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Schweizer Hotels im HerbstTristesse hier, Rekorde da

Nach dem erfolgreichen Sommer melden zumindest alpine Ferienhotels auch für den Herbst gut gebuchte Zimmer. Stadthotels und auf Gruppen spezialisierte Häuser kämpfen weiter.

Eine Erfindung aus dem Lockdown: Im August wurde in Arosa das erste Candle-Light-Picknick auf dem Obersee durchgeführt.
Eine Erfindung aus dem Lockdown: Im August wurde in Arosa das erste Candle-Light-Picknick auf dem Obersee durchgeführt.
Foto: Keystone

Die Bären in Arosa erwarten Besuch. Schon in den Sommerwochen platzte das Bündner Feriendorf teils aus allen Nähten. Der Ansturm von Schweizer Gästen in diesem Corona-Jahr war enorm, das Bärenland dabei eine Topattraktion.

Auch die Herbstferien dürften in Arosa belebt werden, wie aus der lokalen Hotellerie zu erfahren ist. «Der Buchungstand für die Oktoberwochen liegt 15 Prozent über dem Vorjahresniveau», sagt Thomi Blatter, Inhaber des Viersternbetriebs Blatter’s Hotel. Dies, obwohl diverse Anfragen noch pendent seien. «Etliche Gäste wollen zuwarten, ob sich kurzfristig noch eine Fernreisealternative ergibt», weiss Blatter aus Gesprächen. Er geht optimistisch von einem 20-Prozent-Plus für das Herbstgeschäft aus. Klare Treiber sind einheimische Gäste. «99 Prozent der Buchungen kommen aus der Schweiz.»

Über eine erfreuliche bis gute Herbstferiennachfrage berichten auch andere Schweizer Hotels. Der Buchungsstand sei in diesem Jahr sogar «noch besser als im bereits sensationellen Herbst 2019», übt sich Jan Stiller vom Hotel Lenkerhof im Berner Oberland in Superlativen. Der zu Ende gehende September sei in Sachen Bettenauslastung der «beste ever» in der Hotelgeschichte, «dabei fangen die Herbstferien gerade erst an». Auch das Hotel Castello del Sole in Ascona wird seit den Sommermonaten durchgehend von vielen Anfragen regelrecht überflutet; vor Ort hat man kurzfristig entschieden, die Herbstsaison in diesem Jahr ausnahmsweise bis in den November zu verlängern.

In beiden Hotels die mit Abstand wichtigste Gästegruppe: Schweizer. Im Lenkerhof machen sie satte 97 Prozent der Belegung aus. «Der inländische Gästeanteil ist auch im Castello del Sole heuer markant gewachsen», sagt Jürg Schmid. Der ehemalige Direktor von Schweiz Tourismus ist Präsident der Hotelvereinigung The Living Circle, zu der das Castello del Sole gehört.

Auffällig viele Familien und junge Gäste

Was die Gästestruktur anbelangt, stellen die Hoteliers auch neue Trends fest. Obschon Familien für herbstliche Bergferien traditionell ein wichtiges Gästesegment sind, schlägt das aktuelle Jahr da und dort Rekorde. «Bei uns haben für September und Oktober unglaublich viele Familien gebucht, von denen zahlreiche in früheren Jahren eher Ferien in Spanien, Italien oder Griechenland verbracht haben», berichtet Jan Stiller vom Lenkerhof, wo schon der Sommer im Vergleich zu früheren Jahren mehr als 1000 zusätzliche Kinderlogiernächte gebracht hat.

Mehr als in früheren Jahren ist auch das Motto im Hotel Cresta Palace in Celerina im Engadin, das sich gezielt an das Familiensegment richtet, etwa mit Gratis-Übernachtungen für Kinder bis 12 Jahren im Zimmer mit den Eltern. «In diesem Jahr war die Nachfrage bereits im Sommer massiv, was sich nun nahtlos auch in den Herbst zieht», sagt der Hoteldirektor Markus Tauss. Mit zahlreichen Spezialangeboten wie Ziegentrekking, Familiensegeln auf dem St. Moritzersee etc. versucht das Cresta Palace, viele der neuen Gäste zu Stammgästen zu machen.

Thomi Blatter fällt in Arosa auf, dass sich für die Herbstferien auffällig viele junge Gäste einbuchen, teils Paare oder auch in Gruppen. «Auch dies ist ein Segment, das in ‹normalen Jahren› in der Herbstzeit typischerweise eher eine Woche auf eine Insel fliegt, statt in die Berge zu kommen.»

Mehr Schwierigkeiten für Seminar- und Eventhotels

Weniger stark vom Schweiz-Boom bei inländischen Ferienreisenden können Hotels profitieren, die auch im Event- und Seminargeschäft aktiv sind. Die Aussicht auf herbstliche Spitzenzahlen habe Andreas Meier, General Manager im Blu Radisson Andermatt, deshalb nicht. Mit 224 Zimmern eines der grössten Hotels im Alpenraum, fehlen dem Betrieb Corona-bedingt nach wie vor die Gruppen. «Immerhin werden die Ausfälle zu einem guten Teil durch die zusätzlichen Ferien- und Wandergäste kompensiert, von denen bei uns diesen Herbst 80 Prozent aus der Schweiz und 15 Prozent aus dem süddeutschen Raum stammen», sagt Meier. Besonders freut ihn, dass seit einigen Monaten deutlich mehr Gäste aus der Romandie den Weg nach Andermatt finden.

Auch im Deltapark Vitalresort am Thunersee werden die in normalen Jahren fest budgetierten Seminargäste zurzeit schmerzlich vermisst. Dennoch zeigt sich Hoteldirektor Mirco Plozza mit dem Herbstgeschäft zufrieden. Für die Zeit zwischen Mitte September und Mitte Oktober rechnet er dank einem starken Plus an Schweizer Feriengästen mit einem Buchungsstand etwa auf dem Niveau von 2019. «Sorgen bereitet uns dafür die Zeit nach den Herbstferien bin den Frühling 2021, weil alle grossen Seminare und Anlässe bis weit ins kommende Jahr hinein abgesagt wurden.»