Zum Hauptinhalt springen

Nobelpreis Literatur 2020Höchste Ehre für US-Autorin

Die Buchmacher hatten für dieses Jahr viele Frauen auf dem Zettel, mit der 77-jährigen Louise Glück hatten sie aber nicht gerechnet.

Die 77-jährige amerikanische Lyrikerin Louise Glück wird mit dem Literaturnobelpreis 2020 geehrt. Hier im Bild wurde sie 2016 von Barack Obama für die National Humanities Medal, die sie erhalten hatte, beglückwünscht.
Die 77-jährige amerikanische Lyrikerin Louise Glück wird mit dem Literaturnobelpreis 2020 geehrt. Hier im Bild wurde sie 2016 von Barack Obama für die National Humanities Medal, die sie erhalten hatte, beglückwünscht.
Foto: Carolyn Kaster (Keystone) 

Die US-amerikanische Autorin Louise Glück erhält den Nobelpreis für Literatur 2020. Das gab am Donnerstag die Schwedische Akademie in Stockholm bekannt. Buchmacher hatten in diesem Jahr besonders Frauen hohe Chancen ausgerechnet, darunter Margaret Atwood und Annie Ernaux. Dass nun aber Glück den Preis erhält, ist für viele Sachverständige doch eine Überraschung.

Die Lyrikerin wurde 1943 in New York geboren und ist Professorin für Englisch an der renommierten Yale University in New Haven, Connecticut. Ihr Debüt «Firstborn» veröffentlichte sie 1968. Sie hat zwölf Lyrik-Sammlungen veröffentlicht, ausserdem einige Essays über Lyrik. Im Jahr 1993 wurde sie mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Laut der Schwedischen Akademie ist Glücks schreiben ausgezeichnet durch aussergewöhnliche Klarheit und spielerische Intelligenz. Glücks Stimme sei unverwechselbar und aufrichtig und signalisiere, dass hier eine Autorin verstanden werden wolle. Ihr Schreiben sei auch voller Witz, obwohl das Motiv des Verlusts sich durch ihr ganzes Werk ziehe.

Sie erhalte die Auszeichnung für ihre unverkennbare poetische Stimme, die mit strenger Schönheit individuelle Existenz allgemeingültig mache, sagte Akademiesekretär Mats Malm. Die 77-Jährige Dichterin und Essayistin wurde in Europa mit ihren Gedichtbänden «Averno» (2007) und «Wilde Iris» (2008) bekannt.

Wirbel um Handke und #MeToo-Enthüllungen

Im vergangenen Jahr waren zwei Literaturnobelpreise vergeben worden: an die polnische Autorin Olga Tokarczuk für 2018 und an den österreichischen Dramatiker Peter Handke für 2019. Die Auszeichnung für Peter Handke sorgte für einigen Wirbel und gilt bis heute als umstritten. Eine bereits in den Neunzigerjahren hart geführte Debatte um Handkes Parteinahme für die serbischen Nationalisten im Bosnienkrieg, seine Relativierung ihrer Kriegsverbrechen, flammte durch die Ehrung sofort wieder auf.

Louise Glück bei einer Ehrung.
Louise Glück bei einer Ehrung.
Foto: Keystone/EPA/SHAWN THEW

2018 hatte ein Skandal in der Schwedischen Akademie dazu geführt, dass die Preisvergabe ausgesetzt wurde. Bereits im November 2017 hatten 18 Frauen im Zuge der #MeToo-Enthüllungen Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung und Übergriffen gegen Jean-Claude Arnault vorgebracht, den Ehemann der Akademie-Jurorin Katarina Frostenson.

An den Tagen zuvor wurden die Nobelpreise in den Sparten Medizin, Physik und Chemie vergeben. Diese sind pro Kategorie mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 1'030'000 Franken) dotiert.

Offiziell gewürdigt werden die Nobelpreisträger traditionell am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel. Die prunkvollen Preiszeremonien, auf denen die Geehrten dann üblicherweise ihre Medaillen und Diplome erhalten, finden in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht statt.

Die Preisverleihung im Konzerthaus von Stockholm soll durch eine im Fernsehen übertragene Vergabe im Rathaus der Stadt ersetzt werden, auf der die Preisträger aus ihrer Heimat zugeschaltet werden sollen.

sz.de/sda/red

19 Kommentare
    R. Benz

    Scheint fast so, als hätte die Frau nicht nur den richtigen Namen, sondern auch die richtigen Beziehungen. (Bild oben: 2016 mit BO)