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Sweet Home: Afrikanisches DesignUnterwegs als Kunstspion in Afrika

Olivier Chow zeigt in seiner Galerie «Foreign Agent» innovatives Design und Kunst, die er in Afrika und auf der ganzen Welt entdeckt.

Seit ein paar Monaten gibt es in Lausanne, Ouchy, eine neue Galerie, die Foreign Agent heisst. Als «Agent für auswärtige Angelegenheiten» und «Art Spy» sucht und findet Olivier Chow vor allem in Afrika aber auch in anderen Ländern ausserordentliche und wunderschöne Kunstwerke und Designobjekte. Die Grenzen sind dabei verwischt, denn Kunst und Design kommen sich immer näher.

Der Sessel «Beauty in the Eye of the Beholder» (2020) ist von Yinka Ilori (UK/Nigeria). Er ist aus Fiberglas, der Kissenstoff ist von Raf Simmons für Kvadrat. Auf der rechten Seite hängt das Bild «Malcolm X» (2020) von O'Maurice Mboa (Kamerun/Schweiz), Acryl auf Metall, und links «Pop Culture and Memorabilia» (2020) von Wole Lagunju (Nigeria/US), Acryl auf Leinwand.
Der Sessel «Beauty in the Eye of the Beholder» (2020) ist von Yinka Ilori (UK/Nigeria). Er ist aus Fiberglas, der Kissenstoff ist von Raf Simmons für Kvadrat. Auf der rechten Seite hängt das Bild «Malcolm X» (2020) von O'Maurice Mboa (Kamerun/Schweiz), Acryl auf Metall, und links «Pop Culture and Memorabilia» (2020) von Wole Lagunju (Nigeria/US), Acryl auf Leinwand.
Foto: Foreign Agent

Olivier Chows Weg zu seiner Galerie führte nicht über den Glanz und Glamour der internationalen Kunstwelt, sondern über die Chicken Street in Kabul. Bevor er letzten Dezember seine Galerie Foreign Agent in Lausanne eröffnete, arbeitete er 20 Jahre für das IKRK, das Internationale Komitee des Roten Kreuz. Seine Arbeit brachte ihn unter anderem nach Ruanda, Südafrika und Afghanistan. In seinem Berufsalltag kümmerte er sich um Kriegsgefangene und war spezialisiert auf Folteropfer.

Olivier Chow vor seiner Galerie «Foreign Agent» in Lausanne, Ouchy.
Olivier Chow vor seiner Galerie «Foreign Agent» in Lausanne, Ouchy.
Foto: Teo Nos

Ablenkung fand Olivier Chow in seiner Liebe, schöne Dinge zu entdecken. So erzählt er mir, wie er in seiner Freizeit zum Beispiel durch die Chicken Street in Kabul spazierte und dort Teppiche oder traditionelle Kunst aufspürte. Die Liebe, das Auge und das Gespür dafür bekam er bereits in seiner Kindheit mit auf den Weg, seine Eltern sind beide Künstler. Sein Vater kommt ursprünglich aus Hongkong und sein Grossvater sammelte traditionelle chinesische Kunst.

Links steht die Garderobe «Cactus», in der Mitte  die Leuchte «Barb Light» (2019) und rechts der Raumteiler «Soldier Screen» mit handgewobenen Elementen. Alles ist von Dokter und Misses aus Südafrika und aus dem Jahre 2019.
Links steht die Garderobe «Cactus», in der Mitte die Leuchte «Barb Light» (2019) und rechts der Raumteiler «Soldier Screen» mit handgewobenen Elementen. Alles ist von Dokter und Misses aus Südafrika und aus dem Jahre 2019.
Foto: Foreign Agent

Neues afrikanisches Design verbindet Dekoration, Pop und Lebensfreude mit Kunsthandwerk, Recycling oder Upcycling. Man entdeckt Elemente, die an Art Déco denken lassen, da sich im Art Déco bekanntlich viele Künstler von der afrikanischen Volkskunst inspirieren liessen. Andere Objekte erinnern an die poppigen Objekte der Memphis Bewegung aus den 80er Jahren, welche ja wiederum Parallelen zum Art Déco zeigte.

Der Stuhl «Dogon» und das Sideboard «Gold» sind beide aus recycelten Ölfässern von Hamed Ouattara aus Burkina Faso (2019). Der Topf «Namib» auf dem Möbel ist edle Keramik mit goldenem Boden aus Südafrika.
Der Stuhl «Dogon» und das Sideboard «Gold» sind beide aus recycelten Ölfässern von Hamed Ouattara aus Burkina Faso (2019). Der Topf «Namib» auf dem Möbel ist edle Keramik mit goldenem Boden aus Südafrika.
Foto: Foreign Agent

Recycling und Upcycling spielen im kreativen Schaffen in Afrika eine bedeutende Rolle. So werden ganz selbstverständlich ausgediente Alltagsdinge zu neuen Designstücken. Dieser unbeschwerte Umgang mit dem Gegebenen ist nicht einfach eine Trenderscheinung wie im Westen, sondern gehört schon lange in die afrikanische Kultur. So entstehen Möbel aus Ölfässern, Plastikkanister werden zu Designelementen oder Weggeworfenes zu poppigen Plastiken.

Das handbemalte Möbel ist ein Einzelstück von Dokter und Misses aus Südafrika. Daneben steht eine elegante Leuchte auf einem Betonfuss von den selben Designern, beides sind Kreationen aus dem Jahre 2019.
Das handbemalte Möbel ist ein Einzelstück von Dokter und Misses aus Südafrika. Daneben steht eine elegante Leuchte auf einem Betonfuss von den selben Designern, beides sind Kreationen aus dem Jahre 2019.
Foto: Foreign Agent

Die auserwählten Objekte und Werke in der Galerie Foreign Agent zeigen die grosse Liebe des Galeristen zu Kunst und Design. Sie strahlen Lebensfreude aus, zaubern ein Lächeln ins Gesicht und bringen ein bisschen Hoffnung, Ablenkung und Glück in eine Welt, die nicht immer einfach ist. Oliver Chow kennt die Künstler und auch die Orte, aus denen sie kommen und die ihr Schaffen prägen.

Im Zentrum einer Ausstellung von diesem Sommer, die «AfroPopPowertrip» hiess, steht der Sarg «Walkmen Fantasy» (2019) von Paa Joe (Ghana) auf einem Teppich aus traditionellem Capulana-Stoff aus Mozambique.
Im Zentrum einer Ausstellung von diesem Sommer, die «AfroPopPowertrip» hiess, steht der Sarg «Walkmen Fantasy» (2019) von Paa Joe (Ghana) auf einem Teppich aus traditionellem Capulana-Stoff aus Mozambique.
Foto: Foreign Agent

Wichtige Themen für Olivier Chow sind Afropop und Africolor, die Geschichten, welche die Kunstschaffenden mit ihren Werken erzählen und natürlich die Freude an schönen Dingen, die auch Lebensfreude bedeutet. In der Galerie finden regelmässig neue Ausstellungen statt und dabei werden auch Künstler und Kreative vorgestellt, die es sich lohnt, kennenzulernen.

Eine spannende Kollaboration ist Oliver Chow mit dem in London lebenden britisch-nigerianischen Designer Yinka Ilori eingegangen. Seine Designwelt ist farbenfroh und humorvoll. Seine erste Fiberglas-Kollektion «Beauty» hat Olivier Chow gerade bei Foreign Agent vorgestellt.

Yinka Ilori hat dabei eine einfache Recycling-Idee veredelt und salonfähig gemacht. Dabei hat er eine Bank aus Plastikkanistern und einem Brett chic in Fiberglas und Stoff umgesetzt.

Mit der Galerie hat er sich einen Traum erfüllt, seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und einen Weg gefunden, nach seinen Vorstellungen etwas Eigenes zu machen. Neben grösseren Werken findet man auch Kleines, Handwerk für den Alltag, Accessoires und Geschenke, die alle von Künstlern und Designern in kleinen Manufakturen in Afrika hergestellt werden. Sie finden Foreign Agent an der Avenue Ouchy 64 in Lausanne.

Bei Foreign Agent findet man auch einen kleinen Konzeptshop: Little Agent. Olivier Chow nennt ihn den kleinen Bruder der Galerie und er ist voller hübscher und cooler Dinge von unterschiedlichen Brands, wie etwa dieser orange Fez Hut aus Filz (80 Fr.).

Auch südafrikanische Maxhosa-Socken (25 Fr.) mit bunten Mustern sind zu finden. Sie liegen hier auf einem Mescla-Teppich (gross 1100 Fr., klein 700 Fr.) aus Mozambique, der aus traditionellem Capulana-Stoff handgeknüpft ist.

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