch von ihnen.

Das Comeback der formellen Mode steht an

Die Sache mit dem Zeitgeist ist nicht nur ein Missverständnis, sie birgt auch ein Risiko. Der Zeitgeist ist volatil, wie die Märkte. Wer auf seiner Welle mitsurfen will, sollte etwas davon verstehen.

Athleisure, dieser letzte grosse, lange dominierende Trend in der Mode Turnschuhe zu allem, die Jogginghose zur Seidenbluse selbst abends –, ist gemäss denen, die sich wirklich mit dem Zeitgeist auskennen, vorbei. Sie sagen: Das Comeback der formellen Mode steht vor der Tür. Heisst: weniger Kapuzenpulli, mehr Krawatte.

Sorry, gäll.

12 Kommentare
    Holk oertel

    Wenn ich als Kunde die Bank betrete bring ich Geld oder möchte eine Anlage Beratung wünsche ich doch anständiges Outfit und Respekt.Ich würde die Konsequenz ziehen,wenn mir einer sagt Hallo Fritz, vielleicht noch von 25 jüngeren Bankangestellten.Ich bin doch nicht la IKEA.