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Neuer Corona-Rekord in BrasilienTrotz allem: Bolsonaro ist so populär wie noch nie

Verheerende Brände und 150’000 Corona-Tote, doch der Präsident ist beliebter denn je. Denn das Land scheint besser durch die wirtschaftliche Krise zu kommen als andere.

40 Prozent der Brasilianer sind mit ihm zufrieden: Präsident Jair Bolsonaro.
40 Prozent der Brasilianer sind mit ihm zufrieden: Präsident Jair Bolsonaro.
Foto: Ueslei Marcelino (Reuters)

Brasilien hat am Wochenende einen weiteren düsteren Meilenstein in der Corona-Pandemie überschritten: Die Zahl der Menschen, die in dem südamerikanischen Land an der Pandemie gestorben sind, ist auf mehr als 150’000 gestiegen. Nur in den USA gibt es mehr Tote. Ein paar Tage zuvor waren bereits mehr als fünf Millionen Infizierte registriert worden. (Lesen Sie hier unsere Analyse zur Beliebtheit von Bolsonaro.)

Und abseits der Pandemie gibt es noch eine ganze Reihe weiterer schlechter Nachrichten. So wüten im Pantanal, einem der grössten Feuchtgebiete der Erde, riesige Brände. Die Flammen haben bereits eine Fläche von der Grösse Belgiens zerstört. Auch im Amazonas brennt es, genauso wie in vielen anderen Landesteilen. Rauchwolken verdüstern den Himmel selbst in entfernten Grossstädten. Zu all dem fällt auch noch der Kurs der Landeswährung Real.

Wirtschaft soll um 5 Prozent schrumpfen

Umso erstaunlicher ist es, dass die Beliebtheitswerte von Präsident Jair Bolsonaro nicht gesunken sind. Im Gegenteil: Brasiliens rechter Staatschef ist in einem Umfragehoch. Noch nie seit seinem Amtsantritt am 1. Januar 2019 war er so populär wie jetzt. 40 Prozent der Brasilianer sind mit ihm zufrieden, zeigen Umfragen. Gleichzeitig lehnen immer weniger Menschen seine Politik ab oder geben ihm die Schuld für die hohen Corona-Zahlen.

Tatsächlich steht Brasilien hier bei genauerem Hinsehen auch nicht sehr viel schlechter da als seine Nachbarn. Die Pandemie hat Lateinamerika hart getroffen, dabei hatten viele Länder schon früh teils strikte Lockdowns verhängt, so zum Beispiel Peru. Hochgerechnet auf die Einwohnerzahl gibt es dort heute aber mehr Tote als in Brasilien, allen Quarantänemassnahmen zum Trotz. Und während die peruanische Wirtschaft dieses Jahr wohl den schlimmsten Einbruch in der Geschichte des Landes erleben wird, soll die von Brasilien nur um etwa 5 Prozent schrumpfen, schätzen Experten. Das wäre weit weniger als der lateinamerikanische Durchschnitt.

Bereits eine Fläche von der Grösse Belgiens zerstört: Brände im Pantanal, einem der grössten Feuchtgebiete der Erde.
Bereits eine Fläche von der Grösse Belgiens zerstört: Brände im Pantanal, einem der grössten Feuchtgebiete der Erde.
Foto: Reuters

Zu verdanken hat das Land dies einerseits seinem immer noch starken Agrarsektor: Brasilien ist der grösste Rindfleischproduzent der Welt, dazu exportiert das Land Soja, Reis, Mais und Zuckerrohr. Die Landwirtschaft wächst, allerdings auf Kosten der Natur. Viele der Waldbrände, die derzeit zu beobachten sind, dienen dazu, neues Ackerland und Weidefläche zu gewinnen. Wo früher Urwaldriesen wuchsen, grasen heute Rinder.

Diese Entwicklung ist nicht neu, auch schon Jair Bolsonaros Vorgänger haben die Agrarindustrie gefördert. Unter Brasiliens ultrarechtem Präsidenten aber hat die Branche an Einfluss gewonnen wie schon lange nicht mehr.

40 Prozent der Brasilianer bekommen monatlich 600 Real, fast 100 Franken. Das reicht für eine Mahlzeit am Tag.

Für den vergleichsweise geringen Wirtschaftseinbruch und Bolsonaros Popularität ist dennoch ein weiterer Punkt viel entscheidender: Kurz nachdem sich Covid-19 auch in Brasilien ausbreitete, beschloss die Regierung einen Nothilfeplan für Bedürftige. Zunächst geschah dies nur zögerlich und in so geringem Ausmass, dass am Ende der Kongress den Betrag erhöhen musste.

Nun aber beziehen seit April 40 Prozent der erwachsenen Brasilianer monatlich Unterstützung in Höhe von 600 Real, fast 100 Franken. Das ist nicht viel, aber es reicht, um zumindest eine Mahlzeit am Tag auf den Tisch zu bringen. Und es ist genug, um den Konsum anzukurbeln und die Umfragewerte des Präsidenten in die Höhe schnellen zu lassen.

Verschuldung wächst massiv

Jair Bolsonaro und sein Kabinett möchten diese Popularität vor den Wahlen 2022 gern festigen. Gleichzeitig kann sich das Land die Massnahmen eigentlich jetzt schon nicht leisten. Die Verschuldung Brasiliens wird bis Jahresende wahrscheinlich auf 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ansteigen, das Haushaltsdefizit wächst und wächst, und Investoren ziehen ihr Geld ab aus Angst vor einer Hyperinflation, wie es sie schon in der Vergangenheit immer wieder gegeben hat in Brasilien.

Die Regierung von Jair Bolsonaro hat nun die Unterstützung halbiert, Ende des Jahres wird sie auslaufen. Millionen Brasilianer könnten dann wieder vor dem Nichts stehenund die Umfragewerte des Präsidenten einbrechen.

26 Kommentare
    Raquelvogt

    40 % zufrieden, 30 % ein bisschen zufrieden.. Das bedeutet 70% .. 👌🏻