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Grünes Licht von Kanton und FISTrotz Corona-Fällen: Am Lauberhorn wird gefahren

Der Weltcup-Tross darf nächste Woche nach Wengen reisen. Die Sicherheitsstandards werden massiv erhöht, die Fahrer weitgehend von der Aussenwelt abgeriegelt.

Freie Fahrt: Beat Feuz kann in Wengen seinen Sieg aus dem Vorjahr verteidigen.
Freie Fahrt: Beat Feuz kann in Wengen seinen Sieg aus dem Vorjahr verteidigen.
Foto: Christian Pfander (Tamedia)

Also doch, ab nach Wengen. Trotz vielen Corona-Fällen im Ferienort, trotz eines britischen Touristen, der über die Feiertage die mutierte Variante des Virus nachweislich verbreitet hat.

Der Weltcup-Tross darf die Reise ans Lauberhorn antreten, die drei Rennen sollen stattfinden. Am Sonntagmittag gab die Berner Gesundheitsdirektion grünes Licht, nach intensiven Diskussionen mit Vertretern des Wengener Organisationskomitees sowie von Swiss-Ski. Der Entscheid kam einigermassen überraschend, wer am Vorabend den Puls der Beteiligten gespürt hatte, hätte ihn doch eher andersrum erwartet.

Lauberhorn-Chef Urs Näpflin zeigte sich erleichtert, eine Absage hätte er als schockierend empfunden. Auf die Bevölkerung wirke der Beschluss der Kantonsärztin beruhigend, meinte er. «Nun dürfte allen klar sein, dass wir in Wengen nicht in einer extrem gefährlichen Zone leben.»

Viele Tests, auf eigene Kosten

Näpflin ist überzeugt, dass die Situation in anderen Skigebieten keineswegs besser ist. Wo viel getestet werde, gebe es nun mal auch mehr Fälle. «Wir haben enorm viele Tests durchgeführt. Bei den bisherigen Weltcuprennen in den letzten Wochen und Monaten war das nicht ansatzweise in diesem Ausmass gehandhabt worden.»

Wobei es festzuhalten gilt, dass die Rennen im Berner Oberland die ersten sind, an welchen der Weltcup-Tross mit Touristen in Berührung kommt. Bis anhin wurden alle Bewerbe quasi in Geisterstädten ausgetragen, nicht nur ohne Zuschauer, sondern auch ohne Gäste in Hotels und ohne Hobbyfahrer auf der Piste. Dies hatte Swiss-Ski veranlasst, das Sicherheitsdispositiv zu erhöhen. In den Wengener Hotels, in denen die Teams ab Montag logieren, wurde jeweils die ganze Belegschaft getestet. «Wir taten das auf eigene Kosten», sagt Alpinchef Walter Reusser.

In einem Hotel klagten diverse Angestellte über Symptome, bei vielen von ihnen wurde das Virus dann auch nachgewiesen. Von über 200 Proben in den anderen Gaststätten jedoch fielen nur noch deren 2 positiv aus. Das Prozedere wurde wiederholt, bei der zweiten Testreihe kam noch ein positives Ergebnis zum Vorschein.

Verantwortbare Ausgangslage

Für Swiss-Ski und dessen Partner sind die Wengener Rennen eine überaus wichtige Plattform. Den Vorwurf, etwas Unvernünftiges zu tun mit der Reise ins Bergdorf, entkräftet Alpinchef Reusser vehement. Die Ausgangslage sei verantwortbar. «Die Schutzkonzepte funktionieren.»

Die Berner Gesundheitsdirektion sieht das gleich, nach tiefgründiger Analyse, wie Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann erklärt. Eine Elefantenrunde sei es gewesen, alle relevanten Anspruchsgruppen inklusive Krisenstab des Kantons hätten sich ausgetauscht. Die Erkenntnisse überzeugten auch die Corona-Taskforce des Weltskiverbandes FIS, der unter anderen Bernhard Russi angehört.

Noch am Samstag hatte FIS-Rennchef Markus Waldner gesagt, man werde nichts tun, was die Durchführung der WM in Cortina d’Ampezzo (8. bis 21. Februar) gefährden könne. FIS-intern ist derzeit durchaus Anspannung zu spüren: In Adelboden war bekannt geworden, dass mit Mike Kertesz der Technical Operations Manager am Virus erkrankt ist. Als Materialkontrolleur stand er regelmässig in Kontakt mit den Athleten.

Slalom vor den Abfahrten?

Nun, nicht von der Hand zu weisen ist, dass die Gefahr einer Ansteckung im kleinen, engen Wengen grösser erscheint als in weitläufigeren Bergdörfern. Dem wollen die Beteiligten Rechnung tragen, indem sie die Standards nochmals verschärfen. Sämtliche Fahrer und Betreuer werden aller Voraussicht nach am Mittwoch nochmals zum Schnelltest antraben. Auch Medienschaffende müssen einen negativen Befund vorweisen, um die Akkreditierung zu erhalten.

Im Dorf soll es zwar keine Ausgangssperre geben, die sozialen Kontakte aber auf ein absolutes Minimum eingeschränkt werden. Die Teams werden sich so gut es geht von der Aussenwelt abriegeln. Für Touristen ist Skifahren nach wie vor erlaubt, das Skigebiet Wengen – Kleine Scheidegg – Lauberhorn ist für Private jedoch geschlossen. Auf die Strecke soll nur, wer unbedingt muss. Selbst Schulschliessungen sind eine Option. Reusser sagt denn auch: «Wengen wird eine Woche lang der sicherste Ort sein, um Skirennen durchzuführen. Ohne Zweifel.»

Sorgen bereitet dem Veranstalter allerdings noch immer etwas: das Wetter. Die Aussichten sind denkbar schlecht, reichlich Niederschlag wird erwartet. Denkbar ist, dass der Slalom vom Sonntag auf den Freitag vorverlegt wird und die beiden Abfahrten am Wochenende stattfinden. Eine Durchmischung von Slalom- und Abfahrern kann problemlos vermieden werden, da die einen in Grindelwald und die anderen in Wengen untergebracht sind.

49 Kommentare
    Hans Rohner

    Mehr als 50 Fälle seit Weihnachten und Herr Näpflin spricht von einer nicht extrem gefährlichen Zone. Ich meine das ist ein Hotspot und würde überall geschlossen.