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Ohne Biss in der KriseUntätige Zahnärzte tun Straumann weh

Die Corona-Krise hat den Basler Straumann-Konzern schwer erwischt. Wegen Wertberichtigungen kommt es nach sechs Monaten zu einem Verlust.

Straumann soll schon bald wieder glänzen. Für Analysten ist die aktuelle Baisse nicht von Dauer.
Straumann soll schon bald wieder glänzen. Für Analysten ist die aktuelle Baisse nicht von Dauer.
Foto: Straumann

«Straumann leidet stark unter der Corona-Krise, und es ist unklar, wann die Normalität zurückkehrt», schreiben die Analysten der Zürcher Kantonalbank nach der Publikation des Semesterergebnisses. Etwas positiver beurteilt Bank Vontobel die Situation. Hier werden die neusten Zahlen als ermutigend erachtet. Die Nachfrage scheine sich schneller zu erholen, als man dies vor einigen Monaten gedacht hätte. «Dank diverser Wachstumsinitiativen und einer zum Teil recht schwachen Konkurrenz», so Bank Vontobel, «dürfte Straumann gestärkt aus der aktuellen Krise hervorgehen.»

«Während des Lockdown verzeichneten wir Umsatzeinbussen von fast 70 Prozent.»

Guillaume Daniellot, CEO von Straumann

Tatsächlich hat das Basler Medizintechnik-Unternehmen nach Ausbruch der Pandemie rasch gehandelt. Rund 10 Prozent oder 60 Stellen werden am Basler Hauptsitz abgebaut. Weltweit sind es 660. Vor Beginn der Corona-Krise hatte der Konzern noch mit Wachstum gerechnet und den Personalbestand um 600 Stellen aufgestockt. Als Folge von verschiedenen Massnahmen rechnet Straumann für das laufende Jahr mit Einsparungen von 15 Millionen Franken, im Folgejahr werden es vor allem aufgrund der Entlassungen doppelt so viele sein.

Unter dem Strich resultierte für die ersten sechs Monate des laufenden Jahrs ein Verlust von 93,7 Millionen Franken. In der Vergleichsperiode des Vorjahrs hatte es noch einen Gewinn von 146,5 Millionen Franken gegeben. Vor allem Wertberichtigungen und Sondereffekte sind dafür verantwortlich. Der Umsatz sank auf 605 von 780 Millionen Franken.

Für Guillaume Daniellot, der Marco Gadola zu Jahresbeginn an der Spitze des Unternehmens abgelöst hatte, ist der Start wegen Covid-19 schwierig verlaufen. Die Aktien der erfolgsverwöhnten Medizinaltechniker kamen im Verlauf der Pandemie unter die Räder, erholten sich dann wieder zügig, verloren aber nach Bekanntgabe des Semesterergebnisses erneut an Boden.

Erholung im Mai

«Während des Lockdown verzeichneten wir Umsatzeinbussen von fast 70 Prozent», sagt Daniellot. In den USA sank der Umsatz gar um 81 Prozent. Viele Zahnarztpraxen blieben für längere Zeit geschlossen. Erst im Mai habe eine Erholung eingesetzt, sagte er. Erfreulich sei, dass das Kerngeschäft mit den Implantaten nach wie vor rentiere.

Der Wirtschaftsraum Europa, Naher Osten und Afrika (Emea), als wichtigste Region, hat inzwischen wieder deutlich Fahrt aufgenommen. Deutschland als grösstes Land dieses Wirtschaftsraums profitierte von einem starken Aufschwung im Juni. Der Grund liegt gemäss Daniellot im Nachholbedarf wieder geöffneter Praxen. Trotz dieser guten Nachrichten verzichtet Straumann auf eine Prognose für das ganze Jahr.