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«America first» USA kaufen weltweite Bestände von möglichem Corona-Medikament auf

Weil die Trump-Regierung zahlreiche Dosen des vielversprechenden Corona-Medikaments aufgekauft hat, dürften die anderen Länder für die nächsten Monate das Nachsehen haben.

Begehrtes Medikament: In den nächsten drei Monaten sind die Remdesivir-Bestände ausgeschöpft.
Begehrtes Medikament: In den nächsten drei Monaten sind die Remdesivir-Bestände ausgeschöpft.
Foto: Amr Abdallah Dalsh (Reuters) 

Viele Länder dürften in den nächsten drei Monaten nur erschwert Zugang zum Corona-Medikament Remdesivir erhalten. Die Vereinigten Staaten haben fast die kompletten Bestände des eigentlich für Ebola entwickelten Medikaments, 500’000 Dosen, aufgekauft, wie das US-amerikanische Gesundheitsministerium am Dienstag bekannt gab.

US-Präsident Donald Trump habe einen «unglaublichen Deal» gemacht, heisst es in der Medienmitteilung. «Wir wollen so weit wie möglich sicherstellen, dass jeder amerikanische Patient, der Remedesivir benötigt, es bekommen kann. Die Trump-Administration tut alles in unserer Macht stehende, um mehr über lebensrettende Therapeutika für Covid-19 zu erfahren und den Zugang zu diesen Behandlungsoptionen für das amerikanische Volk zu sichern», lässt sich Alex Azar, Sekretär des Gesundheitsministeriums, in der Mitteilung zitieren.

Die USA sicherte sich somit fast die gesamte Produktionskapazität von Gilead bis im September, wie das Gesundheitsministerium schreibt. Das amerikanische Pharmaunternehmen besitzt die Patente für Remdesivir.

Das ursprünglich gegen Ebola entwickelte aber dabei gescheiterte Medikament gilt als Hoffnungsträger in der Behandlung von Covid-19-Patienten, vor allem bei schweren Fällen. In einer Studie verkürzte es die Zeit bis zur Genesung um vier Tage. Einige Länder setzen das Medikament bereits in Spitälern ein, darunter die USA, Japan und Südkorea. Aber auch die EU empfiehlt inzwischen den Einsatz von Remdesivir bei schweren Krankheitsverläufen.

«Stellt euch vor, das wäre ein Impfstoff»

International wird das Vorgehen der USA mit Sorge beobachtet. «Sie haben Zugang zum grössten Teil des Medikamenten-Bestandes an Remdesivir, es bleibt also nichts übrig für Europa», zitiert der «Guardian» Andrew Hill. Der Forscher der Universität Liverpool kritisiert, dass es noch keine Massnahmen zur geregelten Verteilung des Medikaments gebe. «Dies ist das erste grössere zugelassene Medikament (gegen Covid-19, Anm. d. Red.), und wo ist der Mechanismus für den Zugang?» Es fehlten Bestände ausserhalb der USA, sagte Hill.

Laut dem Forscher könnte dies bereits ein Vorgeschmack auf die Verteilung eines möglichen Corona-Impfstoffs sein. «Stellt euch vor, das wäre ein Impfstoff. Das würde einen riesigen Aufschrei geben», meint Hill.

Es ist nicht das erste Mal, dass Trumps «America first»-Policy in der Corona-Krise zum Einsatz kommt. Bereits im Mai wollte sich die US-Regierung den vorrangigen Zugang zu einem möglichen Corona-Impfstoff des französischen Pharmakonzerns Sanofi sichern. Deren Verwaltungsratspräsident Paul Hudson bestätigte entsprechende Meldungen sogar noch, bevor der Frankreich-Chef von Sanofi, Olivier Bogillot, dann aber zurückkrebste. Auch gegenüber dem Schweizer Pharmazulieferer Lonza machte die USA Druck, um exklusiven Zugang zu einem zukünftigen Impfstoff zu erhalten.

sho