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Corona-Ausbruch in FleischfabrikTönnies darf ab morgen wieder schlachten

Schweinemäster atmen auf. Ab Donnerstag in der Früh werden erstmals seit dem Corona-Ausbruch in der deutschen Fleischfabrik wieder Tiere angeliefert.

Schweine in einer Schweinefarm in Nordrhein-Westfalen. (2. Juli 2020)
Schweine in einer Schweinefarm in Nordrhein-Westfalen. (2. Juli 2020)
Foto: Lukas Schulze/Getty Images

Nach dem Corona-Ausbruch bei Deutschlands grösstem Schlachtbetrieb Tönnies in Nordrhein-Westfalen darf das Unternehmen ab sofort wieder schlachten. Die Behörden haben einen eigentlich bis Freitag geltenden Produktionsstopp am Mittwoch aufgehoben, wie die Stadt mitteilte. Tönnies kündigte an, Donnerstag wieder in der Stadt Rheda-Wiedenbrück schlachten zu wollen. Ab den frühen Morgenstunden würden die ersten Tiere angeliefert, sagte ein Konzernsprecher.

Eine Genehmigung für den zweiten Produktionsschritt ist allerdings noch offen. Für die Zerteilung der Tiere hat die Stadt vorerst noch keine Genehmigung erteilt. Hier soll es am Donnerstag zunächst nochmals eine Begehungen der Behörden geben. Gutachter sollen sich beispielsweise Trennelemente aus Plexiglasscheiben anschauen, die die Arbeiter bei der schweren körperlichen Arbeit voneinander trennen. Am Freitag soll der Bereich nach Angaben der Stadt im Probebetrieb wieder aufgenommen werden.

Der Tönnies-Standort hatte in den vergangenen Wochen international Schlagzeilen gemacht, weil sich rund 1400 Mitarbeiter, darunter viele Werksarbeiter, mit dem Virus Sars-Cov-2 infiziert hatten. Während in den übrigen Gebieten Deutschlands die Corona-Massnahmen deutlich gelockert wurden, hatte die Bevölkerung in der Umgebung deshalb erneut weitgehende Einschränkungen des Alltags hinnehmen müssen.

Ganze Wohngegenden wurden abgeriegelt.
Ganze Wohngegenden wurden abgeriegelt.
Foto: Leon Kuegeler/Reuters

Betroffen waren zeitweise rund 640’000 Einwohner. Einige Feriendestinationen verweigerten Touristen aus der Region die Anreise. In den eiligst aufgebauten Testzentren gab es einen Ansturm, um sich negative Testergebnisse für die Sommerferien ausstellen zu lassen.

25’000 Schweine pro Tag

Tönnies schlachtet am Hauptsitz in Ostwestfalen im Normalbetrieb pro Tag je nach Marktlage zwischen 20’000 und 25’000 Schweine. 30’000 sind von den Behörden genehmigt. Durch den Produktionsstopp in Deutschlands grösstem Schlachtbetrieb hatte sich ein Stau bei den Schweinemästern gebildet. Sie wurden ihre Tiere nicht los, und in den Ställen wurde der Platz eng. Die Vertrags-Lieferanten, rund 20 Prozent, konnten auf andere Tönnies-Standorte ausweichen. Die anderen Mäster mussten sich auf dem freien Markt neue Schlachthöfe suchen.

Die Stadt Rheda-Wiedenbrück kündigte an, den Schlachtbetrieb bei Tönnies künftig intensiver zu kontrollieren. Auch auf die massiv in die Kritik geratene Unterbringung der Werkarbeiter will die Stadt ein besonderes Auge haben. Bei landesweiten Überprüfungen von Unterkünften für Arbeiter der Fleischindustrie waren zuletzt in Nordrhein-Westfalen zahlreiche Mängel festgestellt worden – von Schimmelpilzen in armseligen Behausungen, undichten Dächern bis hin zu überbelegten oder sogar einsturzgefährdeten Gebäuden, wie der Gesundheitsminister Nordrhein-Westfalens berichtete.

Ministerin hinterfragt Akkord-Schlachtung

Nach dem Neustart bei Tönnies fordert Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser eine Kehrtwende. «Ein «Weiter so» kann und darf es nicht geben – zum Schutze der Menschen und zum Schutze der Tiere», sagte sie am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. «Wir müssen jetzt die Weichen neu stellen und vom Stall bis zur Ladentheke neujustieren.»

Wenn der Ausfall eines Glieds reiche, die ganze Kette ins Stocken zu bringen, sei das System nicht gesund. «Dies muss ein Weckruf sein.» Tönnies stelle allein etwa 40 Prozent der Schlachtkapazität in Nordrhein-Westfalen. «Man muss sich auch mal angucken, ob wirklich im Akkord geschlachtet und zerlegt werden muss», sagte die Ministerin. Am Freitag beschäftigt sich der Landwirtschaftsausschuss des Landtags von Nordrhein-Westfalens in einer Sondersitzung mit der Lage.

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oli/sda

6 Kommentare
    Nina Simone

    Da haben die aber Schwein gehabt, im Gegensatz zu jeder armen Sau die ab heute wieder dran glauben muss, damit sich die Menschheit mit Billigfleisch bis zur Gicht vollstopfen kann.

    Wenigstens wurde hierbei ein kleiner aber feiner Gedanke an den bedenklichen Gesundheitsaspekt verschwendet.