Zum Hauptinhalt springen

«Altbacken» mit Schoggi-AmarettiÜber den Wolken der Kirsch

Adrian Dort wollte eine Spezialität erschaffen, die sein Geschäft zum Laufen bringen würde. Nach 22 Jahren sind seine Amaretti immer noch da – auch solche mit Baileys.

Altbacken: Schoggi-Amaretti Kirsch und Baileys.
Altbacken: Schoggi-Amaretti Kirsch und Baileys.
Foto: Beat Mathys

Die Überraschung trifft einen doppelt: Einerseits haben es diese Amaretti wirklich in sich, Kirsch-technisch. Da kann jedes Kirschstängeli einpacken – denn in besagten Amaretti kommt der Geschmack einfach besser zur Geltung. Und da ist neben dem Schokoladenüberzug eine Creme. Eine luftige, süsse, göttliche Masse. Man rechnet nicht mit ihr, und sie fühlt sich an, als ob man in Wolken beissen würde. Und kann gar nicht mehr aufhören damit.

Es ist deshalb lustig, dass Adrian Dort noch den Himmel erwähnt: In der gleichnamigen Confiserie in Baden hat er einst gelernt. Dann erfüllte er sich einen Traum und übernahm das Café Alexander in Fislisbach AG, mittlerweile steht auch in Berikon eine Filiale. Damals, mit 25, fand Dort, er müsse eine Spezialität erschaffen. Und er machte Amaretti. Mit seinen Gerätschaften, die er mit zusammengekratztem Geld erstanden hatte oder geschenkt bekam. Und das Rezept ist immer noch das gleiche wie vor 22 Jahren. Seine Mitarbeiter kennen es, es sei kein Geheimnis, sagt er. Aber ein paar Tricks gebe es natürlich schon zu beachten, und die erzähle er nicht einfach so herum.

Die Kundschaft kommt zum Teil von weit her, um die Amaretti zu kaufen. Ein Holländer zum Beispiel bestellt jährlich im Voraus zwei, drei Kilo, um sie dann abzuholen, in der Kühlbox in sein Land zu fahren und an seine Freunde zu verteilen.

Alles anders? Nein

Der himmlische Kirschgeschmack war manchen fast ein bisschen zu viel. Und so schuf Adrian Dort noch eine andere Version von Amaretti, mit Baileys. Etwas leichter schmeckt sie, ein Hauch von Whisky ist auszumachen, aber eben nur dezent.

Ungefähr 20 Kilo Amaretti in der Woche stellt die Confiserie Alexanders, wie sie jetzt heisst, her. Mehr nicht, es sei denn, die Saison verlangt es; so sind die kleinen Wölkchen immer frisch. Adrian Dort hat auch schon anderes ausprobiert, Amaretti mit Zimt- oder Vanillegeschmack etwa, aber seine Kundschaft greift trotzdem immer auf das Altbewährte zurück und ignoriert sein Wortspiel: Dort streicht das «anders» in seinem Firmennamen Alexanders heraus. Und doch ist hier nicht «alles anders», sondern eher «alles gleich». Kirsch und Baileys und jene Spezialität, die der Confiseur vor Jahrzehnten kreiert hat, um sein Geschäft zum Laufen zu bringen.

Das Rezept ist seit 22 Jahren dasselbe.
Das Rezept ist seit 22 Jahren dasselbe.
Foto: Beat Mathys

In der Serie «Altbacken» stellen wir Bäckereien vor, die vom Aussterben bedrohte Backwaren herstellen oder historisch versiert backen. Wir freuen uns über Tipps.

4 Kommentare
    Sari De Stella

    Die Amaretti sind keine Erfindung von Herrn Alexander Dort...sie existieren bereits seit Ende 1700 in Italien....wer die Kirsch-Amaretti erfunden hat weiss ich nicht aber diese habe ich schon vor 50 Jahren im Tessin genossen...