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Ex-Formel-1-Chef EcclestoneUnd dann lobt er auch noch Hitler

Trump, Putin und plumpe Witze über Frauen: Bernie Ecclestone sorgte schon oft für grossen Aufschrei. Der 89-Jährige tut das auch in der Rassismus-Debatte.

Geschickt und gewieft im Geschäft, ungelenk und unsensibel in gesellschaftlichen Fragen: Mit Voten über die Rassismus-Debatte sorgt der einstige Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone (im Bild 2010 bei einer Feier zu seinem 80. Geburtstag) wieder einmal für Furore.
Geschickt und gewieft im Geschäft, ungelenk und unsensibel in gesellschaftlichen Fragen: Mit Voten über die Rassismus-Debatte sorgt der einstige Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone (im Bild 2010 bei einer Feier zu seinem 80. Geburtstag) wieder einmal für Furore.
Foto: Imago

Bernie Ecclestone wird im Oktober 90. Und in den nächsten Wochen Vater eines Buben. Drei Ehen, zwei Scheidungen, drei Töchter und nun also auch noch ein Sohn zusammen mit der 44-jährigen Brasilianerin Fabiana Flosi, mit der er in seinem Millionen-Chalet in Gstaad auf die Entbindung wartet. In einer Lebensphase, in der andere an den endgültigen Abschied denken. Verantwortungslos nennen das einige. Ecclestone ist es egal. Wie ihm schon immer egal war, was andere von ihm denkener beweist es gerade in diesen Tagen wieder.

2017, nach über 40 Jahren als Zampano der Formel 1, musste er seinen Posten räumen, weil die neuen Besitzer von Liberty Media andere Pläne hatten. Still aber ist es nie geworden um ihn. Dafür sorgte er schon selber, mit Skandalen und streitbaren Aussagen.

Etwa, als das Verfahren gegen ihn wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue beim Gerichtsprozess in München 2014 gegen eine Zahlung von 100 Millionen US-Dollar eingestellt wurde.

Das «Rassismus-Ding»

Derzeit ist Ecclestone ein gefragter Mann, weil er sich in einem Interview mit der CNN zur Anti-Rassismus-Bewegung «Black Lives Matter» äussertein einer ihm eigenen, saloppen, undiplomatischen, kruden Art. So geschickt, gewieft und schlitzohrig Ecclestone in geschäftlichen Belangen stets war und es deshalb auf ein Vermögen von rund 3 Milliarden Franken brachte, so ungelenk und unsensibel äussert er sich zu gesellschaftlichen Fragen. «In vielen Fällen sind schwarze Menschen rassistischer als weisse», sagte er da also unter anderem. Und das in einer Zeit, in der sich die Debatte um strukturellen Rassismus in den USA und Europa dreht, um Gleichstellung der Schwarzen gegenüber den Weissenoder nur schon weniger Ungleichbehandlung.

«Schwarze sollten auf sich selber aufpassen.»

Dass die Formel 1 ein Zeichen setzen will, indem sie am Wochenende beim Auftakt in Spielberg die Kampagne «We Race As One» lanciert, «wir fahren als Einheit», und deshalb Regenbogen an Autos und Strecke anbringen lässt, kann Ecclestone auch nicht verstehen. «Alle, die in den Sport involviert sind, können als kleine Gruppe sehr wenig bewegen. Mich überrascht, dass sich einige Teams darüber Sorgen machen.»

Freunde werden sie kaum mehr: Bernie Ecclestone mit Lewis Hamilton, dem Superstar der Formel 1 und Gesicht der Bewegung «Black Lives Matter».
Freunde werden sie kaum mehr: Bernie Ecclestone mit Lewis Hamilton, dem Superstar der Formel 1 und Gesicht der Bewegung «Black Lives Matter».
Foto: Keystone

Die Formel 1 distanzierte sich und betonte, dass Ecclestone längst keine Funktion mehr innehabe und nicht einmal mehr Ehrenpräsident sei.

Nun bekam Ecclestone die Chance auf Wiedergutmachung. Er sprach am Wochenende mit der «Mail on Sunday» – und irgendwie machte es das Ganze auch nicht besser. Die Formel 1 springe jetzt «plötzlich auf dieses Rassismus-Ding» auf, sagte er dort. Und zu den Protesten in den USA: «Jetzt gehen die Leute zu diesen Demonstrationen, die von Quasi-Marxisten organisiert werden, die die Polizei stürzen wollen, was eine Katastrophe für das Land wäre. Würden Sie die Leute fragen, für was sie genau protestieren, wüssten es die meisten wahrscheinlich nicht.»

Und, sagte er dann auch noch: «Es ist nicht meine Schuld, dass ich weiss bin und etwas kleiner als andere Männer. Ich wurde in der Schule Zwerg genannt. Mir wurde klar, dass ich etwas dagegen tun musste. Schwarze sollten auf sich selber aufpassen.» Die Aussagen passen in eine Reihe von verbalen Entgleisungen, die sich Ecclestone immer wieder erlaubte.

Seine Vorliebe für «starke Führungspersönlichkeiten»

Die heftigste leistete er sich 2009 in einem Gespräch mit der Londoner «Times». Adolf Hitler, schwadronierte Ecclestone, «konnte viele Menschen führen und etwas auf die Beine stellen». Hitler sei aber «kein guter Diktator» gewesen, weil er sich nicht habe halten können. Oder: «Entweder er wusste, was da geschieht, und er bestand darauf, oder er nahm es nur hin.» Ecclestone ging es vor allem darum, seine Vorliebe für «starke Führungspersönlichkeiten» zum Ausdruck zu bringen. Demokratie dagegen halte er für fehlerhaft, «sie hat in vielen Ländern nicht viel Gutes gebracht».

Trump? «Er macht einen Superjob, hat Ideen und setzt sie um.»

Der Wirbel war gewaltig. Doch viel gelernt daraus scheint Ecclestone nicht zu haben. Jüngst sagte er dem Magazin «Autocar»: «Als Hitler in den 1930er-Jahren übernommen hat, ging eindeutig etwas weiter, was beeindruckend war. Krankenhäuser, Züge und so weiter. Was er sonst noch getan hat, war aber offensichtlich verrückt und falsch.»

Im gleichen Interview lobte er auch Donald Trump: «Er macht einen Superjob, hat Ideen und setzt sie um.» Und über seinen «guten Kumpel» Wladimir Putin: «Er verdient seine Reputation als schwierig nicht.»

Mögen und schätzen sich: Ecclestone mit Russlands Präsident Wladimir Putin.
Mögen und schätzen sich: Ecclestone mit Russlands Präsident Wladimir Putin.
Foto: Keystone

Als der russische Präsident im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 mit seiner Haltung gegenüber Homosexuellen für Aufruhr sorgte und sagte, sie könnten sich zwar «wohlfühlen» in Sotschi, sollten aber «die Kinder in Frieden lassen», stärkte ihm einer den Rücken: Bernie Ecclestone. «Er hat nie gesagt, dass er gegen Homosexuelle ist, sondern nur, dass er diese Dinge nicht an ein minderjähriges Publikum verbreiten will. Ich stimme dieser Meinung vollkommen zu.»

Die plumpen Frauen-Witze

Nun wird Briten ein spezieller Humor nachgesagt, ein mitunter herrlich schwarzer. Ecclestone mag es auch plumper. Und gegen Frauen gerichtet. Als er einst auf die IndyCar-Fahrerin Danica Patrick angesprochen wurde, sagte er: «Frauen sollten ganz in Weiss gekleidet seinwie die übrigen Haushaltsgeräte.»

«Bestenfalls ist eine Frau schwarz, gut aussehend, vorzugsweise jüdisch oder muslimisch und spricht Spanisch.»

Im Anschluss, immerhin das, entschuldigte er sich bei der US-Amerikanerin per Telefon. Um kurz darauf den dümmlichen Spruch zu wiederholen und sich erneut zu entschuldigen. Schliesslich wollte er Patrick unbedingt in der Formel 1 fahren sehen. Dazu ist es bis heute nicht gekommen.

Im Jahr 2000 schon sagte er zu einer möglichen Quotenregelung für Frauen in der Wirtschaft: «Bestenfalls ist eine Frau schwarz, gut aussehend, vorzugsweise jüdisch oder muslimisch und spricht Spanisch.»

Bernie Ecclestone sagte am Sonntag in der «Mail on Sunday», er sei froh, dass sich nun die Formel 1 und deren Chef Chase Carey von ihm distanziert hätten, «so kann man mich auch nicht mit all den Dingen in Verbindung bringen, die sie nicht hinkriegen». Derzeit sind es wohl vor allem die Verantwortlichen der Formel 1, die froh sind, wenn sie nicht mit dem 89-jährigen Bald-Jungvater in Verbindung gebracht werden.