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Angeblicher Wahlbetrug Trump und Republikaner machen Pöstler zum Gesicht des Widerstands

Immer wieder tauchen Personen auf, die Beweise für eine mutmassliche Wahlmanipulation haben wollen. Jüngstes Beispiel: Ein Postangestellter aus Pennsylvania, den der US-Präsident als «mutigen Patrioten» bezeichnet.

Einer von mehreren angeblichen Whistleblowern der Enthüllungsplattform Project Veritas: Der Pöstler Richard Hopkins.
Einer von mehreren angeblichen Whistleblowern der Enthüllungsplattform Project Veritas: Der Pöstler Richard Hopkins.
Foto: Twitter 

Ein Angestellter des US-Postunternehmens USPS sorgt derzeit für ordentlich Wirbel in den US-Medien – insbesondere auf republikanischer Seite. Seine Geschichte ist für US-Präsident Donald Trump nur ein weiteres Beweisstück für die angebliche Manipulation der diesjährigen Wahlen.

Konkret will Richard Hopkins aus der Stadt Erie in Pennsylvania aus einem Gespräch zweier Vorgesetzter herausgehört haben, wie diese einen Wahlzettel rückdatieren wollten, der zu spät verschickt worden war. Das oberste Gericht in Pennsylvania hatte vor den Wahlen am 3. November beschlossen, dass Wahlzettel bis zu drei Tage nach dem Wahltag noch akzeptiert werden müssen, sofern sie an besagtem Datum versendet wurden. Nach einer Klage des Trump-Teams wurden die Wahlzettel jedoch von den anderen getrennt, um eine gerichtliche Anfechtung des Wahlergebnisses zu ermöglichen.

Der Leiter des Postamts in Erie, Robert Weisenbach, soll gemäss Hopkins einer dieser Vorgesetzten gewesen sein. Er wies die Vorwürfe seines Angestellten in einer Mitteilung entschieden zurück. Die Anschuldigungen seien «zu 100 Prozent falsch» und von einem Mitarbeiter gemacht worden, der in der Vergangenheit bereits mehrfach diszipliniert worden sei. «Das Postamt in Erie hat keine Wahlzettel rückdatiert», schrieb Weisenbach.

Bei den Republikanern rannte Hopkins mit seinen Aussagen offene Türen ein. US-Präsident Donald Trump bezeichnete ihn auf Twitter als «mutigen Patrioten».

Gegenüber Untersuchungsbeamten der US-Post war Hopkins kurz darauf jedoch selbst zurückgerudert. Er meinte, seine Behauptungen seien auf «Vermutungen» zurückzuführen, die er aufgestellt habe, nachdem er Ausschnitte von Gesprächen der Mitarbeiter in der Poststelle aufgeschnappt habe. Danach gefragt, ob er bei seinem Vorwurf der Wahlmanipulation bleibe, soll er gemäss der «Washington Post» gesagt haben: «Unter diesen Umständen? Nein.» Ein Kongressausschuss der Demokraten bestätigte, dass Hopkins seine Vorwürfe widerrufen habe.

Damit ist die Geschichte jedoch noch nicht zu Ende. In einem Video auf Twitter dementierte der 32-Jährige die Meldung, er habe seine Behauptungen zurückgezogen. «Ich bin hier, um zu sagen, dass ich meine Vorwürfe der Wahlmanipulation nicht widerrufen habe. Das ist nicht passiert», meinte Hopkins mit Verweis auf den Artikel der «Washington Post».

Enthüllungsplattform hatte Verhör aufgezeichnet

Hopkins ging vergangene Woche als anonymer Whistleblower über die konservative Enthüllungsplattform Project Veritas an die Öffentlichkeit. Hopkins Identität wurde schliesslich publik, nachdem der Pöstler eine eidesstattliche Erklärung für das Wahlkampfteam von Trump unterzeichnet und damit seine Betrugsvorwürfe bekräftigt hatte. Inzwischen ist bekannt geworden, dass Project Veritas diese Erklärung selbst verfasst hatte.

Die Enthüllungsplattform hatte Hopkins nach eigenen Angaben vor dem Interview mit den Untersuchungsbeamten der Post verkabelt. Die angeblich volle Aufzeichnung ist auf Youtube zu finden. Project Veritas wurde in der Vergangenheit allerdings immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert, Videos manipuliert und gezielt Falschinformationen verbreitet zu haben.

Der Rechtsberater der Plattform, Jared Rede, wirft den Beamten im Fall Hopkins vor, diesen zum Umschwenken genötigt zu haben. «Dies ist eine einer Bananenrepublik ähnelnden Unterdrückungstaktik aus der Sowjet-Ära, wie ich sie noch nie zuvor gesehen habe», meinte Ede gegenüber der «Washington Times». Er sei von den Beamten «reingelegt» worden, sagte auch Hopkins, welcher inzwischen von der Arbeit beurlaubt wurde.

Nur zwei Wahlzettel vom 3. November von Poststelle bearbeitet

Im Bundesstaat Pennsylvania liegt Trumps Herausforderer Joe Biden mit 0,9 Prozentpunkten vorne, was knapp 60’000 Stimmen entspricht. Darin sind die rund 10’000 Wahlzettel, die nach dem 3. November eintrafen und vom Rest getrennt wurden, nicht enthalten.

Die Auszählung ist noch nicht abgeschlossen. Der Nachrichtensender CNN hatte bereits am Samstag vorausgesagt, dass der Demokrat das Rennen in Pennsylvania machen wird und somit die US-Wahlen gewinnt.

Ob die Ermittlungen der Post in Erie etwas am Wahlergebnis ändern werden, bleibt anzuzweifeln. Die lokale Tageszeitung «Erie Times-News» hat 129 Wahlzettel untersucht, die spät bei den Wahlbehörden ankamen, jedoch auf den 3. November datiert waren. Von diesen Wahlzetteln waren gemäss der Zeitung gerade einmal zwei Briefe in der Postfiliale bearbeitet worden, wo Hopkins arbeitet. Ein Grossteil ging über andere Poststellen inner- und ausserhalb des Bundesstaates.

Project Veritas hat in der Zwischenzeit jedoch einen neuen angeblichen Whistleblower gefunden: ein anonymer Postangestellter im Bundesstaat Pennsylvania, der behauptet, sein Vorgesetzter habe ihn angewiesen, keine Wahlzettel mit Stimmen für Trump mehr zu bearbeiten.

37 Kommentare
    Rudolf Suter

    Wenn ein simpler Briefträger als einziger Hauptzeuge für Wahlmanipulation vorgeführt wird, dann gute Nacht Herr Trump... Soviel Dummheit grenz ja schon fast an Hochverrat...