Zum Hauptinhalt springen

Vierspurausbau am Bahnhof LiestalTrotz Corona geht es zügig voran

Spätestens im September soll die Oristalunterführung wieder frei befahrbar sein.

Grossbaustelle Liestal: Derzeit wird der Burggraben für zwei weitere Gleise verbreitert.
Grossbaustelle Liestal: Derzeit wird der Burggraben für zwei weitere Gleise verbreitert.
Foto: Pino Covino

Es ist eine Mischung aus Lärm, Verkehrsbehinderung und Zukunftshoffnung. Bis 2025 entsteht in Liestal ein neuer Bahnhof und eine vierte Gleis-Spur. «Die Dimensionen der Gleiserweiterung und der dafür notwendigen Baumassnahmen werden für die Öffentlichkeit zunehmend sichtbar», sagt Thomas Noack, Bereichsleiter im Liestaler Stadtbauamt und vonseiten der Stadt für den Vierspurausbau der Bahngleise im Baselbieter Kantonshauptort zuständig. Ein Ende der Arbeiten im Bereich der Oristalunterführung sei heute absehbar, ein erster Rampenaufgang zu den Gleisen sichtbar.

Die neuen Personenunterführungen werden im Liestaler Bahnhof die bestehenden Unterführungen ersetzen und behindertengerecht sein. «Einen kleinen Vorgeschmack auf den Endausbau», nennt es Noack. Die erste Etappe der Seltisbergbrücke ist abgeschlossen und werde demnächst dem Verkehr übergeben.

SBB-Mediensprecher Reto Schärli bezeichnet die Personenunterführung Oristal als «nächsten wichtigen Meilenstein». Für den Bau des südseitigen Zugangs wird der entsprechende Zugang zur bestehenden Unterführung bis Mitte 2021 gesperrt. Er wird ersetzt durch einen provisorischen Zugang zum Perron. Auch der südliche Zugang der neuen Personenunterführung Sichtern ist im Bau. (Hier kann das Projekt verfolgt werden: www.sbb.ch/liestal)

Bevölkerung zieht offenbar mit

«Konkrete Anliegen bringen wir in die regelmässigen Bausitzungen mit den SBB ein und suchen dort nach möglichen Lösungen», sagt Thomas Noack, der wie Reto Schärli von einem guten Einvernehmen mit den Anwohnern spricht. Es seien kaum Reaktionen eingegangen. «Wir sind sehr froh», so Noack, «dass die Bevölkerung das Ausbauprojekt und die damit einhergehenden Einschränkungen bisher sehr verständnisvoll mitträgt.»

Alle Liestaler Haushalte würden im Rhythmus von drei Monaten mit einem Schreiben über die anstehenden Arbeiten informiert, sagt Reto Schärli. In den betroffenen Quartieren kämen zudem Flyer zum Einsatz. Ein geplanter Infoanlass muss jedoch wegen Corona bis auf weiteres warten. «Alles in allem sind wir überzeugt, dass der Nutzen dieser Bundesinvestitionen im Umfang von 380 Millionen Franken die Einwohnerinnen und Einwohner sowie Liestal als Wirtschafts- und Wohnort für einiges entschädigen wird», sagt Schärli.

Corona hatte noch einen weiteren Effekt. Ab dem 24. März wurden die Arbeiten «aus Sicherheitsgründen kontrolliert» herunter-, ab dem 14. April «schrittweise» wieder hochgefahren. Schutz und Sicherheit der Bauleute habe Priorität. Es würden nur BAG-konforme Arbeiten ausgeführt. Mehrkosten seien keine entstanden, und «ja, wir sind wieder auf Kurs». Der Zeitplan könne eingehalten werden.

Es wird laut

«In den kommenden Bauetappen werden vermehrt lärmende Arbeiten durchgeführt», blickt Thomas Noack nach vorne. Der Burggraben muss aufgeweitet werden, an der Wiedenhubstrasse müssen Lärmschutzwände versetzt werden. Der städtische Bauverwalter und SP-Landrat hofft weiterhin auf Verständnis der Bevölkerung: «Wir sind nach wie vor überzeugt, dass dieser Ausbauschritt und vor allem die Erneuerungsarbeiten im Bahnhofsbereich einen grossen Mehrwert für die Bevölkerung bringen werden.» Spätestens Anfang September sollen alle Einschränkungen bei der Strassenunterführung Oristal wegfallen, auch die nächtliche Sperrung.

Noack attestiert den SBB eine «konstruktive und lösungsorientierte» Zusammenarbeit. Die Komplexität bringe es mit sich, «dass die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung sehr gefordert sind». Eine komplexe Baustelle im Stadtzentrum sei für alle Beteiligten eine sehr grosse Herausforderung. «Insbesondere beschäftigen uns die gemäss Baufortschritt notwendigen Änderungen im Verkehrsregime und in der Fussgängerführung.» Es gelte stets die Anforderungen an die Sicherheit an den Verkehrsfluss und an die Baustellenlogistik unter einen Hut zu bringen.

Reagieren musste auch die BLT. Die Endstation der Waldenburgerbahn (WB) ist nun die Haltestelle Lampenberg-Ramlinsburg, nicht mehr der Liestaler Bahnhof. Die Vierspurarbeiten benötigen vorübergehend mehr Platz. Eingerichtet wurde temporär die Buslinie 19, die noch bis zum 9. August zwischen dem Bahnhof Liestal und der Station Lampenberg-Ramlinsburg verkehrt. Das weitere Teilstück bis nach Waldenburg wird weiterhin von der WB bedient. «Die Fahrgäste sollten etwas mehr Zeit einkalkulieren, weil der Bus davon leicht mehr braucht», sagt Fredi Schödler, stellvertretender Direktor der BLT. «Grundsätzlich haben die Fahrgäste das temporäre Angebot aber gut angenommen.»

Die Gleissperrung werde von der BLT genutzt, um im Bereich Talhaus eine Gleichrichterstation für die «neue» WB zu bauen. Genehmigt das Bundesamt für Verkehr die Planung, wird die WB im Dezember 2022 mit neuen Fahrzeugen auf neuen Schienen fahren. Davon ist auszugehen. Deshalb wird ab dem 6. April 2021 in einer Umbauphase der WB-Betrieb vorübergehend durch einen Bus-Betrieb ersetzt. Zu Hauptverkehrszeiten werden im 7,5-Minuten-Takt zwei Busse unterwegs sein. Das entspreche der Kapazität der WB. «Das mit den Behörden abgestimmte Verkehrs- und Baulogistik-Konzept steht; wir sind überzeugt, dass der Bahnersatzbus genutzt werden wird», sagt Schödler. Die Bevölkerung habe bisher sehr positiv reagiert. «Und wir freuen uns auf die neue WB.»

Thomas Noack begleitet die Bauarbeiten seitens des Kantonshauptortes.
Thomas Noack begleitet die Bauarbeiten seitens des Kantonshauptortes.
Foto: Kostas Maros