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Unwetter in EuropaTodesopfer und Chaos in Südfrankreich und Norditalien

Im Piemont und in der Region Nizza gibt es nach Unwettern schwere Schäden, mindestens acht Menschen werden vermisst. In Norditalien starb ein Feuerwehrmann bei Aufräumarbeiten.

Diese Luftaufnahme zeigt die Schäden nach den Unwettern in der Region der südfranzösischen Metropole Nizza.
Diese Luftaufnahme zeigt die Schäden nach den Unwettern in der Region der südfranzösischen Metropole Nizza.
Foto: Valery Hache (Keystone)

Nach verheerenden Unwettern in Südfrankreich und Norditalien setzen Hunderte Retter die Suche nach Opfern fort. In Hinterland der Riviera-Metropole Nizza, wo Dörfer von der Aussenwelt abgeschnitten waren, werden Bewohner mit Wasser und Lebensmitteln versorgt. Zur Hilfe werde auch die Armee eingesetzt, kündigte der französische Regierungschef Jean Castex am Samstag an.

Im französischen Département Alpes-Maritimes an der Grenze zu Italien wurden mindestens acht Menschen vermisst, von zahlreichen anderen fehle eine Nachricht, resümierte Castex. Es gebe «grosse Sorge über die endgültige Bilanz».

Der im ganzen Land bekannte Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, war sichtlich betroffen: «Wir sind mit einem Unglück konfrontiert, wie ich es im (Département) Alpes-Maritimes noch nicht erlebt habe.» Der konservative Politiker kündigte laut Medien an, dass die Armee in der Region eingesetzt werden solle. Etwa 100 Häuser seien in der Region zerstört oder beschädigt worden, so Estrosi.

Starke Regenfälle hatten die Region am Mittelmeer am Freitag getroffen und fatale Überschwemmungen ausgelöst. Häuser und Brücken wurden weggerissen, lange Strassenstücke verschwanden in den Wassermassen. Die Wetterlage beruhigte sich zuletzt wieder.

In der Region Nizza und in Norditalien wüteten Unwetter. Mindestens acht Menschen werden vermisst. In Italien starben zwei Personen, darunter ein Feuerwehrmann.
Video: Tamedia

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sprach Menschen, die vom Herbststurms «Alex» getroffen wurden, via Twitter sein Mitgefühl aus. Der Sturm hatte in der Bretagne im Nordwesten des Landes erhebliche Schäden verursacht. «Gemeinsam werden wir diese Bewährungsprobe bestehen», schrieb der 42-Jährige.

Südfrankreich wird seit Jahren von schweren Unwettern getroffen, die Folgen waren schwer. Im Herbst vergangenen Jahres kamen 14 Menschen ums Leben. Die dicht bebaute Côte d’Azur wurde genau vor fünf Jahren von schweren Unwettern getroffen, 20 Menschen starben damals.

«Katastrophale Lage» in Norditalien

Dramatisch war auch die Lage im benachbarten Norditalien. In ersten Behördenbilanzen zählte die Nachrichtenagentur Ansa zwei Tote. Ein freiwilliger Feuerwehrmann aus der Gemeinde Arnad im Aostatal starb bei einer Rettungsaktion durch einen umgestürzten Baum. Zwei Menschen wurden am Sonntagmorgen noch vermisst, eine Person aus dem Piemont und ein Mann aus der Lombardei. Besonders schlimm waren die Schäden durch kaputte Strassen und Brücken sowie überschwemmte Städte im Piemont, etwa in Limone Piemonte in der Provinz Cuneo. Der Bürgermeister dort sprach von einer «katastrophalen Lage».

Teilweise hatte es im Nordosten des Mittelmeerlandes von Freitag auf Samstag so stark geregnet wie seit rund 60 Jahren nicht mehr. Orte liefen mit Schlamm und Waser voll. Autos wurden in Flüssen mitgerissen. Der Strom fiel für Tausende Menschen aus. Zeitweise gab es mehr als 20 Vermisste, doch die meisten wurden bis Sonntag gefunden. Allerdings warnten die Behörden weiter vor Hochwasser-Gefahren. Das galt auch am Fluss Po, der von Westen quer durch Italien fliesst und in die Adria mündet.

Im Piemont gibt es schwere Unwetterschäden.
Im Piemont gibt es schwere Unwetterschäden.
Foto: Lorenzo Boratto (Keystone)

In Venedig wurde am Samstag die neue Hochwasserschutzanlage Mose erstmals in einer echten Gefahrenlage hochgefahren. Die Tore der Flutschleusen an den Öffnungen der Lagune wurden aufgestellt. Am Sonntag hiess es in Medienberichten, Mose habe Wirkung gezeigt: Trotz erhöhter Wasserstände sei der Markusplatz im Zentrum trocken geblieben.

Vierjährige in Österreich von Baum erschlagen

Bei Sturmwetter in Österreich sind mehrere Kinder von Bäumen getroffen worden. Eine Vierjährige starb am Samstag bei einer Wanderung mit ihrer Grossmutter in Niederösterreich, als ein Baum in einer Orkanböe umstürzte und auf sie fiel. Die 72-Jährige und ihre anderen zwei Enkel wurden von Ästen getroffen. Der Wanderweg im Bezirk Scheibbs sei zu dem Zeitpunkt wieder freigegeben und der Starkwind wohl nicht mehr zu erwarten gewesen, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag.

Eine Zwölfjährige aus Tirol, auf die in einem Wohngebiet bei Innsbruck ein Baum stürzte, hatte Glück und trug laut Polizei nur leichte Verletzungen davon. Die Mutter hatte am Freitagabend den Angaben nach einen Schrei gehört und dann die Tochter unter dem 20 Zentimeter dicken Baumstamm entdeckt.

Orkanartiger Wind und starke Regenfälle sorgten am Samstag in Teilen von Österreich am Samstag für zahlreiche Noteinsätze, meist wegen umgestürzter Bäume und kleinerer Überflutungen.

sda/oli