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Die Zahlen des ersten Wochenendes«Tenet» startet stark: Ist die Kinokrise jetzt ausgestanden?

Trotz Corona: Der Actionthriller von Christopher Nolan kommt erstaunlich gut an. Eine Rückkehr zur Kino-Normalität ist damit aber nicht erreicht.

Hat ordentlich Fahrt aufgenommen: «Tenet» von Christopher Nolan.
Hat ordentlich Fahrt aufgenommen: «Tenet» von Christopher Nolan.
Foto: PD

Regen, Regen, Regen. In der Schweiz war das vergangene Wochenende so, wie es sich Kinobetreiber wohl das ganze Jahr über wünschen würden, um bessere Eintrittszahlen zu haben. Aber diesmal ging es um mehr – es ging darum, ob «Tenet» es schaffen würde, die Zuschauer im grossen Stil wieder in die Säle zu locken.

Und ja, der zum ultimativen Hoffnungsträger hochstilisierte Film erreichte in der Schweiz in den ersten fünf Tagen 55’500 Zuschauer. Bei insgesamt 216 bespielten Leinwänden ergibt das einen Schnitt von 257 Besuchern pro Screen. Zum Vergleich: «The Lion King», der erfolgreichste Film 2019 in der Schweiz, erreichte bei seinem Filmstart einen Schnitt von 809 Zuschauern pro Leinwand. «Tenet» hat somit keinen Traumstart hingelegt, aber ein ausgesprochen solides Ergebnis erzielt.

«Das Wetter ist Faktor Nummer 1 und unsere grösste Konkurrenz – nicht Streaming, nicht Corona.»

Edna Epelbaum, Präsidentin des Schweizerischen Kinoverbandes

Entsprechend erleichtert reagieren die Kinos. Edna Epelbaum, Kinobetreiberin und Präsidentin des Schweizerischen Kinoverbandes, sagt: «Wir sind sehr zufrieden, und dieses Wochenende zeigt auch, was ich immer sage: Das Wetter ist Faktor Nummer 1 und unsere grösste Konkurrenz – nicht Streaming, nicht Corona. Wetter und Inhalt bringen die Menschen ins Kino.»

Auch bei der Kinokette Kitag ist man erfreut, «endlich wieder einen aktuellen Blockbuster zeigen zu können». Man habe zahlreiche Feedbacks erhalten, in denen Gäste betonten, wie sehr es ihnen gefällt, endlich wieder einen Film auf Grossleinwand zu schauen.

«Wir könnten nicht zufriedener sein.»

Toby Emmerich, Chairman von Warner Bros.

Auf internationaler Ebene sorgte «Tenet» ebenfalls für ein überraschend gutes Ergebnis: Der in 70 Ländern angelaufene Film spielte bislang 53 Millionen Dollar ein. «Ein fantastischer Start», kommentiert Toby Emmerich, Chairman des Hollywoodstudios Warner Bros., «wir könnten nicht zufriedener sein.»

Nur: Um die Gewinnschwelle zu erreichen, reicht das nicht – bei weitem nicht. Laut Branchenportal «Indiewire» müsste der über 200 Millionen Dollar teure Science-Fiction-Film 800 Millionen Dollar einspielen, um in die schwarzen Zahlen zu kommen. Ist das realistisch?

Nächste Starts in den USA und China

Gut möglich, denn in den beiden weltweit grössten Kinomärkten – USA und China – wird «Tenet» wegen Corona-bedingter Verzögerungen und zwischenzeitlich geschlossener Kinos erst kommendes Wochenende anlaufen. Auch in Russland oder Indien steht ein Kinostart noch bevor.

Das bedeutet, dass Nolans Film ungleich längere Zeit benötigt, um ein Ergebnis zu erreichen, wie es vor Corona für weltweit simultan veröffentlichte Blockbuster in wenigen Tagen machbar war. Oder um es mit den Worten von Toby Emmerich zu sagen: «Angesichts der beispiellosen Umstände sind wir uns bewusst, dass wir mit ‹Tenet› keinen Sprint, sondern einen Marathon bewältigen müssen.»