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Wegen Spionageaffäre weniger LohnTidjane Thiams Salär sinkt auf 10,7 Millionen Franken

Der Ex-Chef der CS bekommt wegen der Überwachungsaffäre 15 Prozent weniger Lohn. Seine Boni werden gekürzt.

Jorgos Brouzos
Der Ex-CS-Chef Tidjane Thiam im Februar bei seinem letzten öffentlichen Auftritt im Sold der Bank.
Die Überwachungsaffäre kostet ihn Millionen.
Der Ex-CS-Chef Tidjane Thiam im Februar bei seinem letzten öffentlichen Auftritt im Sold der Bank.
Keystone

Die Spionageaffäre bei der CS wirkt sich auf das Salär von Ex-Bankchef Tidjane Thiam aus. Für das letzte Geschäftsjahr wird ihm eine Gesamtvergütung von 10,7 Millionen Franken zugesprochen. 2018 waren es noch 12,65 Millionen Franken. Der Rückgang um 15 Prozent hängt mit der Überwachungsaffäre zusammen. Zwar gebe es nach wie vor keine Beweise, dass Thiam etwas von der Überwachung von Ex-CS-Mann Iqbal Khan und dem ehemaligen CS-Personalchef Peter Goerke gewusst habe, heisst es im Vergütungsbericht der Bank. Die Sache habe aber dem Ruf der Bank so geschadet, dass der Verwaltungsrat den kurzfristigen Bonus gekürzt hat.

Die harten Zahlen sprechen dagegen für den Ex-Bankchef. Im Vergütungsbericht bekommt er daher gute Noten. So hat die Bank unter seiner Führung die Vorgaben des Verwaltungsrats für die Eigenkapitaldecke und die verwalteten Vermögen erfüllt. Auch schnitt etwa die CS-Aktie bis Ende 2019 besser ab, als die vieler Konkurrenten. Derzeit sieht es natürlich anders aus. Die Aktie hat seit Jahresbeginn mehr als 40 Prozent verloren, diejenige der UBS büsste etwas mehr als 30 Prozent ein.

Keine Abgangsentschädigung, aber aufgeschobene Boni

Thiam erhält keine Abgangsentschädigung. Es stehen ihm aber noch aufgeschobene Boni-Anteile aus früheren Jahren zu. Diese können sich im besten Fall auf 25 Millionen Franken summieren – doch es ist davon auszugehen, dass aufgrund des tiefen Aktienkurses nur ein Bruchteil davon ausbezahlt wird. Sollte er nicht zu einem Konkurrenten der Bank wechseln, werden diese Bonusansprüche in den kommenden fünf Jahren ausbezahlt. Würde aber in der Zukunft doch noch herauskommen, dass Thiam etwas von den Überwachungsaufträgen wusste oder er der Bank sonst wie geschadet hat, werden die längerfristig aufgeschobenen Boni auch bei ihm verfallen.

Das ist der Fall bei Ex-Chief-Operating-Officer Pierre-Olivier Bouée. Dieser ist im Unterschied zu Thiam kein «good leaver», sondern er wurde gefeuert. Bis zu seiner Entlassung im letzten Dezember war Bouée die rechte Hand von Thiam und der operative CS-Chef. Er steht laut der CS hinter beiden Überwachungsaufträgen und musste deswegen die Bank verlassen. Ferner verliert er dadurch ein Bonuspaket von rund 4 Millionen Franken. Laut dem Finanzportal «Finews» will sich Bouée dagegen wehren.

Nachfolger für Urs Rohner wird gesucht

Der Verwaltungsrat um Präsident Urs Rohner soll im Gegensatz zu Thiam keine Lohnreduktion erhalten. So wird Rohner wie letztes Jahr ein Salär von 4,7 Millionen Franken erhalten. Bei der Bank ist man überzeugt davon, dass das Gremium in der Krise schnell gehandelt habe und so dazu beigetragen habe, die Situation rasch zu klären. Der Verwaltungsrat habe zum Beispiel dafür gesorgt, dass eine externe Untersuchung durchgeführt wurde. Die Finma hat allerdings beschlossen, die Vorgänge von einem eigenen Prüfbeauftragten erneut unter die Lupe nehmen zu lassen.

Klar ist, dass die Credit Suisse einen Nachfolger für Rohner sucht. Seine Amtszeit läuft noch bis zur Generalversammlung 2021, danach greift die Amtszeitbeschränkung von 12 Jahren. In den kommenden Monaten soll ein Kandidat gefunden werden. Offenbar werden Headhunter damit beauftragt, einen neuen CS-Präsidenten zu finden. Die Suche läuft sowohl in der Schweiz als auch im Ausland.

Die aktuelle Generalversammlung am 30. April wird die CS ohne Publikum durchführen. Sie wird in einem reduzierten Rahmen abgehalten. Ein Spiessrutenlauf durch kritische Voten von wütenden Kleinaktionären, die Fragen zur Beschattungsaffäre haben, bleibt der Bankführung dank Corona also erspart.

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