«Ein Rassist, ein ekliger Propagandist»

Donald Trumps gestriger Personalentscheid ruft in den USA grosse Empörung hervor. Die Reaktionen.

Sorgte für grosse Kritik: Die Ernennung von Stephen Bannon zu Trumps Chefstrategen.

Sorgte für grosse Kritik: Die Ernennung von Stephen Bannon zu Trumps Chefstrategen.

(Bild: Keystone)

Donald Trump sorgte am Montag für einen riesigen Aufruhr in den USA. Der frisch gewählte, künftige US-Präsident ernannte Stephen Bannon zu seinem Chefstrategen und somit zu einem äusserst einflussreichen Mitglied seiner Regierung. Der demokratische Minderheitenführer im Senat, Harry Reid, hat Bannons Berufung über seinen Sprecher scharf kritisieren lassen: «Es ist ein Signal, dass weisse Rassisten in den höchsten Positionen in Trumps Weissem Haus vertreten sein werden.»

«Die schlimmsten Ängste werden wahr»

Bannon, dem Chef der als Rechtsaussen geltenden News-Plattform Breitbart, wird seit längerem vorgeworfen, Antisemitismus, Homophobie, Fremdenhass und Verschwörungstheorien zu verbreiten. Ein Beispiel wird immer wieder genannt: Vergangenen Juli, nach einem Anschlag in Bangladesh, berichtete Breitbart darüber – unter dem Titel: «Ramadan: Eine Zeit, um für Allah zu töten.»

Unmittelbar nach Bannons Ernennung brandete eine Welle des Protests durch die Vereinigten Staaten. Jon Lovett, früherer Redenschreiber für Barack Obama, twitterte beispielsweise: «Als ich die Nachricht sah, drehte sich mein Magen um. Damit werden die schlimmsten Ängste wahr. Mit einem weissen Nationalisten als Berater wird Trump nicht nur die Folgen seiner Rhetorik ignorieren – er wird das Land erschaudern lassen.»

Die Organisation Southern Poverty Law Center, die Extremisten in den USA beobachtet, schrieb laut der «Washington Post» in einem offenen Brief: «Bannon forciert auf aggressive Art und Weise Geschichten über Einwanderer und unterstützt, Minderheiten mit Terrorismus und Kriminalität gleichzusetzen.» Immer wieder wird der 62-Jährige mit dem Ku-Klux-Klan in Verbindung gebracht – dabei war eine Aussage von David Duke, einem ehemaligen KKK-Führer, wenig hilfreich. Gegenüber CNN nannte Duke Bannons Ernennung eine «exzellente Entscheidung».

Noch deutlicher wurde Neil Sroka, Kommunikationschef der Gruppe «Demokratie für Amerika»: Er sagte über den künftigen Chefstrategen im Weissen Haus: «Er ist ein ekliger, ethno-nationalistischer Propagandist.» Trump wurde mehrfach aufgefordert, seine Entscheidung rückgängig zu machen. Der «Guardian» zitiert beispielsweise Nihad Awad, Exekutivdirektor und Mitbegründer des «Council on American-Islamic Relations»: «Wir verlangen vom gewählten Präsidenten Trump, Bannons Nominierung zu überdenken, wenn er die Amerikaner wirklich wiedervereinen will.»

Ein Leninist

Aus dem Trump-Lager tönt es über Bannon freilich anders. Kellyanne Conway, eine Managerin der Präsidentschaftskampagne, verkündete am Montag: «Ich arbeitete eng mit Steve zusammen, und die Leute sollten sein Gesamtprofil betrachten. Er hat einen Harvard-Abschluss und ist ein brillanter Taktiker.» Und Breitbart selber veröffentlichte am Montag einen Artikel über Bannon. Der Titel: «Stephen K. Bannon: Freund der Juden, Verteidiger von Israel.»

Sich selbst bezeichnete Bannon einst als Leninist. «Lenin wollte den Staat zerstören, und das ist auch mein Ziel. Ich will, dass alles zusammenbricht, und ich will das heutige Establishment zerstören», habe er im Jahr 2014 gesagt, wie «The Daily Beast» schrieb. Diesen Kampf darf er nun aus dem Weissen Haus heraus weiterführen.

fas

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