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Neue Geldsammel-IdeeTierpark sucht Wolfs-«Aktionäre»

In den Langen Erlen stehen im kommenden Jahr Bauarbeiten für die neue Wolfsanlage an. Die Spendensuche verläuft auf symbolische Art und Weise. Mit einer Aktie.

Bald soll es Wölfe an der Wiese geben – wenn auch nur in einem Gehege.
Bald soll es Wölfe an der Wiese geben – wenn auch nur in einem Gehege.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Mit einer Aktie mit dem eigenen Namen drauf vor der neuen Anlage stehen, die Wölfe beobachten und wissen, dass man selber einen finanziellen Beitrag zum Gelingen der Anlage geleistet hat – das könnte verlockend sein. Zumindest hofft das Carlos Methner, Präsident des Erlen-Vereins. Wenn möglichst viele symbolisch Teilhaberin oder Teilhaber der Wolfsanlage werden, würde das den Tierpark-Verantwortlichen Spenden bescheren. Und genau darum geht es bei der Aktion, bei der Methner die dahinterstehende Symbolik unterstreicht. «Wir haben den Begriff ‹Aktie› bewusst in Anführungs- und Schlusszeichen geschrieben, dass ja keine falschen Vorstellungen eines richtigen Wertpapiers aufkommen», sagt Methner.

«Aktie» soll für Identifikation sorgen

Im kommenden Jahr feiert der Tierpark Lange Erlen sein 150-jähriges Bestehen. Es soll das Jahr des Europäischen Wolfs werden. Läuft alles nach Plan, starten die Bauarbeiten für die neue Anlage mit dem Spatenstich bereits am Festwochenende des 21. und 22. August. Das Gehege wird bis zu 5500 Quadratmeter gross und reicht vom Haupteingang der Wiese entlang bis zum Hintereingang bei den Eseln auf Höhe des Erlenparkstegs. Die Anlage übernimmt quasi den Raum des Erlenparkwegs. Die Verantwortlichen rechnen mit Kosten von rund vier Millionen Franken. Das Geld soll eben mit dem Verkauf von «Aktien» zusammenkommen.

Das symbolische Wertpapier kostet 150 Franken – auf Wunsch darf es natürlich auch mehr sein. Obwohl die «Aktie» erst in der hauseigenen «Erle-Zytig» vorgestellt wurde, kam dadurch bereits ein «stolzer fünfstelliger Betrag zusammen», schwärmt Carlos Methner. Das symbolische Wertpapier wurde vom Basler Grafiker Fredy Prack gestaltet.

Der Erlen-Verein ist bei allen Neubauprojekten auf Spenden angewiesen. Mit der Herausgabe einer «Aktie» zielen die Geschäftsführung und der Vorstand auf eine noch stärkere Identifikation mit dem Vorhaben und so auch mehr Einnahmen. «Es ist halt etwas mehr als bloss das Überweisen eines Betrags. Man hat dann etwas in der Hand», sagt Geschäftsführerin Claudia Baumgartner. Dass dies ankommt, spüre man bei den Tierpatenschaften, für die es auch spezielle Urkunden gibt.

Mit dieser Aktie kann jeder Gönner etwas an die Wand hängen.
Mit dieser Aktie kann jeder Gönner etwas an die Wand hängen.

Bauen in Modulen

Nachdem im laufenden Jahr sämtliche Bauprojekte realisiert werden konnten – dazu gehört auch der heute wiedereröffnete Steg über den hinteren Weiher, kann sich der Erlen-Verein im Jubiläumsjahr voll auf den Wolf konzentrieren. Das lang gezogene Gehege wird die zweitgrösste Anlage nach jener des Rothirschs.

Fertiggestellt kann es in drei Module unterteilt werden. Ziel sei es, dass die geplanten drei Wölfe bereits einziehen können, wenn ein Modul fertiggestellt ist, erklärt Tierparkleiter Bruno Ris. «Langfristig wollen wir natürlich die ganze Anlage so realisieren, wie wir das geplant haben. Aber es wäre wie beim Wisent baulich möglich, dass die Tiere bereits einziehen, wenn erst Teile der Anlage erstellt sind.» Es sei aber der Anspruch – auch betreffend Tierhaltung –, dass die Wölfe am Ende die gesamten gegen 5500 Quadratmeter Fläche zur Verfügung haben.

Vereinspräsident Carlos Methner ist überzeugt, dass der Europäische Wolf ins Konzept des Tierparks Lange Erlen passt. Im Vergleich zum Elch, über den die Verantwortlichen ebenfalls nachgedacht haben, oder auch den Wisent, habe der Wolf einen grossen Vorteil: Als Fleischfresser lässt er die Pflanzen unberührt. Spuren hinterlässt er nur auf dem Boden dort, wo er sich häufig bewegt. Und das tue das als «Läufer» bekannte Tier überdurchschnittlich viel.

6 Kommentare
    Jörg Kramer

    Nach dem Aquarium an der Heuwaage, noch ein Projekt, Wildtiere, die in der Natur ein grosses Einzugsgebiet benötigen, auf einer kleinen Fläche, zwecks Publikumsbelustigung einzusperren. Es sollte doch jedem vernünftig denkenden Menschen klar sein, dass er dies nicht tun soll. Auch nicht der Erlenverein.