Zum Hauptinhalt springen

StadtjägerTödlicher Absturz im Sudan

Unterwegs für einen Pilgertransport nach Mekka krachte vor 60 Jahren eine Balair-Maschine mit zwölf Personen an Bord in eine Gebirgswand.

Gedenktafel zu Ehren der vor 60 Jahren während eines Balair-Flugs im Sudan umgekommenen Passagiere.
Gedenktafel zu Ehren der vor 60 Jahren während eines Balair-Flugs im Sudan umgekommenen Passagiere.
Foto: Dominik Heitz

Eigentlich hätte die Maschine der Balair erst am nächsten Tag zu fliegen brauchen. Doch der Kapitän entschied sich anders. Nach erfolgter Tankung setzte er noch am Sonntag, 15. Mai 1960, um 17.26 Uhr Ortszeit seinen Flug von Khartum quer über den Sudan fort. Ziel war Dakar. Dort hätte die Maschine Pilger für den Rückflug nach Mekka aufnehmen sollen. Doch die Balair-Maschine sollte nie in Dakar ankommen.

Die Nacht über dem Sudan war an diesem Sonntag zwar wolkenlos, aber dunkel – und der Rückenwind entwickelte sich stärker als erwartet. Hatte sich der Kapitän Edgar Hansen durch eine andere Arbeit ablenken lassen? War eine programmierte Kursänderung wegen des starken Rückenwinds zur falschen Zeit erfolgt? Und hatte vielleicht das Funkfeuer der Stadt Fashir zu schwach geleuchtet?

Plötzlich war da diese Wand. Mit voller Wucht krachte die Maschine in einen felsigen Hang des Djebel-Gebirges, explodierte und ging wegen des vollen Tanks in einer grossen Stichflamme auf. Die zwölf Passagiere waren auf der Stelle tot. Ortszeit: 22 Uhr.

Am späten Montagnachmittag erhielt die Direktion der Balair ein Telegramm, wonach ein Flugzeug im 3000 Meter hohen Djebel-Gebirge die weit verstreuten Trümmer der abgestürzten Balair-Maschine gesichtet habe – 750 Kilometer südwestlich von Kartum und 170 Kilometer von Fashir entfernt. Die Behörden der Provinz Darfur, in deren Gebiet der Unglücksort liegt, ehrten die Toten mit einer militärischen Gedenkfeier an der Unfallstelle. Weil das Wrack nur schwer zugänglich war, konnte kein Pfarrer in dieses Gebiet aufgeboten werden. Drei Tage nach dem Absturz erfolgte auf dem Flughafen Basel-Mülhausen eine schlichte Gedenkfeier mit dem gesamten fliegenden, technischen und kaufmännischen Personal der Balair.

Mit voller Wucht krachte die Maschine in einen felsigen Hang des Djebel-Gebirges, explodierte und ging in einer grossen Stichflamme auf.

Wer waren die Opfer des Absturzes? Neben dem Kapitän Hansen an Bord waren die drei Flugoffiziere René Fred Widmer, Rolf Camenzind und Rolf Rein, die beiden Navigationsoffiziere Pietro Nocentini und Rinaldo Greco, die Bordmechaniker Ernst Mathis, Hans Kost und Emil Städeli, der Chefsteward Giovacchino Mazzi – und Otto Lehmann von Radio Basel sowie der Schriftsteller und Publizist Hans Schürmann. Alle zwölf zeigten die «Basler Nachrichten» und die «National-Zeitung» im Bild. Otto Lehmann und Hans Schürmann wurden von den beiden Tageszeitungen besonders gewürdigt. Denn Lehmann war den Radiohörern als Leiter der Abteilung Hörfolgen und besonders in der Radiofigur Zacharias Nägeli bekannt, zudem betätigte er sich als Schauspieler. Seine Reise nach Mekka diente einer Radioreportage über die Pilgerflüge, wie auch Hans Schürmann, der damals einige Monate als Steward bei der Balair arbeitete, einen Reisebereicht über die Balair-Flüge zu veröffentlichen beabsichtigte.

Am 25. Mai fand zu ihren Ehren in der übervollen Martinskirche eine Trauerfeier statt. Emmanuel Iselin, Verwaltungsratspräsident der Balair, sagte in seiner Gedenkrede unter anderem: «Wir werden für die Verstorbenen eine Gedenkstätte errichten lassen, um ihr Andenken zu ehren und ihre vorbildliche Pflichterfüllung als Wegleitung für unsere künftige Arbeit nicht zu vergessen.» Die schlichte Gedenktafel steht auch noch heute, 60 Jahre später, auf dem Friedhof Hörnli im Schutz einer Buche, ganz in der Nähe des Kindergräberfelds.

Die Gedenktafel «In Erinnerung an die Verunglückten im Sudan Balair» befindet sich auf dem Friedhof Hörnli, ganz in der Nähe des Kindergräberfelds.
Die Gedenktafel «In Erinnerung an die Verunglückten im Sudan Balair» befindet sich auf dem Friedhof Hörnli, ganz in der Nähe des Kindergräberfelds.
Foto: Dominik Heitz